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    Ohne Anprobieren? Schuhkauf im Internet boomt

    Mit einem Mausklick Schuhe und Klamotten kaufen: Der E-Commerce wächst ausgerechnet bei klassischen Einzelhandelsprodukten stürmisch. Junge Internet-Unternehmen wie Zalando machen den Platzhirschen Konkurrenz.

    Schuhtrends für Sommer 2012
    Nicht nur Frauen kaufen Schuhe gerne über das Internet.
    Foto: DPA

    Berlin (dpa) - Bei der verzückten Kundin löst eine Zalando-Schuhlieferung im Werbespot einen hysterischen Glücksschrei aus. Der Konkurrenz treibt der Erfolg des Berliner Online-Händlers eher Sorgenfalten in die Stirn. Gerade einmal vier Jahre ist das Start-Up auf dem Markt. Im ersten Halbjahr 2011 erzielte die Verkaufsplattform, hinter der die Samwer-Brüder als Investoren stehen, bereits mehr als 200 Millionen Euro Nettoumsatz.

    Angeblich wird jetzt die erste Umsatzmilliarde angepeilt. Bei Zahlen ist das Unternehmen zurückhaltend - erst recht, wenn es um Gewinne oder Verluste geht. Mit rund 3000 Mitarbeitern ist Zalando aber schon in halb Europa präsent, unter anderem in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden. Im Juli stehen Polen, Norwegen und Dänemark auf dem Expansionsplan.

    Der Verkauf im Internet lohnt sich

    Im Oktober 2008 war Zalando mit 15 Beschäftigten in einem kleinen Berliner Büro gestartet. Mittlerweile werden online gut 100 000 Artikel und 1300 Marken vertrieben, vorwiegend immer noch Schuhe. Mit Bekleidung und Heimtextilien wurde die Angebotspalette bereits erweitert. Anfang 2013 ist in Erfurt die Eröffnung eines weiteren, 100 Millionen Euro teuren Lagers geplant. Schon in der ersten Ausbaustufe soll es eine Kapazität für mehr als acht Millionen Produkte haben.

    Die Expansion neuer Mitspieler wie Zalando sorgt für Wirbel in der Versandhandelsbranche - auch der Platzhirsch, die Hamburger Otto Group, musste reagieren und will nun die Kosten und die Preise senken. Wie konnte Zalando aus dem Nichts zur ernsthaften Konkurrenz werden? "Wir betreiben relativ viel Aufwand, immer alle relevanten Marken im Sortiment zu haben", heißt es offiziell. Dass gerade Schuhe vor dem Kauf gerne anprobiert werden, scheint kein Nachteil für das Geschäft im Netz zu sein.

    Deichmann und Co. haben es schwer

    Im ohnehin schwierigen Schuhhandel wird der Wettbewerb ständig angeheizt. Im Online-Verkauf mischt seit Mai vergangenen Jahres auch der weltgrößte Internet-Händler Amazon mit. Mit einem ganzen Jahr Rückgabefrist und einer zweiwöchigen Tiefpreisgarantie sowie einem schnellen kostenlosen Versand versucht der US-Konzern, mit seinem neuen Shop Javari.de zu punkten.

    Dagegen halten müssen die Traditionsunternehmen: Europas größter Schuhhändler Deichmann startete nach eigenen Angaben zwar schon im Jahr 2000 als erster mit einem Online-Shop. Im vergangenen Jahr musste das Essener Familienunternehmen aber sein Wachstumstempo insgesamt drosseln. Der Umsatz stieg zwar noch um fünf Prozent auf 4,13 Milliarden Euro - ohne neue Filialen hätte sich aber ein leichtes Umsatzminus ergeben.

    Anders als Zalando und die anderen reinen Internet-Anbieter glaubt Deichmann weiterhin an den Vorteil der Filiale: "Der Kunde kann zwischen stationärem und dem Angebot im Internet pendeln", erklärt Sprecher Ulrich Effing. "Das heißt, er kann in einem der 1200 Läden prüfen und schauen und anschließend online bestellen."

    International betreibt Deichmann acht Online-Shops, vier weitere in Europa und den USA sollen in diesem Jahr folgen. Der Umsatz im Netz mache aber immer noch nur einen Bruchteil aus. Das Thema habe sicher Potenzial, sagt Effing, "allerdings setzen wir auch auf die sinnliche Erfahrung des Schuhkaufs, die vor allem weibliche Kunden lieben."

    Von einem erneut zweistelligen Umsatzwachstum beim Onlinehandel insgesamt geht der Bundesverband des Deutschen Versandhandels aus. Wurden 2011 im E-Commerce fast 22 Milliarden Euro umgesetzt, könnten es in diesem Jahr mehr als 25 Milliarden Euro sein. "Neue Geräte, neue Geschäftsmodelle und die immer stärkere Verknüpfung von Web- und Stationärhandel beflügeln das Online-Geschäft", betont Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Das Kölner Handelsinstitut EHI rechnet damit, dass der Online-Umsatzanteil am gesamten Einzelhandel 2025 mehr als ein Viertel betragen könnte.

    Die drei genannten Schuhgeschäfte im Netz: 

    Von Maren Martell

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