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    Neue Lesetempel - Auch Berlin will Superbibliothek

    Berlin/Stuttgart (dpa) - Verstaubte Regale, abgegriffene Bücher, mühsame Ausleihen - öffentliche Bibliotheken hatten oft nicht gerade einen guten Ruf. Doch dem Internet zum Trotz: Immer mehr Großstädte setzen auf eine ganz neue Art von Bibliothek.

    André Schmitz
    Kulturstaatssekretär André Schmitz will einen Platz der Bildung für alle.
    Foto: Matthias Balk - DPA

    Mit spektakulären Neubauten wollen Metropolen weltweit ihren Bürgern Chancen auf lebenslanges Lernen eröffnen, wie etwa in Tokio, Amsterdam, Mexiko-Stadt, Vancouver, Seattle oder Stuttgart.

    Im britischen Birmingham wird am Dienstag die wohl größte öffentliche Bibliothek Europas eröffnet - 31 000 Quadratmeter Nutzfläche, 24 Kilometer Regale, 1,5 Millionen Bücher. Hinter einer schimmernden Fassade aus ineinander verschränkten Metallringen öffnen sich Lese- und Vortragssäle, Ausstellungsräume, Studios, Dachterrassen, Cafés und ein Freiluft-Amphitheater.

    «Bibliotheken sind heute die wichtigsten öffentlichen Räume, so wie früher Kirchen», sagte kürzlich die verantwortliche Architektin Francine Houben vom renommierten niederländischen Büro Mecanoo, die das 220 Millionen Euro teure Gebäude einen «Volkspalast» nennt. «Wir wollten, dass es offen und einladend wird, nicht nur für Reiche oder Intellektuelle, sondern für jedermann.» Mehr als drei Millionen Besucher im Jahr werden erwartet.

    Auch Berlin will solchen Beispielen jetzt folgen. Obwohl das Land massiv verschuldet ist, plant der rot-schwarze Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für 270 Millionen Euro eine neue Metropolenbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Der Architektenwettbewerb ist bereits ausgeschrieben, bis Mitte Dezember soll das Preisgericht entscheiden. Noch in der bis 2016 laufenden Legislaturperiode ist der erste Spatenstich geplant.

    «Die Zentral- und Landesbibliothek ist schon jetzt die am besten besuchte Kultureinrichtung Berlins. Sie hat bis zu 5000 Besucher am Tag und platzt aus allen Nähten», sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD). «Es ist unsere Pflicht, einen Ort der Bildung für alle zu schaffen.»

    Vorbilder in Deutschland sind etwa die vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron geschaffene Universitätsbibliothek in Cottbus (2004), das architektonisch spektakuläre Grimm-Zentrum der Humboldt Universität in Berlin-Mitte (2009) und die neue Stadtbibliothek in Stuttgart (2011). Der knapp 80 Millionen Euro teure Glasquader des südkoreanischen Architekten Eun Young Yi mit seinem riesigen Galeriesaal wird im Oktober als «Bibliothek des Jahres» ausgezeichnet.

    «Gerade in einer zunehmend digitalen Welt wird die Bibliothek als Ort noch attraktiver. Hier treffe ich immer noch wirkliche Menschen», sagt Frank Simon-Ritz, Vorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbands, der die Auszeichnung vergibt. «Und ich finde alle Medien, die mich bei meinen Versuchen unterstützen, die Welt kennenzulernen, zu verstehen oder auch zu verändern.»

    Internationale Vorreiter für diese Treffpunktfunktion waren etwa die an das Kolosseum in Rom erinnernde Zentralbibliothek in Vancouver von Mosche Safdie (1995) und die Amsterdam Public Library (2007), die von ihrem Restaurant im siebten Stock einen herrlichen Blick über die Stadt bietet. Diese Häuser sind längst nicht nur beliebte Lesetempel, sondern auch Touristenattraktion. Amsterdam zählte zuletzt fast 2,2 Millionen Besucher im Jahr, Vancouver mehr als 2,6 Millionen.

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