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    SterupKuschelige Pädagogen: Hunde im Englischunterricht

    «Was macht das Stimmungsbarometer?» «Schläft!» - Wenn man genauer sein will, dann liegt das Stimmungsbarometer der 5. Klasse an der Heinrich-Andresen-Schule in Sterup nahe Flensburg zusammengerollt im Transportkorb und linst ein wenig durch das fast geschlossene Auge.

    Hund im Unterricht
    Schulhund "Stable" in der Heinrich-Andresen-Schule in Sterup.
    Foto: C. Rehder - DPA

    Es heißt Stableford, abgekürzt Stable, und ist wie Kollegin Dimple ein Schulhund. Die rotblonden Tiere sind Nova Scotia Duck Tolling Retriever, kurz Toller. Besitzerin Gabi Orrù ist Lehrerin an der Schule und hat 2009 die AG «Fit for dogs» gegründet, in der Schüler den Umgang mit Hunden lernen. Seit 2012 kommen die Tiere auch in den Vormittagsunterricht an der Gemeinschaftsschule. Dafür hatte Orrù sich fortgebildet und am Arbeitskreis Schulhund in Nordrhein-Westfalen einiges abgeguckt. «Dann musste ich die Hunde so integrieren, dass sie die Kinder beim Unterricht unterstützen.»

    Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein, sagt, zum Einsatz ausgebildeter Hunde gebe es positive Rückmeldungen. Es zeige sich, dass etwa Kinder, die besonders laut sind, sich dann anders verhalten. Noch seien die Tiere nur sporadisch im Einsatz, es verbreite sich aber weiter. Die GEW beschäftigte sich auf einem ErzieherInnentag mit dem Thema tiergestützte Pädagogik.

    Im Kollegium habe es großen Zuspruch gegeben, ebenso bei Eltern, erzählt Lehrerin Orrù. Inzwischen wollen Kinder wegen der Hunde an der Schule angemeldet werden, wie sie erzählt. Doch die Vierbeiner brauchen eine sorgfältige Ausbildung, und solche Tiere «wachsen nicht wie Pilze aus dem Boden», gibt die energische Frau zu bedenken, die ihre Tiere selbst züchtet und die Schulhunde einen Wesenstest absolvieren ließ.

    Zudem sollten Hunde nur im Team mit «ihrem» Menschen zur Schule gehen und nicht von einem Lehrer zum anderen wandern. «Frau Orrù und Hunde» steht an der Tür des eigens für das Mensch-Tier-Team eingerichteten Raums. Da haben Dimple und Stable ihren Rückzugsort mit Kuscheldecke, denn auch sie brauchen eine Pause. 20 Prozent der Kinder in Orrùs Klasse haben Förderbedarf. «Die Hunde helfen dadurch, dass sie einfach nur anwesend sind, das ist eine andere Atmosphäre als in anderen Klassen. Wir haben unglaublich viel Probleme mit Lautstärke, Nicht-an-Regeln-Halten, Anschreien - das kann man über die Hunde offenlegen.»

    Dimple stromert unter den Tischen hindurch. Manch ein Kind steht auf, streicht der Hündin durch das weiche Fell. «Wir konzentrieren uns mehr mit den Hunden als ohne», erzählt Jessica. «Es ist ruhiger, und zum Beruhigen können wir sie nach einer Arbeit streicheln.» Orrù setzt sich zu den Schülern, die aufmerksame Dimple auf dem Schoß. «Who has water for the dogs? Somebody must fill in water», mahnt Orrù im Englischunterricht, und Luca lässt sich breitschlagen und füllt den Napf.

    Im Klassenraum gibt es viele Hinweise auf die tierischen Pädagogen: Am Fenster kleben selbst gebastelte papierene Weihnachtshunde, für einen Basar haben die Kinder Windlichter mit Hundemotiven hergestellt, links hinter der Tür hängt der Hundeknigge und mahnt: «Respektiere die Ruhezone des Hundes.» «Kein wildes Gegrapsche nach dem Hund», bedeute das, sagt Orrù. «Die Hunde bleiben als Druckmittel auch mal zu Hause.» Dann etwa, wenn der Putzdienst in der Klasse geschlampt hat. Orrù weist dann auf die Gefahren hin, wenn ein Vierbeiner ein Kaugummi verschluckt und Durchfall bekommen könnte. «Dann sollen Sie mal sehen, wie schnell geputzt wird!»

    Da platzt Marie in die Klasse, zu spät, Bus verpasst. Es meckert aber keiner, schließlich wird sie von Dimple freudig begrüßt, wer will da lästern? In der alten Klasse waren die Mitschüler schon mal fies, erzählt Luca. «Hier ist alles ganz friedlich.» Er mag es, die Toller zu streicheln. «Da kann man Stress abbauen.» Das ist bei Merle zu beobachten, die mit einer Hand schreibt und mit der anderen, ohne hinzusehen, Dimple krault. «Süß» findet Aidan die Hunde. Wenn sie da sind, «fühle ich mich wohler».

    Dimple muss auch inhaltlich ran, apportiert ein Täschchen mit Karten, auf denen englische Begriffe stehen. Während die Kinder laut «Christmas cake» und «chocolate» deklamieren, guckt die Hündin interessiert zu, ihr puscheliger Schwanz wedelt zwischen bunten Sweatshirts. Orrù gibt inzwischen selbst Seminare für den Schulhund-Einsatz. Auch wegen der hundgestützten Pädagogik wurde die Schule mehrfach als «Zukunftsschule» vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

    Vorstellung der Schulbegleithunde

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