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    BrüsselKulturfestival «Europalia»: Brasilien in Brüssel

    Caipirinha statt Jupiler-Bier: Brüssel stellt sich ganz auf Brasilien ein, und das nicht nur kulinarisch. Vor allem Kunst und Musik boomen auf dem Mammutprogramm, dem das Festival «Europalia» seinen Titel als eines der größten Kulturevents Europas verdankt.

    «Europalia»
    «Operarios» von Tarsila do Amaral.
    Foto: Europalia/Acervo Artístico-Cultural-dos Palácios do Governo do Estado de São Paulo - DPA

    «Europalia»
    Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff bei der Eröffnung der «Europalia» am 04.10.2011 im Palast der Schönen Künste in Brüssel. Benoit Doppagne
    Foto: DPA

    Mehr als 600 Veranstaltungen in Brüssel und Umgebung in drei Monaten: Im Fall des bunten Vielvölkerstaats nicht nur ein Aufmerksamkeit erhaschender Superlativ.

    «Europalia»
    Königin Paola und König Albert II. bei der Eröffnung der «Europalia» im Palast der Schönen Künste in Brüssel.
    Foto: Benoit Doppagne - DPA

    Brasilien ist mit mehr als 200 Millionen Einwohner das bevölkerungsreichste Land der Region. Seine ethnische Vielfalt hat zu einem multikulturellen Schmelztiegel geführt, aus dem eine lebhafte Musikszene entstanden ist und eine viel hofierte zeitgenössische Kunst - auch wenn die meisten mit Brasilien nur Fußball, Karneval, Strand und schöne Frauen verbinden.

    Das ambitionierte Festival rollt die Kultur des lateinamerikanischen Staates von der Geschichte seiner Ureinwohner bis zur Kunst im 21. Jahrhundert auf. Ein Brasilien, wie es die Europäer sehen? In Brüssel wollte man eindeutige Zeichen setzen. Das Programm ist mehrheitlich von Brasilianern kuratiert.

    «Brazil. Brasil» heißt eine der zentralen Ausstellungen im Brüsseler Palast der Schönen Künste «Bozar». Der Titel hat programmatischen Charakter. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Kunst Brasiliens stark unter dem Einfluss europäischer Künstler und der «Imperiale Akademie». Eine von französischen Malern gegründete Akademie, die der portugiesische König João VI. Anfang des 19. Jahrhunderts nach Rio de Janeiro kommen ließ. In ihren Werken, die Straßenszenen zeigen und Landschaften, klingt nicht nur ein Echo von Delacroix und Courbet nach. Kolonialherrschaft und Sklaverei werden idealisiert, die rosa Brille der Kunst aufgesetzt.

    Zum Bruch mit dem Eurozentrismus kommt es Anfang des 20. Jahrhunderts mit Werken von Tarsila do Amaral. Ihre Frauenfiguren sind riesig, haben dicke wulstige Lippen, große hängende Busen. Die Künstlerin zerstört die europäische Vorstellung des edlen, exotischen Wilden.

    Einblick in Brasiliens zeitgenössische Kunst gibt «Art in Brazil», ebenfalls im «Bozar». Zu Brasiliens Avantgarde der dreißiger bis achtziger Jahre gehören Namen wie Alfredo Volpi, Mira Schendel, Lygia Clark oder Helio Oiticica, deren Arbeiten mittlerweile Preise im sechsstelligen Bereich erzielen. Mehr als 150 Gemälde, Papierarbeiten und Installationen sind zu sehen.

    Um historische Aufarbeitung und eine differenziertere Sicht auf die Indianer geht es in «Indios no Brasil» im Musée du Cinquantenaire. Anschaulich gemacht wird das Leben der Ureinwohner durch jede Menge Exponate und Videos. Ohne aufdringliche Didaktik wird vermittelt, dass Indianer nicht gleich Indianer ist. Heute leben in dem Land, das knapp die Hälfte Lateinamerikas einnimmt, mehr als 220 Indianerstämme mit unterschiedlichen Lebensweisen und 180 Sprachfamilien.

    Die Ausstellungen schlagen gekonnt den Bogen zwischen gestern und heute. Das Musikprogramm vereint Traditionelles, Radikales und Innovatives. Nach dem bis zum 15. Januar dauernden Marathon-Festival sollte das Bild Brasiliens mehr Facetten haben als Karneval und Zuckerhut.

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