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    SowjetskArmin Mueller-Stahl Ehrenbürger in Russland

    Der alte Volkspark Jakobsruh weckt bei Armin Mueller-Stahl Erinnerungen, die tief verschüttet schienen. Plötzlich sieht sich der 80-Jährige wieder als kleiner Junge mit seinem Schlitten einen Hügel heruntersausen.

    Armin Mueller-Stahl
    Armin Mueller-Stahl vor dem ehemaligen Haus seiner Familie im russischen Tilsit.
    Foto: Thoralf Plath - DPA

    «Hier auf diesem Weg hab ich Fahrradfahren gelernt», erzählt der Schauspieler. Es ist ein trüber Tag im Dezember, in der Nacht zuvor hat es leicht geschneit. Still ist es zwischen den hohen Buchen im Stadtpark von Sowjetsk, einer Kleinstadt mit 40 000 Einwohnern in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Mueller-Stahl denkt an ferne Kindertage: «Es ist alles noch da. Nur die Menschen von damals fehlen.»

    Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Sowjetsk Teil von Deutschland und hieß Tilsit. Hier kam Armin Mueller-Stahl am 17. Dezember 1930 zur Welt. Nur acht Jahre blieb die Familie noch im damaligen Ostpreußen, dann siedelte sie nach Westen um, ins uckermärkische Prenzlau. 73 Jahre dauerte es, bis Mueller-Stahl in seine Geburtsstadt zurückkehrte - die ihn nun zum Ehrenbürger ernennt. Es ist das erste Mal, dass eine Stadt in dem Gebiet rund um das frühere Königsberg einem Deutschen eine solche Auszeichnung verleiht. Im Stadtrat haben alle Fraktionen dieser Ehrung zugestimmt, sogar die Kommunisten.

    Sowjetsk hat keine Berührungsängste mit seiner Geschichte. Seit Jahren bemüht sich die Stadt an der Grenze zu Litauen darum, wieder den historischen Namen führen zu dürfen. Noch aber sperrt sich Moskau gegen ein Referendum. Auch alte Traditionen leben auf, bald wird ein russisch-schweizerisches Unternehmen mit der Produktion des berühmten Tilsiter Käse am Ort seiner Erfindung beginnen.

    Für Anschelika Spilowa, die junge Direktorin des Stadtmuseums, ist es einer der glücklichsten Tage in ihrem Leben - «wie Geburtstag, Weihnachten und Frauentag zusammen». Sie hatte die Ehrung des deutschen Schauspielers, Musikers und Schriftstellers vorgeschlagen. Ihr Museum, das liebevoll auch das Andenken an die ostpreußische Geschichte der einst blühenden Handelsstadt pflegt, holte Zeichnungen Mueller-Stahls für eine Sonderausstellung an die Memel. Die Schau wurde ein großer Erfolg.

    Spilowa begleitet Mueller-Stahl auf seiner Reise in die Kindheit. Den Weg vom Park zu seinem einstigen Elternhaus in der Lindenstraße findet der Deutsche auch allein. Gedankenverloren steht er vor der Eingangstür, blickt immer wieder zu den Fenstersimsen der Wohnung hoch, wo die Familie wohnte. Die Lindenstraße heißt heute Uliza Lomonossowa, nach dem berühmten russischen Naturwissenschaftler. Ein schöner Name, findet Mueller-Stahl, und freut sich, dass die Linden immer noch stehen und viel von den alten Jugendstilfassaden erhalten geblieben ist. «Die Stadt verdient es, wieder so schön zu werden wie früher. Es wird ja inzwischen einiges getan dafür, das ist zu sehen.»

    Die Museumsleiterin bietet an, an der Wohnung zu klingeln. Vielleicht könne man ja kurz hinein, aber Mueller-Stahl lehnt dankend ab. «Er möchte die Bilder von damals im Kopf behalten», sagt seine Frau Gabriele. Sie hält sich im Hintergrund, lässt ihrem Mann Raum für seine Zeitreise. Der bleibt lange stehen, wechselt die Seite, blickt den Gehweg entlang, lächelnd, aber sichtlich bewegt.

    Im Saal der Musikschule bleibt kein Platz frei, als der Bürgermeister Nikolai Woischtschew die Ehrenbürgerurkunde überreicht. In seiner Laudatio spricht er von der Freude, «dass ein so berühmter Schauspieler, Weltbürger und Botschafter der Kultur aus unserem Tilsit kommt». Mueller-Stahl hat ein Geschenk dabei: eine Mappe mit Originalzeichnungen, Illustrationen für den «Urfaust». Tilsit habe er immer im Innersten bei sich getragen, sagt er. «Man blickt von hinten auf sein Leben zurück, doch man lebt es aus seinem Anfang heraus.»

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