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    Bad MalenteWie die Mineralwasserflasche zu ihrer Form kam

    Mehr als fünf Milliarden wurden bislang hergestellt, fast so viele wie es Menschen auf der Welt gibt. Die Mineralwasser-Perlenflasche aus Glas ist ein Design-Klassiker. Entworfen hat sie Günter Kupetz 1969 in Kassel.

    Design der Mineralwasserflasche
    So entstand die Form: Ein altes original Gipsmodell für die erste Standard-Mineralwasserflasche steht in Kassel vor zwei Weiterentwicklungen. (Bild: dpa)

    Sie ist die wahrscheinlich erfolgreichste Mehrwegverpackung der Welt - die Mineralwasserflasche aus Glas, auch Perlenflasche genannt. Und sie stammt aus Nordhessen. Der Designer Günter Kupetz entwarf sie 1969 in Kassel. Er lebt mittlerweile in Bad Malente in Schleswig-Holstein. «Ich denke täglich über das Design nach. Aber ich habe noch nichts gefunden, was man verbessern könnte», erzählt der 85-Jährige, der bis vor einigen Jahren noch Pferde gezüchtet hat.

    Was heute so alltäglich aussieht, ist durchdacht von Hals bis Flaschenboden. Die markante Taille der Flasche dient der Griffigkeit. «Es gab Behauptungen, dass ich die Flasche nach einer Putzfrau modelliert hätte. Daran hab ich aber nicht gedacht», erzählt Kupetz. «Durch die Taillierung können auch Kinder die Flasche greifen», sagt die Kunsthistorikerin Cornelia Weinberger. Sie hat sich mit der Entstehung der Flasche beschäftigt und im Rahmen der Reihe «Kunstpause am Mittag» der Kasseler Museen darüber einen Vortrag gehalten.

    Die Perlen auf der Mantelfläche - 230 sollen es sein - sind laut Kupetz nicht das Wesentliche, sondern einfach nur logisch, auch wenn sie es waren, die die Flache so unverwechselbar gemacht haben. «Sie symbolisieren die Blasen im Wasser.»

    Auffällig sind zudem die beiden Stoßwülste am Boden und vor der Verjüngung. Auch sie sind bewusst geschaffen. Beim Reinigen der Flaschen und in den Befüllungsanlagen reiben die Flaschen hier aneinander. So wird zum einen das Etikett geschützt, zum anderen kann man an der Abnutzung erkennen, wie oft etwa die Flasche schon wiederbefüllt wurde. Nach etwa 50 Füllungen wird die Flasche ausgetauscht. «Ich sehe die Flasche als Einheit, darauf führe ich den Erfolg zurück», konstatiert Kupetz.

    Und der Erfolg gibt ihm recht: Seit der Einführung 1970 ist die Form nicht verändert worden. Bereits im ersten Produktionsjahr wurden 73 Millionen Flaschen hergestellt. Andere Konsumgüter wie das BIC-Feuerzeug oder das Tupper-Verpackungssystem seien ähnlich oft hergestellt worden, sagt Kunsthistorikerin Weinberger. «Aber keines war ökologisch so sinnvoll wie diese Flasche.»

    Die Flasche erhielt diverse Design-Preise und hat auch heute noch viele Bewunderer - wie Reinhard Trätner. «Die Leistung von Kupetz hat sich erst im Nachhinein gezeigt. Er selbst hat nie darüber gesprochen», erzählt der frühere Schüler von Kupetz in Kassel. Trätner betonte, er bewundere vor allem, dass die Flasche «von der Idee bis zur Entsorgung» durchdacht sei.

    Ende der 1960er war wegen der zunehmenden Industrialisierung eine neue Flasche ohne Bügelverschluss nötig geworden. «Bis dahin wurde noch über die Hälfte per Hand abgefüllt», erzählt Kupetz, der in Berlin Bildhauerei studiert hat. Nach einem Auswahlverfahren entschied sich die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) für den Kupetz-Entwurf. «Ich hatte ein Gefühl für Dinge, die ankommen. Ich habe immer überlegt, was «Lieschen Müller» wohl will», erzählt er. Zudem sei ihm die Einführung des Pfandflaschensystems entgegengekommen.

    Von den 1,2 Milliarden Flaschen, die derzeit in Europa im Umlauf sind, sind gut ein Viertel (320 Millionen) weiße Glas- Mehrwegflaschen, also die Perlenflasche. Der Großteil sind mittlerweile allerdings PET-Mehrwegflaschen (550 Millionen).

    Außer der Perlenflasche gehören zu Kupetz' Entwürfen auch die Pril-Spülmittelflasche von 1960, das AEG-Tastentelefon von 1962 und der Wienerwald-Hähnchengrill von 1963. Ein von ihm entworfenes Whisky-Set bezeichnete der Musiker und Sänger Louis Armstrong einmal als «das schönste der Welt». Reich geworden ist Kupetz, der bis heute nur Wasser aus «seiner» Flasche trinkt, trotz seiner Milliarden- Erfindung nicht. Im Gegenteil: Nach seinen Angaben streitet er mit der GDB um Tantiemen und will diese, wenn nötig, auch gerichtlich einfordern.

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