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  • Diagnose Krebs: Helga Junglas verliert nicht die Lust aufs Leben

    Mayen. Vor einem Jahr bekommt Helga Junglas die furchtbare Diagnose: Krebs. In ihrer rechten Brust wird ein bösartiger Tumor entdeckt. Nun muss alles ganz schnell gehen: 
Brustamputation, Chemotherapie, Bestrahlung. Dennoch sagt sie: 
„Mein Gott, was geht es mir gut.“

    Mitten im Leben – trotz Brustkrebserkrankung: Helga Junglas plant, mit ihrem Ehemann im Wohnwagen nach Finnland zu reisen. Entdeckt wurde der Krebs bei ihr während einer Routineuntersuchung. Im Brustkrebsmonat Oktober ruft die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz dazu auf, die Vorsorge nicht zu vergessen.
    Mitten im Leben – trotz Brustkrebserkrankung: Helga Junglas plant, mit ihrem Ehemann im Wohnwagen nach Finnland zu reisen. Entdeckt wurde der Krebs bei ihr während einer Routineuntersuchung. Im Brustkrebsmonat Oktober ruft die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz dazu auf, die Vorsorge nicht zu vergessen.
    Foto: Sascha Ditscher

    Helga Junglas hat ihr Lächeln nicht verloren. Im Treppenhaus des Gemeinschaftsklinikums St. Elisabeth in Mayen grüßt sie herzlich mal eine Krankenschwester, mal andere Patienten. „Ich komm nachher kurz zu dir“, ruft sie einer Frau zu, die ihren Mann besucht, der Bauspeicheldrüsenkrebs hat. Junglas fühlt sich wie zu Hause in dem Krankenhaus. Und das, obwohl hier bei ihr vor einem Jahr Brustkrebs diagnostiziert wurde.

    Nüchtern, fast gelassen erzählt die 52-Jährige die Geschichte ihrer Krankheit. Bei einer routinemäßigen Mammografie wird im August vergangenen Jahres eine Talgablagerung in ihrer rechten Brust gefunden. Weil diese den Ärzten verdächtig vorkam, wird eine Gewebeprobe entnommen. Dabei entdecken die Mediziner einen hinter der Talgablagerung liegenden Knoten. Der Schock: Es handelt sich um einen aggressiven, schnell wachenden Tumor. Einziger Lichtblick in dieser Zeit ist, dass der Krebs noch nicht gestreut hat. „Die Ärzte haben gesagt, dass ich nächstes Ostern nicht erleben werde, wenn wir nicht sofort mit der Behandlung beginnen“, erzählt sie. Innerhalb von wenigen Tagen wird Junglas operiert, der Knoten herausgeschnitten. Doch die Ärzte können keine Entwarnung geben, die Nachuntersuchung bestätigt ihre schlimmsten Befürchtungen: Der Krebs hat das gesamte Brustgewebe befallen. „Die Brust musste ab“, erklärt Junglas. Und sie entschließt sich zu einem drastischen Schritt: „Ich habe mich dann entschieden, beide Brüste abzunehmen. Allein der Gedanke daran, dass da auch was kommen könnte – da bist du ja nur noch am abtasten und fühlen.“ Keine zwei Wochen später werden ihr beide Brüste amputiert. Folgen sind Chemotherapie und Bestrahlung.

    Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr erkranken rund 65 500 neu daran. In Rheinland-Pfalz sind es etwa 3500. Seit 2005 existiert ein bundesweites Mammografie-Screening-Programm, das alle zwei Jahre Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren zu einer Brustuntersuchung in spezialisierten Zentren einlädt. Mammografie-Screenings sind jedoch umstritten, Kritiker bemängeln unter anderem die hohe Zahl falscher Verdachtsmomente. Laut der Stiftung Deutsche Krebshilfe erweist sich der erste Befund nach einer Mammografie in Nachfolgeuntersuchungen oft als nicht richtig. Die Frauen müssen aber trotzdem eine Zeit lang mit der Angst leben, dass sie Krebs haben könnten. Bei sechs von 1000 Frauen, die an diesen Screenings teilnehmen, wird Brustkrebs diagnostiziert.Mammografiebefürworter halten dagegen, dass die Heilungschancen umso größer sind, je früher Brustkrebs entdeckt wird, und die Sterblichkeitsrate somit gesenkt werden kann.

    Junglas ist froh, dass sie eine Mammografie gemacht hat – trotz der Nebenwirkungen. Wegen der Chemotherapie verliert sie ihre Haare und Fingernägel, die Bestrahlung verbrennt ihre Haut rund um die rechte Brust. „Je nachdem, was die Chemo im Körper anstellt, muss man unterschiedliche Medikamente nehmen. Wenn die Chemo beispielsweise auf die weißen Blutkörperchen geht, muss man speziell dagegen Antibiotika nehmen und in ,Quarantäne' leben. Karnevalsveranstaltungen sollte man in dieser Zeit auf alle Fälle meiden.“ Kurz muss Junglas selbst darüber lachen, wie abgeklärt sie über ihre Krankheit sprechen kann. Selbst als sie davon erzählt, wie die Ärzte ihr zu der Brustamputation geraten haben, bleibt sie gefasst. „Ich saß dann im Auto, und im Radio lief das Lied von Xavier Naidoo ,Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer'. Ich bin sofort auf den nächsten Parkplatz gefahren und hab Rotz und Wasser geheult“, erzählt sie.

    Was Junglas Mut macht in dieser schweren Zeit, ist der Gedanke daran, dass es sie noch viel schlimmer hätte treffen können. Alle zwei Wochen bekommt sie eine Chemo, insgesamt neun muss sie durchstehen. „Aber wenn ich gesehen habe, wie schlecht es teilweise den anderen Krebspatienten geht, dachte ich mir immer: ,Mein Gott, was geht es mir doch gut'.“ Mit positiven Gedanken möchte sie den Krebs bekämpfen. „Es ist nicht einfach“, gesteht sie. „Aber man darf sich, um Gottes Willen, nicht gehen lassen. Kopf in den Sand stecken – das ist das Schlimmste, was du machen kannst.“ Immer an ihrer Seite: ihr Ehemann und ihre Tochter. Mit Geduld und Verständnis stehen sie ihr bei. Und finden auch für die kleineren Probleme eine Lösung: „Eine Zeit lang hatte ich immer einen Salzgeschmack im Mund, alles hat ständig versalzen geschmeckt. Das war ein bisschen schlimm. Aber mein Partner hat dann gesagt: ,Würz einfach so, wie es dir schmeckt und stell für mich noch Salz, Pfeffer und Maggi auf den Tisch, und dann geht das schon'“, sagt sie und lacht.

    Nach der Chemotherapie steht noch die Bestrahlung an. „Und die war härter als die Chemo“, sagt Junglas. Insgesamt 28-mal musste sie sich bestrahlen lassen. Sie hält sich die Arme über den Kopf und beschreibt, wie sie sich auf die Bestrahlungsliege legen musste. Rund eine Stunde dauerte die tägliche Vorbereitung: Die richtige Position finden, markieren, fixieren. Bodypainting nennt Junglas diese Prozedur. Punktgenau muss die Brust bestrahlt werden, um die Schäden für das umliegende Gewebe möglichst gering zu halten. „32 Sekunden habe ich gezählt. Solange hat eine Bestrahlung gedauert, bis das Gerät wieder neu eingestellt werden musste“, erinnert sie sich.

    Welche Behandlung bei Brustkrebs gewählt wird, hängt von der Krebsart sowie vom Krankheitsverlauf ab. In einer sogenannten Tumorkonferenz beschließt eine Gruppe von Ärzten, welche Therapie für welche Patientin angewendet wird. Bei der Mehrzahl der Frauen ist eine brusterhaltende Operation möglich. Das heißt, dass der Tumor herausgeschnitten wird. Ist das nicht möglich, muss die Brust amputiert werden. Danach wird der Brustbereich meist trotzdem noch bestrahlt, um das Rückfallrisiko zu senken. Für den Großteil der Patientinnen ist die Behandlung damit aber noch nicht abgeschlossen. Man weiß heute, dass das Rückfallrisiko sinkt, wenn sich eine medikamentöse Behandlung anschließt, wie beispielsweise mit Antikörpern oder einer Chemotherapie.

    Wegen der Schwere ihrer Krankheit musste Junglas jeden dieser Therapieschritte erdulden. Für die weitere Behandlung muss sie mittlerweile aber nicht mehr ins Krankenhaus gehen, ihre Gynäkologin übernimmt die Nachsorgeuntersuchungen. In den kommenden zwei Jahren muss Junglas alle drei Monate zur Überwachung zu ihrer Frauenärztin. Danach noch zweimal im Jahr, wiederum für zwei Jahre, danach jährlich. „Einmal Krebspatient, immer Krebspatient“, sagt Junglas nüchtern. „Das ist wie mit Alkoholikern. Ich bin jetzt eben ein trockener Krebspatient“, fügt sie noch an und muss laut lachen. Ein Restrisiko von 3 Prozent, erneut an Krebs zu erkranken, bleibt bestehen, sagt ihr behandelnder Arzt.

    Mit dem Ende der Behandlungen kehren die ersten Haare wieder zurück. „Wenn man sich wieder frisieren, die Haare wieder gelen kann, oder wenn die neuen Fingernägel kommen und man sich die wieder lackieren kann – das sind schon tolle Momente. Da kann ich mich sehr dran hochziehen“, freut sich Junglas. Wieder richtig ins Leben zurückfinden ist ihr großes Ziel. So schnell wie möglich wieder ihre Arbeit als Einzelhandelsverkäuferin aufnehmen gehört für sie da auch dazu. „Ich kann mich doch nicht hängen lassen“, sagt sie und erzählt, dass die Erkrankung sie gelassener gemacht hat. „Ich sehe das Leben jetzt anders. Was mich früher aufgeregt hat, lässt mich heute meistens kalt.“ Und neue Ziele hat sie auch, gemeinsam mit ihrem Ehemann. „Wir werden einen Wohnwagen kaufen und nächstes Jahr nach Finnland fahren zur Sommersonnenwende. Das wollten wir eigentlich erst machen, wenn wir Rentner sind. Aber wir haben gesagt: ,Das machen wir jetzt schon'."

    Von unserer Reporterin Nina Kugler

    Unterm Strich: Der Brustkrebsmonat Oktober

    Brustamputation, Chemotherapie, Bestrahlung: Seit einem Jahr kämpft Helga Junglas gegen den Krebs. Sie hat gute Aussichten, wieder ganz gesund zu werden.
    Brustamputation, Chemotherapie, Bestrahlung: Seit einem Jahr kämpft Helga Junglas gegen den Krebs. Sie hat gute Aussichten, wieder ganz gesund zu werden.
    Foto: Sascha Ditscher

    1985 wurde der Oktober von der American Cancer Society zum internationalen Brustkrebsmonat ernannt. Dadurch soll das Thema Brustkrebs stärker in das öffentliche Bewusstsein treten. Unterschiedlichste Veranstaltungen sollen zudem Anlass bieten, sich über Vorbeugung, Erforschung und Behandlung der Krankheit zu informieren.
    Neun verschiedene Einrichtungen nehmen laut der rheinland-pfälzischen Krebsgesellschaft in Koblenz dieses Jahr an dem Brustkrebsmonat teil. Interessierte können Vorträge oder Kochkurse besuchen sowie an Schminkkursen oder speziellen Tanzkursen teilnehmen. Das komplette Programm für Aktionen rund um den Brustkrebsmonat in und um Koblenz finden Sie im Internet unter: 
 www.krebsgesellschaft-rlp.de

    Wenn sich Frauen nach der Diagnose überrollt fühlenBrustkrebs: Die Patientin soll den Takt vorgeben
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