40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Deutschland & Welt
  • » Wunsiedel macht Neonazi-Auflauf zum unfreiwilligen Spendenlauf
  • Wunsiedel macht Neonazi-Auflauf zum unfreiwilligen Spendenlauf

    Wunsiedel. Es war der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands - und er sorgt im Nachinein weiter für Furore. Im oberfränkischen Wunsiedel sind 250 Neonazis zugunsten des Aussteigerprogramms EXIT marschiert - "Rechts gegen Rechts". Es gab sogar Siegerurkunden... 

    Von Wolfgang Lammel (epd)

    Protest mit Witz und Hintersinn: Bei ihrem alljährlichen sogenannten „Heldengedenken“ im oberfränkischen Wunsiedel wurden gut 250 Neonazis auf den „unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“ geschickt. Mit jedem Meter, den die Rechtsradikalen am Samstag auf ihrem Marsch durch die Fichtelgebirgsstadt zurücklegten, flossen finanziert durch Förderer zehn Euro auf ein Spendenkonto zugunsten der Initiative EXIT-Deutschland, die sich um Aussteiger aus der Neonazi-Szene bemüht.

    Dabei passierte der „Trauermarsch“, zu dem die rechtsextremistische Partei „Der Dritte Weg“ aufgerufen hatte, zahlreiche Transparente mit ironischen Kommentaren wie „Im Spendenschritt Abmarsch“ und „Endspurt statt Endsieg“. Angeboten wurde auch „Marschverpflegung“: Bananen, eingewickelt in eine Banderole mit der Aufschrift „Mein Mampf“. Der Film illustriert das:

     Am Ende der Aktion stand eine Summe von 10.000 Euro, für die sich die Initiatoren nicht nur bei den tatsächlichen, sondern auch bei den „unfreiwilligen Spendern“ brav bedankten: „Danke, liebe Neonazis“, hieß es noch während der laufenden Veranstaltung auf der eigens eingerichteten Homepage „www.rechts-gegen-rechts.de“.

    Die Aktion war unter anderem vom Bündnis „Wunsiedel ist bunt nicht braun“ und der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad vorbereitet worden. „Damit wird das Anliegen der Neonazis konterkariert“, sagte der evangelische Wunsiedler Pfarrer Jürgen Schödel als einer der Mitveranstalter: „Denn bei ihrem Marsch merken die Rechtsextremisten, dass sie damit eigentlich Geld für die Aussteigerhilfe sammeln.“ Allerdings verweist Schödel auch auf den ernsthaften Hintergrund des Protests: Bei der angeblichen „Heldenverehrung“ gehe es tatsächlich um Kriegstreiber und Massenmörder aus der Geschichte. „Und es sind menschenverachtende geistige Brandstifter aus der Gegenwart, die durch ihre Umtriebe für reale Brandstiftung, Mord und Totschlag bis hin zum rechtsextremen NSU-Terrorismus verantwortlich sind.“

    Anfeuerung für die Sportskameraden in Wunsiedel ... 
    Anfeuerung für die Sportskameraden in Wunsiedel ... 

    Der kreative Protest gegen Neonazis hat in Wunsiedel durchaus Tradition. Über Jahre hinweg hatte die rechtsradikale Szene die kleine Stadt regelmäßig in eine Art Geiselhaft genommen, wenn dort mit Kundgebungen und Aufmärschen mit bis zu 4.000 angereisten Teilnehmern der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894-1987) gefeiert wurde. Nach seinem Tod im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau war Heß im Familiengrab auf dem Friedhof der Fichtelgebirgsstadt beigesetzt worden.

    Im Jahr 2004 formierte sich auf Initiative der damaligen Wunsiedler Jugenddiakonin Andrea Heußner ein zivilgesellschaftliches Bündnis gegen Neonazis, das auf den Straßen einen symbolischen „Kehraus“ veranstaltete und später den Todestag von Rudolf Heß zu einem bunten „Fest der Demokratie“ umwidmete. Der Widerstand der Wunsiedler Bürger gegen die Rechtsextremisten gilt inzwischen bundesweit als beispielhaftes Modell für zivilgesellschaftliches Engagement.

    Die Heß-Gedenkmärsche wurden 2008 durch ein höchstrichterliches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gestoppt, das eine vom damaligen Wunsiedler Landrat und Vizepräsident der bayerischen evangelischen Landessynode Peter Seißer (SPD) angestoßene Gesetzesverschärfung wegen Volksverhetzung für rechtmäßig erklärte. Beim alljährlichen „Heldengedenken“ gehört es deshalb ausdrücklich zu den Auflagen, dass die Namen von Kriegsverbrechern wie Rudolf Heß und Erich Priebke nicht genannt werden dürfen.

    Remagen: Kritik am Polizeieinsatz und an DemonstrantenRemagen protestiert gegen Neonazidemo: 140 Rechte weniger als im VorjahrRemagen protestiert gegen Neonazidemo: 140 Rechte weniger als im VorjahrNeonazidemo: Lautstarker Protest am RheinAhrCampus Nazigegner in Remagen deutlich in Überzahlweitere Links
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Sommerferien: Welcher Urlaubstyp sind Sie?

    In Rheinland-Pfalz haben die Sommerferien schon begonnen. Am Wochenende starten auch Baden-Württemberg und Bayern in den Urlaub. Auf den Straßen werden deshalb lange Staus erwartet. Oder: Man bleibt einfach daheim. Wie verbringen Sie die Sommerferien?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    17°C - 27°C
    Samstag

    15°C - 25°C
    Sonntag

    13°C - 24°C
    Montag

    12°C - 23°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Regionalsport
    Sind Amateurfußballer sozialversicherungspflichtig?

    Bunt, aktuell und nah dran:

    Unser Regionalsport von F wie Fußball bis E wie Extra 

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!