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    Vier Soldaten sterben bei Angriff auf Bundeswehr

    Berlin (dpa). Nicht einmal zwei Wochen nach einem tödlichen Angriff auf die Bundeswehr in Afghanistan muss Deutschland erneut um gefallene Soldaten trauern. Bei einem Angriff der radikal- islamischen Taliban fielen vier deutsche Soldaten, fünf wurden verwundet.

    Spähpanzer Fennek
    Ein Spähpanzer Fennek fährt am Mittwoch in Kundus durch das Feldlager.

    In Masar-I-Scharif
    Verteidigungsminister zu Guttenberg spricht im Feldlager Masar-I-Scharif der Bundeswehr am Abend vor Soldaten.

    Kanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen ihr Beileid aus und sagte: «Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen.» Es gebe aber keine Alternative zu der Mission. Auch alle Bundestagsparteien reagierten bestürzt.

    Eagle IV
    Der Eagle IV: Als Reaktion auf die verschärfte Sicherheitslage in Afghanistan bestellt die Bundeswehr im Eilverfahren noch 60 solcher gepanzerter Fahrzeuge.

    Bei der Attacke im Rahmen eines sechsstündigen Gefechts erlitt die Bundeswehr die schwersten Verluste in Afghanistan seit dem Sommer 2003. Seit Beginn des Einsatzes in dem Land am Hindukusch im Jahr 2002 sind insgesamt 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, 26 von ihnen bei Anschlägen oder Gefechten. Erst am Karfreitag hatten drei deutsche Soldaten bei einem Gefecht mit Taliban in der Provinz Kundus ihr Leben verloren, acht waren verletzt worden.    

    Verteidigungsminister Guttenberg in Afghanistan
    Verteidigungsminister Guttenberg: «Afghanistan bleibt ein gefährlicher Ort. Der Einsatz bleibt einer, der nicht ohne Risiken ist.»

    Das Einsatzführungskommando in Potsdam teilte mit, die Soldaten seien gegen Donnerstagmittag deutscher Zeit auf Patrouille von dem Angriff überrascht worden. Ob es auch unter den Taliban Verletzte oder Tote gab, wisse man noch nicht. Zunächst ging die Bundeswehr von Beschuss mit einer Rakete aus, später kamen Zweifel daran auf. Die afghanische Polizei sprach von einem Sprengsatz.

    Verteidigungsminister Guttenberg in Afghanistan
    Verteidigungsminister zu Guttenberg ehrt im Feldlager Kundus der Bundeswehr US-Soldaten, die die Verwundeten und Toten aus der Kampfzone geflogen hatten.

    Die Soldaten, die vermutlich dem kleinen Wiederaufbauteam im nordöstlichen Feisabad angehörten, starben etwa 100 Kilometer südlich der Stadt Kundus in der Provinz Baghlan, die an die Unruheprovinz Kundus angrenzt. Sie kamen aus verschiedenen Einheiten in Deutschland. Unter den fünf Verwundeten waren zwei Schwerverletzte. Einer der Verletzten wurde in Kundus, die anderen vier im Feldlager Masar-i-Scharif behandelt.

    Auf dem Weg nach Afghanistan
    Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auf dem Weg nach Afghanistan.

    Die gemeinsam mit afghanischen Soldaten und ISAF-Truppen geführte militärische Operation ging weiter. Die Soldaten harrten nach dem Ende des Gefechts am Ort aus. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hatten sie Taliban von einer Brücke in der Nähe der Stadt Baghlan vertreiben wollen, als die Rakete ihr gepanzertes Fahrzeug vom Typ Eagle IV traf. Von diesem Fahrzeug hatte das Verteidigungsministerium am Vormittag weitere 60 Stück bestellt. Unklar war, wie viele der getöteten und verwundeten Soldaten sich in dem Fahrzeug befanden. Außerdem wurde ein gepanzerter Yak-Transporter getroffen. Dieser Fahrzeugtyp wird oft als Sanitätswagen eingesetzt.

    Verteidigungsminister Guttenberg in Afghanistan
    Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sitzt auf dem Flug vom Feldlager Mazar-I-Scharif nach Kundus in einem CH53 Hubschrauber.

    Merkel sagte am Rande ihres USA-Besuches in San Francisco, wichtig sei, dass die Soldaten wüssten, dass die Bundesregierung hinter ihnen stehe. «Dieser Einsatz ist gefährlich. Das wissen wir. Aber wir müssen diesen Einsatz fortführen und wir müssen ihn auf der Grundlage des sehr sorgfältig ausgearbeiteten Mandates fortführen.» Forderungen nach einer Änderung des Mandates hatte es aus der SPD gegeben.

    Auf die Frage, ob der Einsatz politisch noch zu rechtfertigen sei und Unterstützung in der Bevölkerung habe, sagte Merkel: «Ich glaube, dass es keine vernünftige Alternative gibt.» Es gehe auch darum, Sicherheit in Deutschland und allen westlichen Demokratien zu erhalten. Vergangene Woche hatte die Kanzlerin am Begräbnis der drei am Karfreitag getöteten Soldaten teilgenommen - es war das erste Mal, dass sie bei einer solchen Trauerfeier für tote Soldaten zugegen war.

    Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der in den vergangenen Tagen die deutschen Truppen in Afghanistan besucht hatte, sagte in Termes in Usbekistan, er sei tieftraurig über die Opfer. Der Minister, der auf dem Rückweg nach Deutschland in Usbekistan zwischengelandet war, wollte mit Generalinspekteur Volker Wieker nach Afghanistan in den deutschen Standort Masar-i-Scharif zurückkehren, «um bei unseren Soldaten zu sein». Er hatte zum Zeitpunkt des Vorfalls das deutsche Feldlager in Feisabad besucht - und war damit nicht unmittelbar in der Region des Gefechts.

    Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich bestürzt und erklärte, der Angriff treffe «alle Deutschen». SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Parteichef Sigmar Gabriel äußerten sich «tief erschüttert». Linken-Chef Oskar Lafontaine unterstrich die Forderung nach einem Ende des Einsatzes in Afghanistan. Die Grünen- Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin forderten von der Bundesregierung, rasch alle Informationen offenzulegen, «wie es zu dieser neuerlichen Tragödie innerhalb kürzester Zeit kommen konnte».

    Der Bundeswehrverband verlangte, die Soldaten schnell mit den nötigen Waffen auszurüsten. «Es macht uns alle sehr betroffen, dass es erst des Todes und schwerer Verwundungen weiterer Kameraden bedurfte, um diesen überfälligen Schritt zu gehen», erklärte der stellvertretende Bundesvorsitzende Wolfgang Schmelzer.

    Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, sagte weitere Angriffe und damit auch Opfer voraus, wenn die neue Strategie umgesetzt wird, bei der die Soldaten stärker in der Fläche operieren sollen. Im ZDF forderte er eine stärkere Diskussion über diese Gefahr, damit die Öffentlichkeit nicht davon überrascht wird. In der «Bild»-Zeitung (Freitag) verlangte er, die von ihm seit Jahren angemahnten Ausstattungs- und Ausbildungsdefizite so schnell wie möglich abzustellen.

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