40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Deutschland & Welt
  • » Platonische Freundschaft: Karol Wojtyla und die Philosophin
  • Aus unserem Archiv

    Platonische Freundschaft: Karol Wojtyla und die Philosophin

    Warschau/London (dpa) - Hunderte von Briefen, Jahrzehnte einer Freundschaft zwischen einer verheirateten Frau und einem Priester: Das kann der Stoff sein, aus dem Liebesgeschichten wie die «Dornenvögel» gestrickt werden oder eine intensive platonische Beziehung.

    Papst Johannes Paul II.
    Papst Johannes Paul II. während seines Besuchs in den USA im Oktober 1979.
    Foto: Martin Athenstädt/Archiv - dpa

    Vor allem dann, wenn es sich bei dem Priester um Karol Wojtyla handelt, den späteren Papst Johannes Paul II. (1920-2005). Eine Koproduktion der britischen BBC und des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte (zu sehen an diesem Dienstag um 20.15 Uhr) geht in einer Dokumentation den «Geheimnissen von Johannes Paul II» auf die Spur.

    Die polnisch-amerikanische Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka (1923-2014), die den späteren Papst in den 70er Jahren kennengelernt hatte, tauschte mehr als 300 Briefe mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche aus. Aus intellektuellen Betrachtungen über Philosophie und Theologie wuchs eine tiefe Freundschaft - und zumindest bei Tymieniecka, so wird in der Dokumentation von mehreren Zeitzeugen betont, könnten auch Liebesgefühle im Spiel gewesen sein.

    Tymienieckas Freundschaft mit Karol Wojtyla begann mit der gemeinsamen Liebe zur Philosophie, doch auch auf Skitouren und Bergwanderungen wurde die Freundschaft mit dem naturverbundenen Kardinal vertieft.

    Sprach er sie anfangs noch als «szanowna pani profesora» (verehrte Professorin) an, adressierte er sie später als «liebe Anna-Teresa». Als Karol Wojtyla zum Papst gewählt wurde, gehörte Tymieniecka zu den wenigen Menschen, die im Vatikan stets Zugang zu ihm hatten - bis zum Schluss. Sie sah ihn noch einmal kurz vor seinem Tod. 

    Die Briefe werden seit 2008 in der polnischen Nationalbibliothek in Warschau aufbewahrt, doch bisher nie öffentlich präsentiert. Auch über den Inhalt der privaten Korrespondenz machte die Bibliothek nichts bekannt - ungewöhnlich in Polen, wo alles, was mit dem polnischen Papst zu tun hat, auch Jahre nach seinem Tod auf Interesse stößt. Kalender und Postkarten mit Porträts von Johannes Paul II. füllen nach wie vor Regale.

    In der polnischen Heimat des 2014 heilig gesprochenen Wojtyla hat die Ankündigung der Dokumentation bisher keine Aufregung ausgelöst - vielleicht auch, weil die intensiv gepflegten Freundschaften des Papstes zu Männern und Frauen schon lange bekannt waren. Immer wieder einmal wurde gerätselt, ob im einen oder anderen Fall mehr als rein freundschaftliche Gefühle im Spiel gewesen sein könnten. Dass Johannes Paul II. das Zölibat gebrochen haben könnte, wird jedoch auch in der Dokumentation nicht behauptet.

    Den Kirchenmännern im Vatikan, so berichten Freunde Tymienieckas in der Dokumentation, soll die langjährige Freundschaft zwischen dem Pontifex und der Philosophin dennoch ein Dorn im Auge gewesen zu sein. Nach dem Motto: Die theoretische Gelegenheit zu Sünde und Skandal ist schon zu viel.

    Arte

    Deutschland & Welt
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Montag

    13°C - 23°C
    Dienstag

    15°C - 25°C
    Mittwoch

    17°C - 29°C
    Donnerstag

    16°C - 27°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!