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    Nach Zugkatastrophe Streit um Sicherheit

    Hordorf/Magdeburg (dpa) - Das schwere Zugunglück in Sachsen-Anhalt hat eine neue Debatte um die Sicherheit auf den Schienen im Osten ausgelöst. Vor allem die privaten Güterbahnen schlagen Alarm, die Deutsche Bahn weist Kritik zurück. Immerhin: Die Überlebenden können mit rascher Hilfe rechnen.

    Unglücksort
    Ein Harz-Elbe-Express (HEX) passiert die Stelle des Zugunglücks in Hordorf.

    Nach dem schweren Zugunglück in der Magdeburger Börde ist ein neuer Streit um die Sicherheit auf ostdeutschen Schienen ausgebrochen. Ein Verband privater Güterbahnen erhob schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn als Netzbetreiberin. Das Staatsunternehmen habe in den vergangenen Jahren zwar Milliardenbeträge in Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert, an vielen Orten sei die Infrastruktur jedoch auf dem Stand zu DDR-Zeiten geblieben, kritisierte das Netzwerk Privatbahnen, ein Zusammenschluss von rund 20 privaten und kommunalen Güterbahnen in Deutschland. Die Bahn wies die Kritik als «schlichtweg falsch und pietätlos» zurück.

    Ein Untersuchungsbericht des Bundesverkehrsministeriums hatte ergeben, dass der Führer des Güterzuges zwei Signale missachtet haben dürfte. Bei dem Zusammenstoß des Güterzuges mit einem Personenzug waren am Wochenende zehn Menschen getötet worden, 23 wurden verletzt. Die Justiz ermittelt gegen den 40-jährigen Lokführer wegen möglicher fahrlässiger Tötung. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen.

    Während die Deutsche Bundesbahn im Westen bereits 1969 alle Hauptstrecken mit einer sogenannten induktiven Zugsicherung versehen habe, existierten heute in den neuen Bundesländern noch mehr als 800 Kilometer Hauptstrecke ohne diese Sicherung, kritisierte das Netzwerk. Mit der Technik wird ein Zug beim Überfahren eines «Halt» zeigenden Hauptsignals automatisch abgebremst, auch ein ignoriertes Vorsignal löst binnen vier Sekunden eine Zwangsbremsung aus. Auch die Lokführergewerkschaft GDL hatte bessere Sicherungssysteme verlangt.

    Die Deutsche Bahn wies die Kritik des Netzwerkes zurück. «Solche Behauptungen entbehren jeder Grundlage und sind schlichtweg falsch», sagt Infrastrukturvorstand Volker Kefer. «Seit dem Mauerfall flossen mehr als 25 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Strecken im Osten.»    

    Die Überlebenden und Hinterbliebenen des Zugunglücks können derweil mit umfangreichen Hilfen rechnen. Die Salzgitter AG, in deren Auftrag der am Unfall beteiligte Güterzug unterwegs war, sicherte Unterstützung zu. «Wir stehen zu unserer Verantwortung, unabhängig davon, ob der Unfall auf technisches oder menschliches Versagen zurückzuführen ist», sagte Salzgitter-Sprecher Bernd Gersdorff. «Wir denken an eine materielle Unterstützung.» Auch das Bahnunternehmen Veolia, das für den am Unfall beteiligten Harz-Elbe-Express zuständig ist, sagte Hilfe zu.

    Zwei der Verletzten waren am Mittwoch weiterhin auf einer Intensivstation. Ein zehnjähriges Mädchen liege im Koma, schwebe aber nicht in akuter Lebensgefahr, sagte die Sprecherin des Klinikums in Halberstadt. Zudem liege eine weitere Frau in dem Krankenhaus auf der Intensivstation.

    Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt verlängerte am Mittwoch die landesweite Trauerbeflaggung an öffentlichen Gebäuden bis zum kommenden Samstag. An diesem Tag ist im Halberstädter Dom die Trauerfeier von Landesregierung, Landtag und Kirchen geplant.

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