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    SchmalkaldenKrater bleibt gefährlich - Erste Familien kehren heim

    Am Krater von Schmalkalden in Thüringen sind die ersten Familien am Dienstag in ihre Häuser zurückgekehrt - doch die Gefahr für die Wohnsiedlung ist noch nicht gebannt.

    Krater in Thüringen
    Luftbildaufnahme vom Erdloch in der Walter-Rathenau-Straße in Schmalkalden: Nach Aussagen von Einsatzkräften vergrößert sich das Loch von Stunde zu Stunde.

    Fünf Häuser unmittelbar am Rand des riesigen Erdloches bleiben geräumt, sagte der zuständige Landrat am Dienstag. Ihre 17 Bewohner müssen wohl auf längere Sicht anderswo unterkommen. Ein Bagger soll schon an diesem Mittwoch anrücken, um das Loch mit riesigen Mengen Kies zuzuschütten.

    Die Bewohner der geräumten Häuser durften am Dienstag noch einmal einige Habseligkeiten aus der Gefahrenzone bergen. Der Schreck aus der Nacht zum Montag, als das Erdloch mit einem Durchmesser von gut 35 Metern wie aus dem Nichts einbrach, saß den Anwohnern noch in den Knochen.

    «Für mich wirkt das immer noch wie eine Katastrophenschutzübung, ich habe das noch nicht verarbeitet», sagte eine Frau, deren Haus seither direkt neben dem Abgrund steht. «Man kann sich nicht vorstellen, dass das bei uns passiert ist», beschrieb Irene Pastowski ein weit verbreitetes Gefühl unter den 20 000 Einwohnern der Fachwerkstadt. «Man wundert sich, dass kein Haus darin verschwunden ist», sagte die Passantin Wally Günther.

    Die einen Tag nach Einsturz des Erdreiches freigegebenen Häuser stehen etwa 50 bis 80 Meter von der Unglücksstelle entfernt. Dorthin kehrten vier Familien zurück. Für ihre Gebäude sei im Moment keine Gefahr im Verzug, sagte der Landrat des Kreises Schmalkalden- Meiningen, Ralf Luther (CDU).

    Die meisten Familien aus den evakuierten Häusern kamen nach Angaben der Stadtverwaltung zunächst bei Verwandten und Bekannten unter. Für zwei Familien besorgte die Stadt Unterkünfte. Die Polizei will nach Angaben von Sprecher Fred Jäger in nächster Zeit verstärkt ein Auge auf das Gebiet am Krater haben, um die fluchtartig verlassenen Häuser vor Dieben zu schützen.

    Auf Hochtouren laufen unterdessen die Vorbereitungen zum Verfüllen des Erdloches, das Straße, Gärten ein Auto und Teile von Garagen verschlang. An diesem Mittwoch wird ein Spezialbagger mit einem 18 Meter langen Greifarm in der Stadt im Thüringer Wald erwartet. Für das Gerät werde westlich der Unglücksstelle ein Standplatz geschaffen. Auch ein 30 Meter langes Förderband soll herangeschafft werden.

    Der rund 20 Meter tiefe Schlund soll mit 40 000 Tonnen Kies verfüllt werden. Dafür müssen 2000 Lasterladungen herangefahren werden, sagte Luther. «Wir wollen, dass sie möglichst rund um die Uhr fahren, um so viel wie möglich Kies heranzuschaffen.» Bei den anfallenden Kosten will der Landkreis zunächst in Vorkasse gehen. Zunächst war von der halben Menge Füllmaterial die Rede gewesen.

    Experten fürchten vor allem weitere Gefahren bei starkem Regen. Vorbeugend würden daher nun Wasser- und Abwasserleitungen umverlegt, damit von dort kein Wasser in die Grube fließe, sagte der parteilose Bürgermeister Thomas Kaminski. Fachleute warnen derweil vor ähnlichen Erdfällen «überall in den deutschen Mittelgebirgen».

    Selbst wenn das Loch mit Kies gefüllt sei, könne es noch eine Weile dauern, bis sich der Erdfall beruhige, sagte der Direktor des Instituts für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gerhard Jentzsch. Noch könne Gestein nachrutschen oder lockeres Material im Untergrund nachgeben. «Auch gegen die Gefahr, dass sich unter dem Krater noch ein weiterer Hohlraum befinden könnte, kann man nichts tun», warnte der Professor.

    Um mehr über die Gesteinsschichten im Untergrund zu erfahren, gebe das Land eine Untersuchungsbohrung in Auftrag, kündigte Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) nach einer Kabinettssitzung an.

    Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) dankte den Helfern, die schnell am Ort des Geschehens waren: «Ich habe den Eindruck, dass getan wurde, was getan werden musste.» Den Betroffenen sprach sie die Solidarität der Landesregierung aus. Die Landtagsfraktion der Linken forderte die Ausrufung des Katastrophenfalls, um Betroffenen unbürokratisch helfen zu können.

    Am Krater selbst, wo am Dienstag kaum mehr Schaulustige zu sehen waren, ließen Wissenschaftler der Universität Jena für Messungen eine Drohne - ein unbemanntes Flugzeug - kreisen. Bauzäune sicherten den Krater. Dort umlagerten Journalisten Anwohner und Eigentümer der Häuser wie Martin Holland aus Eschwege, der sein geerbtes Haus plötzlich als Fernsehereignis am Rand des Kraters sah. «In der Praxis sieht das ganz anders aus - größer, gewaltiger», meinte er.

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