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    DhakaJetzt schon 610 Tote in Bangladesch

    Die Retter in Bangladesch finden nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes immer weitere Opfer unter den Trümmern. Am Wochenende wurden mehr als 100 Leichen geborgen. Elf Tage nach dem Unglück lag die Zahl der Toten bei 610.

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    Ein Mann sucht seinen Bruder in den Trümmern des Hauses.
    Foto: Abir Abdullah - DPA

    Der Schuttberg war immer noch nicht abgetragen. Regierung, Fabrikanten, Arbeitnehmer und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) vereinbarten einen Aktionsplan für mehr Sicherheit in der Textilindustrie, die fast 80 Prozent zu den Exporteinnahmen des südasiatischen Landes beisteuert.

    Das einst achtstöckige Gebäude mit Textilfabriken und Geschäften im Industriegebiet Savar nordwestlich der Hauptstadt Dhaka war am 24. April zusammengestürzt. Mehr als 2400 Menschen wurden bei der Katastrophe verletzt. Sie gilt als das schlimmste Fabrikunglück in der Geschichte Bangladeschs.

    Einer der Retter sagte, dass die meisten der am Samstag geborgenen Leichname nicht mehr identifizierbar seien. Die meisten Opfer seien Frauen. Am Samstag starb außerdem einer der freiwilligen Helfer. Er habe sich schlimme Brandwunden zugezogen, als er am Sonntag vor einer Woche die letzte Überlebende unter den Trümmern bergen wollte und ein Feuer ausbrach, sagte Siddiqul Alam Sikder, der die fehlgeschlagene Rettungsaktion überlebte. Der 35 Jahre alte Freiwillige sei in einem Krankenhaus in Singapur seinen Verletzungen erlegen.

    Ein Regierungsvertreter kündigte am Samstag einen «kurz- und mittelfristigen» Plan zur Verbesserung der Fabriksicherheit an. Er sieht etwa vor, binnen sechs Monaten 200 Inspektoren einzustellen, die Struktur aller Gebäude zu untersuchen, gefährdete Fabriken bis Ende 2013 zu verlagern, Sicherheitstrainings-Programme für die Arbeiter einzuführen und ihnen das Recht zu gewähren, sich in den Fabriken zu organisieren. Dazu soll auch die Arbeitsgesetzgebung geändert werden. Die Verantwortlichen für die Unfälle in Bangladesch sollen binnen sechs Monaten zur Rechenschaft gezogen werden.

    Die Vereinigung der Textilfabrikanten hatte am Freitag ihre fast 3500 Mitglieder aufgefordert, bis zum 30. Mai Sicherheitspläne für ihre Gebäude vorzulegen. Dahinter steht die Furcht, dass sich internationale Händler aus Bangladesch zurückziehen könnten, wenn die Sicherheitslage nicht verbessert wird.

    Die Polizei hat schon die Eigentümer des Rana-Plaza-Gebäudes festgenommen sowie die Besitzer mehrerer der Fabriken, die dort untergebracht waren. Das Rana Plaza war am Tag vor der Katastrophe bereits evakuiert worden, nachdem größere Risse im Gebäude entdeckt worden waren. Berichten zufolge zwangen die Fabrikanten aber am Unglückstag ihre Beschäftigten zurück an ihre Arbeitsplätze.

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