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    Haftbefehl nach BVB-Anschlag - Aktienspekulation als Motiv

    Der mutmaßliche BVB-Attentäter wollte mit dem Anschlag auf die Mannschaft wohl ordentlich Geld machen. Er nahm einen Kredit auf und setzte auf fallende Kurse der BVB-Aktie.

    Rottenburg am Neckar
    Einsatzkräfte stehen in einer Straße in Rottenburg am Neckar vor einem Haus. Die Polizei sperrte ein Wohngebiet ab und durchsuchte ein Gebäude.
    Foto: Christoph Schmidt - dpa

    Berlin (dpa). Der Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft des BVB hat nach Erkenntnissen der Ermittler einen kriminellen Hintergrund: eine geplante Aktienmanipulation.

    Im Einsatz
    Vor dem Haus, das in einer Sackgasse liegt, stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Auch Hunde sind im Einsatz.
    Foto: Christoph Schmidt - dpa

    Der gefasste Verdächtige soll mit dem Angriff auf einen Kursverlust der BVB-Papiere gesetzt haben, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Mit den Börsen-Spekulationen habe der 28-Jährige dann wohl viel Geld kassieren wollen. Er war am frühen Freitagmorgen im Raum Tübingen festgenommen worden - am Abend erging Haftbefehl. Der Mann sei dringend tatverdächtig, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.

    Gespräch
    Polizeieinsatzkräfte sprechen mit Anwohnern in der Nähe des Gebäudes, das durchsucht wurde.
    Foto: Christoph Schmidt - dpa

    Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen und Mittäter bei dem Anschlag gebe es bislang nicht, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Die Behörde behalte diese Frage aber weiter im Blick.

    Ortsschild
    Im Zusammenhang mit der Festnahme nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus hat es Einsätze in den Städten Tübingen und Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg gegeben.
    Foto: Christoph Schmidt - dpa

    Dem Verdächtigen Sergej W. wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der in Freudenstadt wohnende Mann hat laut Bundesanwaltschaft die deutsche und die russische Staatsangehörigkeit.

    Kursverlauf  BVB-Aktie
    Der Screenshot von der Website von Borussia Dortmund zeigt den Kursverlauf der BVB-Aktie: Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April, dem Tag des Anschlags, 15 000 Verkaufsoptionen für
    Foto: dpa

    Nach Angaben des Bundeskriminalamts hat er sich nach der Festnahme nicht zur Tat geäußert. Auf eine entsprechende Frage des ZDF-„heute journals“ sagte der BKA-Präsident Holger Münch: „Nein, er hat sich nicht eingelassen.“ „Focus Online“ zitierte dagegen Sicherheitskreise, denen zufolge der Verdächtigte bei der Festnahme durch die Elite-Polizeieinheit GSG9 gesagt haben soll: „Ich bin es, ihr habt den Richtigen.“ Er habe seine Wohnungsschlüssel für eine Durchsuchung ausgehändigt und sei in Tränen ausgebrochen.

    Ermittlungen
    Ein Beamter des Landeskriminalamtes untersucht in der Nacht nach dem Vorfall den Bus der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund.
    Foto: Marcel Kusch - dpa

    Die Ermittler seien ihm „sehr früh“ auf die Spur gekommen, nachdem sie einen Hinweis auf auffällige Börsenkäufe von Optionsscheinen bekommen hätten, berichtete BKA-Chef Münch. Die Festnahme dauerte nach Münchs Angaben dann aber noch, weil die Ermittler den Anfangsverdacht erst noch erhärten wollten, um genügend Material für die erfolgreiche Beantragung eines Haftbefehls zu haben.

    Explosionen an BVB-Bus
    Die zerstörte Scheibe des Mannschaftsbusses der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund, aufgenommen in der Nacht nach dem Vorfall.
    Foto: Bernd Thissen/Archiv - dpa

    Dem Vernehmen nach kam ein Tipp von der Onlinebank Comdirect. Die „Bild“-Zeitung hatte schon früher berichtet, dass Comdirect-Mitarbeiter der Polizei pflichtgemäß einen Verdacht auf Geldwäsche gemeldet hätten. Offiziell äußerte sich die Bank nicht.

    Explosionsort
    Mit weißer Farbe ist einer der Explosionsorte gekennzeichnet.
    Foto: Marius Becker - dpa

    Wie viel Geld der Verdächtige im Fall des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus maximal an der Börse hätte gewinnen können, ist noch nicht klar. Das werde derzeit noch berechnet, sagte Köhler. Der 28-Jährige habe drei verschiedene Derivate auf die Aktie von Borussia Dortmund erworben - die meisten davon am Tag des Angriffs.

    Unklar ist auch, wie viel Geld er investiert hat. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft nahm er für den Kauf der Derivate einen Verbraucherkredit in Höhe von mehreren Zehntausend Euro auf, der „Spiegel“ schrieb von 40 000. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte: „Der Täter hat nach meinem jetzigen Stand 79 000 Euro investiert.“

    Sicher ist: Je tiefer die Aktie des Fußballvereins gefallen wäre, desto höher wäre sein Gewinn ausgefallen. Der BVB war im Jahr 2000 als erster deutscher Sportverein an die Börse gegangen.

    Der Kauf der Derivate wurde den Angaben zufolge über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt, in dem der Tatverdächtige bereits am 9. April - zwei Tage vor der Tat - ein Zimmer bezogen habe - mit Blick auf den späteren Anschlagsort.

    „Das ist natürlich Wahnsinn“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der „Bild“-Zeitung über das mögliche Tatmotiv. „Wir werden jetzt im Rahmen unserer Möglichkeiten die Sicherheitsvorkehrungen noch mal dramatisch nach oben schrauben.“ BVB-Trainer Thomas Tuchel sagte, es sei ein gutes Gefühl, dass der Polizei offensichtlich ein Durchbruch gelungen sei.

    Der Verdächtigte war seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Tübinger Heizwerk tätig. Herkunft und Art des verwendeten Sprengstoffs waren den Angaben der Bundesanwaltschaft zufolge noch nicht ermittelt. Die Kriminaltechniker müssten etwa Bodenproben untersuchen, erklärte die Sprecherin.

    Am Dienstag vergangener Woche hatten vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus gezündet. Die BVB-Spieler waren kurz zuvor mit ihrem Bus vom Mannschaftshotel zum Stadion losgefahren. Bei der Explosion wurde der Abwehrspieler Marc Bartra schwer verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma. Das Spiel war wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.

    Die Ermittler hatten zunächst versucht, Schlüsse aus drei gleichlautenden Bekennerschreiben zu ziehen, in denen ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag behauptet wird. Die Schreiben waren am Tatort gefunden worden. Nach eingehender Prüfung hat die Bundesanwaltschaft an einem radikal-islamistischen Hintergrund aber erhebliche Zweifel. Auch ein rechtsextremistisches Bekennerschreiben weist nach Angaben der Behörde Widersprüche und Ungereimtheiten auf.

    Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Schreiben als „besonders perfide Art, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen“.

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