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    Feuerwehr stabilisiert Lage nach Chemieunfall

    Bad Fallingbostel (dpa) - Alarm in der Mirácoli-Fabrik: Ein Chemieunfall beim Lebensmittelmulti Kraft setzt in Niedersachsen eine Giftwolke frei - die wieder abzieht. Doch bald droht neue Vergiftungsgefahr. Stundenlang kämpft die Feuerwehr mit Pumpen gegen die Gefahr.

    Chemieunfall bei Kraft Foods
    Feuerwehrkräfte in schweren Schutzanzügen auf dem Gelände des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods.
    Foto: Julian Stratenschulte - DPA

    Ein Großeinsatz von Feuerwehr und Bundeswehr hat die Giftgefahr beim Lebensmittelkonzern Kraft in Niedersachsen gebannt. Gut einen Tag nach dem Chemieunfall in Bad Fallingbostel hoben die Behörden den Katastrophenalarm am Dienstag auf. «Die Evakuierung ist aufgehoben, die Straßensperren sind weg, alles gut», sagte Feuerwehrsprecher Stephan Meier am Abend.

    Chemieunfall bei Kraft Foods
    Feuerwehrleute kämpfen nach dem Chemieunfall gegen eine giftige Gaswolke.
    Foto: Julian Stratenschulte - DPA

    Am Morgen war es in dem Tank mit Natronlauge, in den Mitarbeiter am Montag bei Reinigungsarbeiten versehentlich tausende Liter Salpetersäure geschüttet hatten, zu einer Reaktion im Gemisch gekommen. Deshalb drohte der Austritt einer zweiten Giftwolke.

    Auffanglager
    Auffanglager in der Mehrzweckhalle in Krelingen: Nach einem Chemieunfall im Werk des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods herrscht Katastrophenalarm.
    Foto: Philipp Schulze - DPA

    Bereits am Montag war bei einer Reaktion eine Wolke aus sogenannten Nitrose-Gasen aufgestiegen. Sie sind gefährlich für Atemwege und Haut. «Beim Einatmen dieser Nitrosen-Gase kann es im geringsten Fall zu einer Reizung der Atemwege kommen mit Husten, im schlimmsten Fall kommt es zu einem sogenannten toxischen Lungenödem», erklärte Notarzt Sven Wolf. Verletzt wurde bislang aber niemand.

    Ausquartiert
    Ausquartiert: Eine Anwohnerin des Kraft-Werkes in in Bad Fallingbostel hat sich vor der giftigen Gaswolke in SWicherheit gebracht.
    Foto: Julian Stratenschulte - DPA

    1800 Anwohner wohnen in dem Gebiet rund um das Werk - von der Evakuierung betroffen waren rund 1200. Die Umgebung war in einem Radius von 500 Metern geräumt worden. Die Autobahn 7, eine wichtige Nord-Süd-Achse, war bei Walsrode in beide Richtungen zeitweise komplett gesperrt. Dabei kam es nach Polizeiangaben teils zu erheblichen Verkehrsbehinderungen mit langen Staus.

    Chemieunfall bei Kraft Foods
    Nach dem irrtümlichen Zusammenkippen einer Säure mit Natronlauge im Werk des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods mussten Anwohner in Sicherheit gebracht werden.
    Foto: Philipp Schulze - DPA

    In dem Kraft-Werk wird unter anderem Mirácoli hergestellt. Die Produktion stand seit Montag still. Der finanzielle Schaden blieb zunächst unklar. Der Betrieb solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sagte Werksdirektor Carsten Boldt. Erkenntnisse über die Ursache des Unglücks gebe es nicht, so der Kraft-Vertreter. Klar ist bislang, dass der Unfall bei Reinigungsarbeiten, nicht während der Lebensmittelproduktion passierte.

    Löscharbeiten
    Feuerwehreinsatz nach dem Chemieunfall auf dem Gelände des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods in Bad Fallingbostel (Niedersachsen).
    Foto: Julian Stratenschulte - DPA

    In dem betroffenen Tank waren 14 000 Liter Natronlauge, dazu waren versehentlich 10 000 Liter Salpetersäure gekippt worden. Seit Montag versuchten Spezialkräfte, die Säure abzupumpen. Nach Feuerwehrangaben gelang dies nach Stunden. Bei dem Einsatz waren insgesamt bis zu 1000 Kräfte im Einsatz, darunter auch ABC-Soldaten der Bundeswehr.

    Alkohol
    Auf dem Leopoldplatz in Berlin-Wedding treffen sich Obdachlose und die lokale Trinkerszene.
    Foto: Jens Kalaene/Archiv - DPA

    Am Nachmittag konnten die in Notunterkünfte ausquartierten Menschen in ihre eigenen vier Wände zurückkehren. Um 15.45 Uhr hob der Landrat den Katastrophenalarm auf. Am Mittwoch sollen Schulen und Kindertagesstätten wieder ganz normal funktionieren. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) machte sich am Nachmittag ein Bild von der Lage und dankte den Einsatzkräften.

    Chemieunfall bei Kraft Foods
    Eine erschöpfte Helferin sitzt im Schutzanzug vor der Dekontaminierungsschleuse auf dem Werksgelände von Kraft Foods in Bad Fallingbostel.
    Foto: Ingo Wagner - DPA

    Die Reinigung von Tanks sowohl mit Lauge als auch mit Säure sei ein gängiges Verfahren in der Lebensmittelindustrie, sagte Renate Hoer von der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt am Main. Lauge und Säure dürften sich aber nicht vermischen, da dabei gefährliche Stickstoffoxide entstünden. «Atmet man diese Verbindungen ein, kann dies zu Verätzungen in der Lunge führen», sagte die Chemikerin. «Deswegen ist eine Evakuierung richtig, aber wenn die Wolke sich verdünnt hat, ist dann bald wieder Sicherheit gegeben.»

    Fabrikverkauf
    Die Feuerwehr versuchte mit Wasserfontänen die Ausbreitung der Gaswolke einzudämmen.
    Foto: Ingo Wagner - DPA

    Kraft Foods

    Dekontaminierungsschleuse
    Der Einsatz könnte sich weiter in die Länge ziehen, da die Einsatzkräfte sehr vorsichtig vorgehen müssen.
    Foto: Ingo Wagner - DPA

    Notunterkunft Heidmarkhalle

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