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    Ex-Bundeshauptstadt verliert Wahrzeichen: Bonn-Center bilderbuchmäßig gesprengt

    Bonn. Staub und Schutt sind alles, was noch übrig ist. Das Bonn-Center, einst Treffpunkt der Reichen und Mächtigen im Parlaments- und Regierungsviertel der damaligen Bundeshauptstadt, ist am Sonntag innerhalb von Sekunden endgültig dem Erdboden gleichgemacht worden.

    Pünktlich um 11 Uhr drückte Sprengmeister Eduard Reisch auf den Auslöser, der 250 Kilogramm hochexplosives Material detonieren und das bereits bis aufs Skelett reduzierte Hochhaus unter dem Jubel tausender Zuschauer in sich zusammenstürzen ließ. Ein lauter, aber längst nicht ohrenbetäubender Knall – dann brach das Gebäude in drei Teile.

    Am längsten hielt sich der Mittelteil, bevor er von Treppenhaus und Aufzugschacht mit in die Tiefe gerissen wurde und in einer entsprechend präparierten Baugruppe landete. „Eine Bilderbuchsprengung“, freute sich Reisch. „Alles fiel dahin, wo es hin sollte, und weder Personen noch Objekte wurden nach jetzigem Kenntnisstand beschädigt. Wir hätten hier nichts besser machen können.“

    Kurze Zeit später konnten die Nachbarn wieder in ihre Häuser

    Tatsächlich lief die Sprengung wie am Schnürchen. Schon eine Dreiviertelstunde später konnten die ersten Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren, auch der Bahnverkehr rollte wieder. Selbst die Straßen waren bereits gegen 14 Uhr wieder befahrbar, deutlich früher als ursprünglich gedacht. „Wir ziehen eine positive Bilanz“, erklärte daher auch Stephanie Clemens-Krämer, Sachgebietsleiterin für Ordnungsangelegenheiten der Stadt. „Wir mussten lediglich ein Fahrzeug abschleppen, das im Sicherheitsbereich stand, und haben dank der exzellenten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten keinerlei Probleme bei der Durchführung dieser doch nicht alltäglichen Aktion gehabt.“

    Rund 180 Mitarbeiter von Ordnungsamt, THW, Feuerwehr und Polizei hatten in einem Umkreis von 200 Metern um das Bonn-Center alles gesichert, den Verkehr weiträumig abgesperrt und die Schaulustigen zurückgehalten, die in Scharen an den Ort des Geschehens gekommen waren. Alle wollten einfach nur dabei gewesen sein. „Das ging zügig und war ein ganz schöner Knall“, urteilte etwa Michael Bohacz, der sich wie viele andere auch unterhalb der Reuterbrücke eingefunden hatte.

    Bundeskanzlerplatz mit feiner, weißer Staubschicht überzogen

    Eine gute Position, zumal der Wind die riesige Staubwolke, die durch die Sprengung entstand, eher in Richtung Rhein wehte und den gesamten Bundeskanzlerplatz mit einer feinen, weißen Schicht überzog. Sofort waren Reinigungskräfte zur Stelle, die mit Kehrfahrzeugen und seltsamerweise mit Laubbläsern die pulverigen Überreste des Bonn-Centers aufnahmen. Weiß waren auch die Schuhe zahlreicher Menschen, die in einer ungeplanten, aber doch letztlich entspannten Völkerwanderung zu den Überresten des Hochhauses pilgerten. Für die Polizei war dies allerdings kein Problem. Ganz im Gegenteil: „Die Zuschauer waren überaus diszipliniert“, lobte ein Sprecher ausdrücklich.

    Drohnenflug über das leergeräumt Bonn-Center vor der Sprengung © Art-Invest Real Estate

    Drei bis vier Monate dürfte es nun dauern, bis der Schutt zerkleinert und abtransportiert ist. Danach beginnt für den Bauherren Art-Invest die nächste Phase. Unter dem Namen Neuer Kanzlerplatz sollen bis 2020 drei Gebäudekörper und ein Hochhaus mit 60.000 bis 70.000 Quadratmetern Fläche entstehen. Letzteres soll eine Höhe von bis zu 101,5 Metern erreichen, 41,5 Meter mehr als das Bonn-Center. „Wir möchten diesen Standort wiederbeleben und zu dem machen, der er einmal war: Bonns beste Adresse“, sagt Thomas Leise, Projektleiter von Art-Invest.

    Spatenstich für Neubau soll Anfang 2018 sein

    Als Spatenstich ist Anfang 2018 anvisiert. „Nach Abschluss des Bauplanverfahrens im Sommer 2017 können wir unsere Detailplanungen, wie Gebäudehöhe und Fassadengestaltung, weiter vorantreiben“, so Leise weiter. Eines steht allerdings schon fest: Der Mercedes-Stern, der einst das Dach des Bonn-Centers zierte, wird nicht in die Bundesstadt zurückkehren. Dieses Wahrzeichen, das Werbesymbol ebenso wie das Gebäude, sind nun endgültig Geschichte.

    Von unserem Mitarbeiter Thomas Kölsch

    Historie des Bonn-Centers

    25. November 1969: Eröffnung des Bonn-Centers mit Steigenberger-Hotel, Konferenzräumen, Bankfilialen und vier Botschaftskanzleien

    1987: Einzug Pantheon-Theater

    1988: Schließung des Steigenberger-Hotels

    1996: Abbruch der Ladenzeile

    2011: Nach dem Auszug der Deutschen Post steht das Bonn-Center zu 70 Prozent leer

    24. Juni 2016: Letzte Vorstellung des Pantheons

    September 2016: Beginn der Abbrucharbeiten

    19. März 2017: Sprengung an einem Sonntag

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