Schrift:

Sarrazin: «Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen»

Berlin (dpa) - Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat mit Äußerungen zum Erbgut von Juden und Basken erneut heftige Empörung ausgelöst.

Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin wird für seine Äußerungen scharf kritisiert.

«Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden», sagte Sarrazin der «Welt am Sonntag» und «Berliner Morgenpost» laut Vorabmeldung. Bereits zuvor waren die Stimmen für einen Ausschluss Sarrazins aus der SPD immer lauter geworden.

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag zu den neuen Äußerungen: «Wer die Juden über ihr Erbgut zu definieren versucht, auch wenn das vermeintlich positiv gemeint ist, erliegt einem Rassenwahn, den das Judentum nicht teilt.» Sarrazin versuche nicht zum ersten Mal, Minderheiten zu polarisieren und gegeneinander aufzubringen. Es sei seit langem bekannt, dass die meisten Angehörigen einer Volksgruppe einen gemeinsamen geografischen oder genetischen Ursprung haben. «Juden, die nachdenken, werden sich weder aufhetzen lassen, noch Sarrazin auf den Leim gehen», sagte Kramer.

Im Gespräch mit beiden Zeitungen war Sarrazin gefragt worden, ob es «auch eine genetische Identität» gibt. Zuvor hatte der ehemalige Berliner Finanzsenator gesagt, die kulturelle Eigenart der Völker sei keine Legende, sondern bestimme die Wirklichkeit Europas. Sarrazin sagte in dem Interview unter anderem auch, muslimische Migranten würden sich «überall in Europa deutlich schlechter als andere Gruppen von Migranten» integrieren. «Die Ursachen dafür sind nicht ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam.»

Der Berliner Senatssprecher Richard Meng sagte der dpa: «Es wird immer unsäglicher, was man von ihm hört.» Sarrazin, der früher Berliner Finanzsenator war, gebe «rechthaberischen Schwachsinn» von sich und kenne offenbar keinerlei «Grenzen des politischen Anstands mehr», fügte Meng hinzu.

Auch Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich zuvor noch hinter Sarrazin gestellt hatte, distanzierte sich nun klar: «Die Äußerungen Sarrazins sind unerträglich. Damit stellt er sich völlig ins Abseits», sagte Koch der «Bild am Sonntag». «Er spricht in diesen Tagen durchaus vorhandene Probleme an, denen die Gesellschaft nicht ausweichen darf. Ihm selbst geht es aber offenbar nur noch um Verbalradikalismus und Tabubrüche.»

In seinem neuen Buch «Deutschland schafft sich ab» warnt der wegen ähnlicher vorheriger Äußerungen bereits umstrittene Sarrazin davor, dass die Deutschen zu «Fremden im eigenen Land» werden könnten.

1 von 2
Weiter
0.0
0,0 (0 Stimmen)

Leserkommentare (94)

1
von Freidenker vom 28.08 - 19:15 Uhr
Was hat Herr Sarrazin jetzt schon wieder falsch gemacht ? Er sagte im Rahmen einer Befragung/Diskussion, dass die kulturelle Eigenart der ...
2
von Woody Alien vom 29.08 - 12:57 Uhr
wieviele Millionen Bücher seines Buches Herr Sarrazin verkauft! Nach der Werbung zur Zeit rechne ich mit mindestens 2 Millionen. Und was macht ...
3
von Holzschnitt vom 29.08 - 15:28 Uhr
[QUOTE=Freidenker;5109]Was hat Herr Sarrazin jetzt schon wieder falsch gemacht ? Er sagte im Rahmen einer Befragung/Diskussion, dass die ...
Filmstarts, Programminfo, Kino-Galerie, Vorschau

Event-Kalender

Wetter

Mittwoch

14°C - 27°C
Donnerstag

11°C - 27°C
Freitag

8°C - 21°C
Samstag

10°C - 20°C

Sudoku

Sudoku  
Tägliches
Sudoku
in vier
Schwierigkeitsstufen

RZ-Blog

Wikipedia

Lexikon  
Die ganze Welt
des Wissens
in unserem
Online-Lexikon