Am Koblenzer Arbeitsplatz von Tobi Haas war es eine kleine Attraktion und belustigte ihn und Kollegen – der Käufer kann darüber nicht lachen: Er hatte sich iPhones andrehen lassen, die gar keine sind.
Chinesische Produktpiraterie hat auch längst das Kulthandy erfasst, erste Kopien sind 2008 schon in Deutschland aufgetaucht. Als HiPhone oder SciPhone werden Geräte auch mehr oder weniger offen über die Auktionsplattform eBay verkauft – und dann wird zumindest am Namensunterschied deutlich, dass es sich um Gerät handelt, das nicht auf dem Apple-Baum gewachsen ist. Dem Käufer war das aber offenbar nicht klar gewesen… Bei einem Preis von 100 Euro pro Stück hat der Mann, der laut Haas häufiger Sonderposten aufkauft, bei einem Satz Geräte an ein vermeintlich gutes Geschäft geglaubt. Das Erwachen kam erst, als er eines der Geräte in Gang setzen wollte und es nicht funktioniert. Das kleinste Problem dabei ist noch, dass das Netzteil nur für amerikanische Steckdosen ausgelegt ist.
So landete das Gerät über einen Kollegen letztlich bei Tobi Haas – und der Bassenheimer nahm es gleich unter die Lupe: In seinem Blog hat der 19-Jährige das Gerät einem echten iPhone gegenüber gestellt. „Ein billiges Handy in einer iPhone-Verpackung“, sagt er. Wer sich sein Video anschaut, versteht, dass Laien darauf reinfallen können. Einen besonders perfiden Fall, bei dem die Verkäufer über Wochen Vertrauen und eine Freundschaft aufgebaut hatten, schilderte das Magazin c’t. Da wechselte dann nach Überweisung via Western Union ein Gerät für 256 Dollar den Besitzer, das definitiv dem versprochenen iPhone 3G nur ähnelte.
Die Möchtegern-iPhones des unglücklichen Käufers aus der Region werden für den verhinderten Schnäppchenjäger nun wohl zum dicken Verlustgeschäft. Dabei hat das Plagiat auf den ersten Blick aber auch Vorteile: Im Gegensatz zum Original kann der Akku problemlos ausgetauscht werden. Allerdings ist die Frage, welche Sicherheitsstandards der Akku erfüllt – in China soll es schon Tote durch explodierte Akkus gegeben haben. Und: Zwei SIM-Kartenslots erfreuen zwar manche Handy-Besitzer, am iPhone sind sie aber untrügliches Zeichen dafür, dass es kein echtes ist. Und nach dem Einschalten fällt direkt auf. Die Schrift ist anders. Die Kamera funktionierte, der iPod auch, ins WLAN-Netz einwählen mochte sich das Gerät aber nicht. Die eigene SIM-Karte einlegen wollte Haas nicht – „wer weiß, was da rausgekommen wäre.“ Drinnen steckt jedenfalls auch nicht das Apple-Betriebssystem, auch wenn das Display immerhin so funktionierte. Ein Test der Fachzeitschrift Chip kam zum Fazit: Bei den Plagiaten handelt es sich um minderwertige Handys, die nicht einmal die Grunddisziplinen wie Telefonieren oder komfortable Bedienung beherrschen.
Trotzdem gibt es auch Nutzer, die mit ihrem irgendwasPhone zufrieden sind – aber die haben auch kein echtes iPhone erwartet. Während nicht so technikbegeisterte Menschen meist noch nichts von gefälschten iPhones gehört haben – entsprechend groß war ja auch das Aufsehen bei den Kollegen von Tobi Haas – zeigt eine Blitzumfrage unserer Zeitung unser Twitternutzern, dass dort vieledurchausmitdemThemavertrautsind.
Vor allem bei den Zollämtern am Koblenzer Rheinhafen und am Flughafen Hahn bekommen auch Mitarbeiter des Hauptzollamts Koblenz solche Geräte immer wieder mal zu sehen, sagt Pressesprecherin Sylke Zabel. Wer sich solch ein Gerät privat gekauft hat, macht sich zwar nicht strafbar. Aber ihm droht, dass der Rechteinhaber Beschlagnahme und Vernichtung beantragt. Mit der Erstattung aus China dürfte es dann schwierig werden. Zudem drohen zivilrechtliche Ansprüche.
In China hat die „Shenzen Daily“ im Januar groß eine Durchsuchungsaktion vermeldet, bei der mehr als 1000 nachgemachte iPhones sichergestellt wurden und die Behörden eine Fabrik dicht machten. Allerdings ist China dafür bekannt, immer wieder einmal öffentlichkeitswirksam Produktpiraten hochzunehmen, das Problem aber nicht generell anzugehen.
Lars Wienand

