Blogger triumphiert wegen Empörung über Love-Parade-Satire
Titanic-Chefredakteur Leo Fischer findet es "grundsätzlich sehr in Ordnung, auch über solche Ereignisse Witze zu machen. Aber so direkt im zeitlichen Abstand geht es in die Hose und wird nicht verstanden". Wie ein Pawlowscher Reflex werde das nur so aufgefasst, dass über Tote Hohn und Spott ausgegossen wird - "das ist meine Erfahrung". Und die gründet sich unter anderem auf eine Rüge durch den Presserat wegen Karrikaturen nach dem Tod von Robert Enke. Sözes Text sei eine entstellende, ins Groteske übersteigernde Reaktion auf die Herman-Äußerungen, so Fischer.
Söze will derzeit - aus Sorge nach den Drohungen - nicht viel über seine Person sagen. Die Ereignisse in Duisburg seien selbstverständlich fürchterlich. "Aber ich werde mich niemals verleiten lassen, öffentlich Trauer zu heucheln für Menschen, die ich nicht kannte."
Auch in gemäßigteren Kommentaren wird er "krank" genannt, deutliche Kraftausdrücke fallen. Als wollte er sich von denen noch mehr absetzen, schreibt Söze in ausgesprochen gewähltem - manche würden sagen, gestelztem - Deutsch: "Ich besitze ein durchaus ausgeprägtes Gefühl von Pietät und Anstand, auch wenn man dies aus den bemängelten Artikeln nicht zwangsläufig extrapolieren kann." In persönlichen Gesprächen mit Hinterbliebenen würde er niemals derlei Inhalt von sich geben. Und ihm sei im Vorfeld "natürlich" klar gewesen, dass sich entweder gar kein Hinterbliebener auf diese Seite verirren würde oder aber nach Durchsicht der ersten Absätze kommentarlos die Seite wieder verlässt.
So werden es auch viele gemacht haben, die keine Angehörigen sind und vielleicht auch etwa die bewegenden Schilderungen der 22-jährigen Julia P. in deren Blog gelesen hatten. Andere schenkten seinem Blogbeitrag mehr Aufmerksamkeit - bis zu Strafanzeigen. Sorgen macht sich Söze deshalb nicht: Volksverhetzung sei sicherlich nicht gegeben, "da zu keiner Zeit eine echte Intention zu irgendeiner Art der Hetze vorlag - und einen Absatz über Fahrlässigkeit - sodass sich also Leute dadurch aufgehetzt "fühlen" - gibt es nicht."
Einen Verlust hatten dann aber auch die Freunde der brutalstmöglichen Satire zu beklagen: Wordpress machte die Seite nach wenigen Stunden dicht, "um Zucker in den Arsch des heulenden Betroffenheitsklientels zu blasen", wie es im Abgesang auf dem Blog Klabusterbeere hieß. Söze kann aber, was die Eltern der Opfer von Duisburg nicht können: Er will sein Kind zu neuem Leben erwecken und hat alle Beiträge gesichert.









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