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  • Wortlaut: Leutheusser-Schnarrenberger vs. Zollitsch

    Berlin (dpa). Zwischen der Bundesregierung und der katholischen Kirche ist ein heftiger Streit über die Aufarbeitung der Serie von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen entbrannt.

    Im Fokus steht Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die in den ARD-«Tagesthemen» der Kirche mangelnde Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden vorgeworfen hatte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte der Ministerin bis Mittwochnachmittag eine 24-stündige Frist für eine Entschuldigung gegeben. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert beide Stellungnahmen in Auszügen.

    LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER AM 22. FEBRUAR IN DER ARD:

    «Das ist wirklich erschütternd. Das Ausmaß ist ja noch gar nicht absehbar. Es steht zu befürchten, dass auch in Deutschland viele dieser Missbrauchsfälle nicht mehr strafrechtlich geahndet werden können, weil sie verjährt sind, aber das Allerschlimmste ist, was hier jungen Menschen angetan wurde, das kann ihr ganzes Leben zerstört haben und das macht auch etwas hilflos.

    Bisher war jedenfalls nicht der Eindruck da und ist auch durch nichts gefestigt worden, dass bei auch nur dem Verdacht auf Missbrauch hier die Verantwortlichen der katholischen Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten. Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben. (...)

    Ich erwarte, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.

    Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt. Und da können nicht andere darüber entscheiden, ob dieses Delikt verfolgt wird oder nicht. Und da muss es eben andere Richtlinien geben. Ich glaube, es ist vorbei, zu versuchen, solche Richtlinien zu rechtfertigen, Über 120 Missbrauchsfälle allein in den letzten wenigen Wochen und es ist ja wohl zu befürchten, dass es immer mehr werden. Deshalb muss natürlich sofort die Staatsanwaltschaft informiert werden und es muss aufgeklärt werden im Interesse der katholischen Kirche.

    Ich habe den Vorschlag des Runden Tisches eingebracht, weil wir bei der Aufarbeitung der Missbräuche und Verletzungen an Heimkindern, was viele Jahrzehnte zurückliegt, damit doch erste ganz gute Eindrücke gewonnen haben. Ich halte das für einen Weg, dass die katholische Kirche, ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt gegenüber den Opfern, für die sonst nichts anderes mehr getan werden kann. (...) Damit hat man ja auch in Irland gute Erfahrungen gemacht.

    Mit diesem Vorschlag möchte ich der katholischen Kirche - gerade vor dem Hintergrund ihrer jetzt stattfindenden Beratungen - einfach nur aufzeigen: Macht Euch Gedanken, schlagt etwas vor, was natürlich letztendlich mit Unabhängigkeit, auch mit einer klaren Zielrichtung versehen sein muss. Ich glaube, es ist wirklich die Stunde da, dass die katholische Kirche ganz anders mit den Vorgängen in ihren Reihen umgeht.»

    DIE REAKTION VON ZOLLITSCH AM 23. FEBRUAR:

    «Die Bundesjustizministerin hat im Interview mittels falscher Tatsachenbehauptungen, wie ich meine, maßlos gegen unsere katholische Kirche polemisiert. Ich erinnere mich keines zweiten Medienbeitrags eines Regierungsmitglieds der Bundesrepublik, der eine ähnlich schwerwiegende Attacke gegen die katholische Kirche in Deutschland dargestellt hätte. Ich wundere mich, gerade dass die Bundesjustizministerin (...) undifferenziert und emotional Stellung nimmt und ich habe diese Fakten auch der Ministerin geschrieben und erwarte von ihr, dass sie die unwahren Passagen des Interviews innerhalb von 24 Stunden auch wirklich richtig stellt.»

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