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  • «Wir fliegen bis zum Mond - aber hier ist Chaos»

    Göttingen (dpa). Ungläubige Gesichter, Staunen, sarkastisches Lachen. Als die Reisenden im ICE 873 von Berlin nach Basel am Sonntag gegen 17.15 Uhr die Ansage vernehmen, verschlägt es ihnen zunächst die Sprache. «Meine Damen und Herren, aufgrund witterungsbedingter Störungen endet dieser Zug heute in Göttingen.»

    Hektisches Greifen nach den Handy oder dem Laptop, aufgeregtes Suchen nach Alternativ-Verbindungen. Doch es gibt keine - jedenfalls nicht nach Frankfurt. «Ist das zum Kotzen», entfährt es einer 35- Jährigen. «Wie wahr», pflichten ihr einige Reisende bei. «Die hätten doch wirklich mal früher etwas sagen können», meint ein Senior. Unwetter in Deutschland - und bei der Bahn geht einmal mehr nichts. Vor allen Dingen die Kommunikation nicht.

    Als die ersten Reisenden von Freunden und Verwandten erfahren, dass der Hauptbahnhof Frankfurt gesperrt ist, wissen die Schaffner von nichts. «Wir kriegen die Informationen auch erst, wenn Sie es hören», sagt einer von ihnen achselzuckend. Erst auf mehrfaches intensiven Nachfragen bemühen sie sich um Informationen. «Der Lokführer weiß auch nichts», berichtet der Schaffner nach einem internen Telefonat. Er zweifelt an, dass den Reisenden einen frühe Information helfen könnte. «Kann doch sein, dass die Probleme bald gelöst sind.»

    Sind sie nicht. Der Zug aus Berlin, der bereits in der Hauptstadt mit einer Verspätung von 30 Minuten losgefahren ist, strandet in Göttingen. «Bitte alle aussteigen», dröhnt es mehrfach aus dem Lautsprecher. Auf den Bahnsteigen geht das Chaos weiter. Mal heißt es, die Reisenden sollen den nächsten Zug um 17.54 Uhr nach Kassel nehmen. «Dort wird dann entschieden, ob er weiterfahren kann», sagt eine Bahnangestellte. Aus dem Lautsprecher scheppert es zunächst, dass der Zug heute 10 Minuten später fährt, dann 15 Minuten. Am Ende fährt er gar nicht.

    Auf den Bahnsteigen drängen sich immer mehr Reisende - gestrandet in Göttingen. Die zunächst versprochene Weiterfahrt nach Kassel oder München fällt aus. Den Grund kennen die meisten nun. «Da kann man ja nichts machen», sagen sie. «Aber die könnten mal sagen, was Sache ist», schimpft eine Mitvierzigerin. «Wir fliegen bis zum Mond - aber hier ist Chaos», zischt eine Bankangestellte. Seit knapp drei Monaten pendelt sie für ein Projekt wöchentlich zwischen Frankfurt und Berlin hin und her. «Ich habe noch nie erlebt, dass ein Zug pünktlich gewesen wäre - aber das ist die Krönung.» Wie Hunderte andere Menschen ist sie in Göttingen gestrandet.

    Dort hilft dann nur noch eins: Selbst schauen, von einem Bahnsteig auf den anderen hetzen, darauf hoffen, dass einer von den Zügen in Richtung Frankfurt fährt - und man irgendwie noch reinpasst. Das gelingt am Ende. Doch der Zug Richtung München über Frankfurt und Mannheim fährt immer noch nicht. Im Lautsprecher auf dem Bahnsteig scheppert es zwar: «Einsteigen. Der Zug fährt gleich ab.» Drinnen jedoch lautet die Ansage:« Wegen witterungsbedingter Störungen auf der Strecke nach Frankfurt verzögert sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit. Wir bitte um Verständnis.»

    Das ist zu viel. «Was für ein Verständnis denn, du Labertüte», schimpft ein junger Soldat. «Wie komme ich in die Kaserne?», fragt er verzweifelt. Die Reisenden ertragen die Situation mit Galgenhumor. Was sie jedoch aufregt, sind die Nicht-Informationen. Die Anzeigetafeln am Gleis sind leer. Kein Hinweis, wohin der Zug fährt. Aus den Lautsprechern nur widersprüchliche Angaben. «Da kannst Du sagen, es fährt ein Zug nach Nirgendwo», meint ein 23-Jähriger.

    Aber immerhin: Der Zug fährt. Mit 60 Minuten Verspätung und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern, wie der Zugbegleiter berichtet. Egal - er fährt. Sogar in die richtige Richtung - über Frankfurt nach Mannheim.

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