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  • Viele Kinder in Haiti sind ganz allein

    Port-au-Prince/Hamburg (dpa) - Tausende traumatisierte Kinder irren nach dem schweren Erdbeben in Haiti allein durch die Straßen. In Kinderheimen ist die Lage katastrophal und spitzt sich weiter zu, berichteten Helfer und Experten am Montag. Viele obdachlose Kinder sind ohne jegliche Betreuung.

    Haiti hat als ärmstes Land Amerikas auch eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt - etwa 40 Prozent der Einwohner sind Statistiken zufolge jünger als 15 Jahre.

    Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk terre des hommes warnte vor Kinderhändlern und Schleppern. Kinderhändler würden erfahrungsgemäß Notlagen wie jetzt in Haiti ausnutzen, teilte die Hilfsorganisation in Osnabrück mit. «Wir brauchen deshalb schnell Schutzmechanismen und konkrete Angebote, die verlassene Kinder aufnehmen und sie vor Verbrechen wie Kinderhandel und illegaler Adoption schützen», sagte Geschäftsführerin Danuta Sacher.

    Frankreich und die Niederlande wollen Kinder ausfliegen, die bereits von Europäern adoptiert wurden, sich aber noch in Haiti aufhalten. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sagte: «Wir kümmern uns um alle Kinder» - nicht nur um die adoptierten. Vorrang hätten verletzte Kinder.

    Nach Angaben des Vereins Haiti-Kinderhilfe muss vor allem den Kindern geholfen werden, die nicht bei ihren Eltern leben, sondern zum Arbeiten in andere Familien geschickt wurden. Sie würden von niemandem gesucht oder versorgt, sagte Stephan Krause, Vorsitzender der Haiti-Kinderhilfe e.V. am Montag der dpa. Eine anständige Versorgung könne nur außerhalb der zerstörten Hauptstadt gewährleistet werden. Es gebe noch einige wenige kaum zerstörte Waisenhäuser. Der Verein vermittelt seit 1993 Patenschaften und finanziert Schulen oder Krankenhäuser. Er wurde von Deutschen, die Kinder aus Haiti adoptiert haben, gegründet.

    Die Kinderhilfsorganisation World Vision berichtete am Montag von einem völlig überfüllten Waisenhaus in Delmas im Großraum Port-au-Prince, in dem Kinder seit zwei Tagen ohne Wasser waren. «Als wir Hilfe brachten, streckten uns dutzende Kinder ihre Arme entgegen. Die meisten sind erschöpft, viele leiden unter Krankheiten wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Hautausschlag. Die Waisenhaus-Leitung hatte aus Verzweiflung Wasser aus einem naheliegenden Fluss geholt und es abgekocht», sagte Mitarbeiter James Addis laut Mitteilung.

    Ein Mitarbeiter der Organisation Plan International Deutschland e.V., der Trauma-Experte Dr. Unni Krishnan, sagte über die Situation der Kinder: «Wir müssen ihnen psychologische Hilfe geben. Nach dem, was passiert ist, wissen die Mädchen und Jungen nicht, wohin mit ihrer Ungewissheit und Trauer. Sie suchen ihre Eltern und Geschwister - ihre Not hier ist kaum zu erfassen.»

    Frankreich will alle von Franzosen adoptierten Kinder schnell aus Haiti ausfliegen. Dafür müssten aber alle Papiere in Ordnung sein, sagte Entwicklungsstaatssekretär Alain Joyandet dem Radiosender Europe-1; Zahlen nannte er nicht. Elternvereinen zufolge laufen jedoch zurzeit 1200 bis 1500 Anträge. Jedes Jahr werden tausende Kinder aus Haiti von ausländischen Eltern adoptiert, was dem Land bereits den Vorwurf einbrachte, Kinderhandel zu betreiben. Das wichtigste Aufnehmerland ist Frankreich. Auch die Niederlande wollen 109 Adoptivkinder mit einem Charter-Flugzeug in Sicherheit bringen.

    Für Unmut sorgte derweil eine Äußerung der Fernsehmoderatorin und UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen über Adoption in Haiti. In der ARD-Sendung «Anne Will Extra» hatte die TV-Lady am Sonntagabend zur Lage vor dem Erdbeben gesagt: «Sie haben eine Adoption für 10 Dollar bekommen. Auf dem Flughafen hat man nur weiße Ehepaare mit kleinen haitianischen Kindern gesehen, weil sie nichts kosteten.»

    Adoptionsvermittler protestierten nun, wie die «Rhein-Zeitung» (Dienstag) berichtet. In einem Schreiben an die ARD und den NDR hätten der Verein Haiti-Kinderhilfe e.V. sowie Help a Child e.V. von Christiansen eine öffentliche Entschuldigung gefordert. Neben den biologischen Eltern würden mit ihren Äußerungen auch die Adoptiveltern beleidigt und mit skrupellosen Menschenhändlern gleichgestellt. Die Zeitung zitiert Christiansen mit den Worten, sie habe zu den Auswirkungen der großen Armut in Haiti Stellung genommen. Eine dieser Auswirkungen sei der illegale Kinderhandel gewesen.

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