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  • Skeptiker contra Alarmisten - Klima-Kampf im Netz

    Hamburg (dpa). Ist der Mensch schuld am Klimawandel? Oder ist das eine Erfindung von Panikmachern? Der Klimagipfel in Kopenhagen heizt die Diskussion in der Netzgemeinde an.

    Zum Auftakt der Konferenz ist ein erbitterter Streit entbrannt - zwischen Klimawandel-Skeptikern auf der einen, und engagierten Wissenschaftlern und Klimaschützern auf der anderen Seite. Nicht nur bei Kurzmitteilungsdiensten wie Twitter rauscht es gewaltig, auch in Blogs, Netzwerken wie Facebook und den Foren von Nachrichtenseiten fliegen die verbalen Fetzen.

    «Eine unbequeme Wahrheit: Es ist alles Betrug - Nein zu Kopenhagen» - so zwitscherten am ersten Tag der Konferenz gleich mehrere Hundert Twitter-Nutzer. Sie spielten damit auf den Titel der Klima-Dokumentation von Friedensnobelpreisträger Al Gore an. Innerhalb von wenigen Minuten wurden Tausende Kurznachrichten zum Klimagipfel verfasst. Die meisten Nutzer wünschen sich allerdings konkrete Ergebnisse von den Politikern, sie sehen den Klimawandel als traurige Realität. «Loewwe» twittert hoffnungsvoll: «Lasst uns Kopenhagen zu ”Hopenhagen” machen. Unterschreibt die UN Klima- Petition und lasst den Wandel Realität werden.» So oder so: «Copenhagen» gehörte zu den Top Ten der meistbenutzten Begriffe.

    Besonders viel Aufregung löste der Diebstahl Hunderter persönlicher E-Mails von renommierten britischen Forschern aus. Die unter dem Begriff «Climategate» bekanntgewordene Affäre ist für die Skeptiker des Klimawandels ein gefundenes Fressen. In der gestohlenen Korrespondenz wollen sie Beweise gefunden haben, dass die Klimaerwärmung pure Erfindung ist.

    «Menschenverursachte globale Erwärmung ist Betrug», schreibt etwa Joshua B. Wilson aus Portland im Facebook-Diskussionsforum «The Climate Pool». Alexander Kay entgegnet den Skeptikern genervt: «Ihr seid in der Minderheit. Die meisten Menschen sind schlau genug, die Bedrohung zu erkennen. Die Zeit des Bewahrens und des Reaktionsmus ist endgültig vorbei, was wie jetzt brauchen ist Fortschritt.»

    «Die klassische Linie verläuft zwischen den Alarmisten und den Skeptikern», fasst der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch zusammen, «die einen sprechen von einer ”Klimakatastrophe” und sagen, es wird alles fürchterlich schrecklich, und die anderen behaupten, das stimmt alles nicht.» Letztere Position werde in Deutschland aber von keinem ernstzunehmenden Wissenschaftler vertreten. Von Storch steht eher in der Mitte. Er sagt: «Sicher ist, dass CO2 das Klima verändert. Aber das Ausmaß des tatsächlichen Klimawandels und seiner Folgen ist alles andere als unumstritten.»

    Für von Storch verfolgen beide Extrempositionen ein politisches Interesse: «Beides ist eine Methode zur Ablehnung oder Durchsetzung einer weitgehenden Umweltpolitik» - mit mehr oder weniger großen Einschränkungen für den Alltag der Menschen. Um dieses Ziel zu erreichen, werde versucht, die Wissenschaft zu beherrschen.

    Die Klima-Kontrahenten debattieren regelmäßig über die einschlägigen Seiten. Etwa zwischen den skeptischen Blogs «Climate Audit» und «The Air Vent» und dem von mehreren Klimaforschern betriebenen Blog «RealClimate» geht es hoch her. Eifrig werden Beiträge verfasst und dutzendfach kommentiert.

    Immer wiederkehrendes Streitthema: Das sogenannte Hockeyschläger- Diagramm. Es zeigt den Temperaturverlauf im vergangenen Jahrtausend, der Name kommt von der im 19. Jahrhundert plötzlich stark steigenden Kurve. Die Skeptiker zweifelten stets die Datengrundlage und Genauigkeit dieser Arbeit an.

    «RealClimate ist das Sprachrohr des Kartells, das das Hockeyschläger-Diagramm vertritt, ein modernes Zentralorgan», sagt Hans von Storch, kritische Beiträge seien hier unerwünscht. Er selbst hat vor kurzem den Blog «Die Klimazwiebel» gestartet.

    Und so geht die Diskussion munter weiter. Doch was treibt die Skeptiker eigentlich an, so leidenschaftlich, lautstark und wortreich zu argumentieren? Für Hans von Storch hat die Debatte fast schon religiöse Züge: «Früher war es der liebe Gott, der die Menschen mit einer Sturmflut bestrafte. Heute heißt es: Die Natur schlägt zurück, und wir verdienen das auch.»

    Viele Menschen fühlten sich von der Politik bevormundet und wollten sich das nicht gefallen lassen. «Das ist ein hochexplosives Gemisch, nach dem Motto: Entweder du bist für mich oder gegen mich», sagt der Forscher. Mit kühl abwägender, unabhängiger Wissenschaft habe das nicht mehr viel zu tun.

    http://dpaq.de/bk6v2

    http://dpaq.de/9VgWc

    http://dpaq.de/YiwmW

    http://dpaq.de/tXgK9

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