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  • Obama in Oslo - aus den USA schaut kaum jemand hin

    Washington (dpa). «Es ist vermutlich günstig für den Präsidenten, dass es den Zeitunterschied zwischen Norwegen und den USA gibt, die meisten Amerikaner also schlafen und das Ereignis in den Medien weniger verfolgt wird», meint Peter Brown, Vize-Direktor an der Quinnipiac University im US-Bundesstaat Connecticut.

    Ätzender könnte ein Kommentar kaum sein - Barack Obama kriegt den Nobelpreis, aber kaum jemand schaut hin. Doch die schneidenden Worte des Akademikers treffen durchaus ins Schwarze. Begeisterung über die große Ehrung, Stolz oder gar so etwas wie nationale Aufwallung ob ihres «Nobel-Präsidenten» - Fehlanzeige bei den Amerikanern.

    Es ist früher Morgen an der Ostküste, während Obama im fernen Oslo seine Dankesrede hält, fahren die Menschen in New York und Washington gerade zur Arbeit, in San Francisco herrscht noch tiefe Nacht. Zwar übertragen die meisten TV-Sender Obamas Rede live, doch kaum hat der Präsident ausgesprochen, schwenkten die Kameras wieder auf Naheliegendes: die Reform des Gesundheitswesens, die Terroristen in Pakistan, der Schneesturm im Mittleren Westen. Die Weltmacht Amerika hat andere Prioritäten.

    Für Europäer unverständlich: Während Deutsche und andere in dieser Woche gebannt nach Kopenhagen und Oslo blicken, beobachten die Amerikaner die beiden Großereignisse mit einer Mischung aus kühler Gelassenheit bis Desinteresse. Auch der Klimagipfel macht im Vergleich zu Deutschland in den USA eher Mini-Schlagzeilen, die Verleihung des Nobelpreises vermag erst recht keine Emotionen zu entfachen. «Splendid Isolation», bezeichneten Amerikaner früher eine solche Haltung, die Freude, mit den Problemen der übrigen Welt recht wenig zu tun zu haben.

    Mehr noch, vor allem konservativen und politisch Rechtsstehenden Amerikanern ist allzu viel Zuspruch aus dem vermeintlich liberalen bis linken Europa geradezu verdächtig. So fragen sich Kommentatoren im US-Fernsehen an diesem Morgen mit besorgten Gesichtern, ob der Preis Obama womöglich «schaden könnte». Bereits zuvor fürchtete der liberale Kolumnist Thomas Friedman: «Das Nobelkomitee tat Präsident Obama keinen Gefallen, als es ihm den Friedensnobelpreis zu früh zuerkannte.» Immerhin: Zwei Drittel der Amerikaner sind laut einer Umfrage der Meinung, dass ihr Präsident die Ehrung gar nicht verdient. Nur 26 Prozent meinen, er erhalte sie zu recht.

    Auch die ersten Reaktionen auf Obamas Dankesworte in einer Rede sind bemerkenswert. «Die Hälfte der Rede war über den Krieg«, meint die CNN-Kommentatorin Candy Crowley. «Er hat genau das getan, was die Republikaner wollten.» Andere lobten die «geradezu philosophische Rede», doch die meisten Kommentatoren bemerkten mit Wohlwollen, dass Obama den Afghanistan-Krieg keineswegs in den Hintergrund drängte. «Er hat sogar über gerechten Krieg gesprochen», schwärmt David Gergen, ein ehemaliger Medienmann von Ex-Präsident Bill Clinton.

    Tatsächlich wollte es Obama in Oslo unter allen Umständen vermeiden, als «Taube» und «weicher» Pazifist aufzutreten - denn dadurch wäre er an der «Heimatfront» allzu leicht zur Zielscheibe der oppositionellen Republikaner geworden. Als etwa sein Sprecher Robert Gibbs vor ein paar Tagen gefragt wurde, ob sein Chef denn auch als «Kriegspräsident» nach Oslo fahre, antwortete er geradezu überschwänglich «exactly» - genau.

    Und just am Donnerstag, dem Tag, an dem Obama in Oslo seinen großen Auftritt hat, veröffentlicht die «New York Times» eine Umfrage über den Afghanistan-Krieg. Das Ergebnis: Eine knappe Mehrheit findet die jüngst beschlossene Eskalation des Krieges gut. Jetzt schon, wie Obama, an einen Abzug zu denken, finden die meisten dagegen schlecht.

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