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  • Konstrukteur der Olympia-Bahn fassungslos

    Leipzig (dpa). Udo Gurgel ist fassungslos. Für den Konstrukteur der olympischen Bob- und Rodelbahn im kanadischen Whistler war ein tödlicher Unfall wie der des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili nicht vorstellbar.

    «Das kann man nicht vorhersehen. Das war eine Verkettung sehr unglücklicher Umstände», sagte der Ingenieur aus Leipzig am Samstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Denn selbst unter dem Eindruck des tragischen Unglücks gibt es für ihn keinen Zweifel daran, dass der Eiskanal im Whistler Sliding Center höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht.

    «Die Bahn ist nicht zu gefährlich. Punkt eins: Die Bahn ist sicher. Und Punkt zwei: Die Bahn ist schnell. Man muss das sehr sauber definieren. Nur wenn man schnell als gefährlich definieren will, ist sie gefährlich», erklärte er. Dennoch macht er sich Gedanken. «Wenn man sich vier Jahre mit dieser Bahn beschäftigt hat, ist man einfach erschüttert. Das tut einem unendlich leid, dass so etwas passieren konnte. Und man fragt sich natürlich, wie so etwas passieren konnte. Aber man ist auch anhand der Fernsehbilder nicht in der Lage, Rückschlüsse zu ziehen», sagte Gurgel und vermutete: «Es ist wohl ein Fahrfehler gemacht worden.»

    Die Hochgeschwindigkeits-Piste rund 130 Kilometer nördlich der Olympia-Stadt Vancouver ist die neunte Bob- und Rodelbahn, die Gurgel gemeinsam mit seinem Team in den vergangenen 40 Jahren entworfen hat. Seither werden die Bahnen an Computern konstruiert. «Seitdem ist noch keiner rausgeflogen. Man sieht, dass die computerberechneten Bahnen sicher sind. Selbst Fahrfehler werden simuliert», sagte Gurgel. Die Tempo-Diskussionen nach dem tödlichen Unfall würden «nicht auf einer sachlichen Basis» geführt. «Die Bahn ist schnell. Das ist unbestritten. Aber das ist schon seit zwei Jahren bekannt», erklärte der Ingenieur und verwies darauf, dass alles mit den internationalen Bob- und Rodelverbänden FIBT und FIL abgestimmt war.

    Gurgel bestreitet, dass der 21-jährige Kumaritaschwili mit einer Geschwindigkeit von 144 Kilometern pro Stunde an den Stahlträger neben der Bahn geprallt sein soll. «Das stimmt nicht», sagte er. Zum einen sei dort im Zielbereich keine Geschwindigkeitsmessung, sondern lediglich vor dem Eingang zur verhängnisvollen Kurve 16. Und zum anderen gehe die Kehre 130 Meter lang bergauf. «Dadurch ist eine Verringerung der Geschwindigkeit um 14 bis 16 km/h zu verzeichnen. Das fängt Fehler ab», erläuterte der Designer.

    Zudem habe er gesehen, dass die Bande an der Unglücksstelle bereits vorher durch Platten um 20 Zentimeter erhöht worden sei. Der Georgier aber sei über einen Meter hoch geflogen. «Dort werden sicherlich die Banden mit Holzplanken weiter erhöht und verlängert», prognostizierte er. Genau diese Maßnahmen wurden dann am Samstag in Whistler vor dem Männertraining vorgenommen.

    Der Eiskanal in Whistler ist der schnellste der weltweit 21 Bahnen. «Geschwindigkeiten von deutlich über 150 km/h sind möglich», sagte Gurgel. Den offiziellen Rekord hält Weltmeister Felix Loch (Berchtesgaden) mit 153,98 km/h. «Die Kurven werden mit einem Geschwindigkeitspuffer versehen. Was dort gefahren wird, ist nicht im Endbereich. Gerechnet und untersucht wird mit zehn Prozent mehr», erklärte der Ingenieur. Zudem würden auch auf der Bobbahn in St. Moritz 148 km/h erreicht. «Auch Turin war schon eine schnelle Bahn mit drei schnellen Kurven. In Vancouver sind es vier.»

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