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  • Chronologie: Die Entwicklung seit dem NATO-Bericht

    Hamburg (dpa). Die genauen Vorkommnisse des 4. September sind nicht bekannt. Klar ist nur, dass die Bundeswehr in Afghanistan einen verheerenden Luftangriff anordnete.

    Bei der Bombardierung von zwei von den Taliban gekaperten Tanklastern gab es nach einem NATO-Bericht bis zu 142 Tote oder Verletzte. Seitdem ist die Bundesregierung zunehmend in Erklärungsnot geraten. Ein Rückblick: 

    28. Oktober: Karl-Theordor zu Guttenberg (CSU) wird im Bundestag als neuer Verteidigungsminister vereidigt. Am selben Tag trifft der Untersuchungsbericht der NATO im Ministerium ein.

    29. Oktober: Die Bundeswehr sieht sich durch den geheimen Bericht entlastet. Aus Sicht des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan gibt es keine Zweifel, dass die Soldaten militärisch angemessen gehandelt haben.

    5. November: Nach Angaben von hochrangigen NATO-Offizieren geht aus dem Bericht hervor, dass Bundeswehr-Oberst Georg Klein die Bombardierung der Tanklaster durch US-Kampfjets nicht hätte anordnen dürfen.

    6. November: Guttenberg nennt den Angriff «militärisch angemessen». Nach dem Studium des NATO-Berichts habe er keine Zweifel.

    25. November: Guttenberg fragt Generalinspekteur Schneiderhan und Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert nach weiteren Berichten. Die nachträgliche Darstellung unterscheidet sich: Laut Guttenberg verschweigen ihm beide einen Bericht der Feldjäger, der früh von zivilen Opfern spricht, und weitere Informationen; nach Angaben aus dem Umfeld der beiden Spitzenbeamten haben diese korrekt informiert.

    26. November: Die «Bild»-Zeitung berichtet über den Feldjäger- Bericht. Guttenberg entlässt Schneiderhan und Wichert. Nach Bekanntwerden der neuen Dokumente müsse er seine Bewertung vom 6. November womöglich revidieren, sagt er.

    27. November: Der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) übernimmt die Verantwortung für die interne Informationspolitik und erklärt seinen Rücktritt als Arbeitsminister.

    1. Dezember: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sichert eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge um den Luftangriff zu und bekennt sich zur deutschen Verantwortung für die Folgen.

    2. Dezember: Zur Aufklärung der Kundus-Affäre beschließt der Verteidigungsausschuss des Bundestages seine Umwandlung in einen Untersuchungsausschuss. Er soll sich am 16. Dezember konstituieren.

    3. Dezember: Guttenberg vollzieht eine Kehrtwende im Bundestag. Er bezeichnet das Bombardement nun als «militärisch nicht angemessen». Neue Dokumente hätten ihn zur Korrektur seiner Meinung veranlasst.

    6. Dezember: Die Bundeswehr soll nach «Spiegel»-Informationen ursprünglich sechs Bombenabwürfe angefordert haben. Die Besatzung der US-Kampfjets habe aber widersprochen, berichtet das Magazin unter Berufung auf Auszüge aus dem NATO-Abschlussbericht. Es seien nur zwei Bomben nötig.

    7. Dezember: Die Bundesregierung will Angehörige von zivilen Opfern möglichst schnell entschädigen.

    9. Dezember: Das Magazin «Stern» berichtet, das Internationale Rote Kreuz (ICRC) habe Guttenberg bereits am 6. November schriftlich darüber informiert, dass es viele zivile Opfer gegeben habe.

    10. Dezember: Die Bundeswehr-Elite-Einheit KSK (Kommando Spezialkräfte) war nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung maßgeblich an der Koordinierung des Luftangriffs beteiligt.

    11. Dezember: Guttenberg reist nach Afghanistan und versichert den Soldaten den Rückhalt der Heimat. Laut «Spiegel» und «Süddeutscher zeitung» legen Details aus dem geheimen NATO-Bericht nahe, dass mit dem Bombardement gezielt die um die Laster versammelten Taliban-Kommandeure getötet werden sollten. An einer Stelle heiße es im Bericht, die Bundeswehr wolle «die Menschen angreifen, nicht die Fahrzeuge». Laut «Leipziger Volkszeitung» soll das Kanzleramt vor dem Angriff ein schärferes Vorgehen der Bundeswehr gebilligt haben.

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