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  • Analyse: Teheran unbeeindruckt von Kritik

    Teheran (dpa). Die Münchner Sicherheitskonferenz und ihre Kritik am Iran haben die Machthaber in Teheran nicht sonderlich beeindruckt.

    «Keine Spielchen», sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag in Richtung Westen, einen Tag nachdem sein Außenminister Manuchehr Mottaki in München die Hoffnungen der Weltgemeinschaft auf einen baldigen Ausweg aus dem jahrelangen Atomstreit enttäuscht hatte.

    Teheran sei zwar immer noch an einer Zusammenarbeit mit der Weltgemeinschaft interessiert. Aber längst nicht um jeden Preis. Falls es nicht zu einer Einigung kommen sollte, stellt der Iran das hochangereicherte Uran für seinen medizinischen Forschungsreaktor mit einem Anteil des spaltbaren Isotops U 235 von 20 Prozent halt selbst her. «Fangen Sie damit an», forderte Ahmadinedschad den Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, am Sonntag demonstrativ in aller Öffentlichkeit auf.

    Damit der Westen auch ja richtig hinhöre, lieferte er gleich noch eine «gute Neuigkeit» nach: Der Iran verfüge inzwischen bei der Anreicherung auch über Lasertechnologie, zusätzlich zu den bisher üblichen Gaszentrifugen. Ganz offensichtlich ein weiterer Propaganda- Akt: Isotopentrennung mittels Laser gilt zwar als deutlich billiger und damit leistungsfähiger als das übliche Zentrifugenverfahren. Die technische Machbarkeit ist aber umstritten, weshalb die meisten Nationen die Technologie schon wieder weitgehend auf Eis gelegt haben.

    Ahmadinedschad hatte vergangene Woche noch verkündet, dass der Iran bereit sei, auf einen Deal mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eingehen zu wollen. Er habe «keine Probleme» damit, sein niedrig angereichertes Uran (3,5 Prozent Anteil U 235) in Russland und Frankreich auf 20 Prozent bringen zu lassen, um es schließlich als Brennstoff für den medizinischen Reaktor in Teheran zu verwenden.

    Doch der Teufel steckt auch hier im Detail. Es geht vor allem um die Menge des auszutauschenden Urans, um den Übergabeort und die Länge des Zeitraums zwischen Lieferung und Rücklieferung. Die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz in München hatten kritisiert, dass Mottaki von der altbekannten iranischen Position nicht abgerückt ist. Außerdem sollte Teheran Beweise dafür auf den Tisch legen, dass der Iran die Kernenergie nur friedlich nutzen will. Der Iran selbst beruft sich stets darauf, dass er die Regelungen des Atomwaffensperrvertrages strikt einhält.

    «In München wurde wohl, zumindest den Berichten nach, etwas missverstanden», sagte ein Nuklearexperte in Teheran. Es sei nie die Rede davon gewesen, dass der Iran nun sein Uran nur noch im Ausland anreichern lassen will. Es gehe beim Deal mit der Internationalen Atomenergiebehörde lediglich darum, Brennstoff für den Forschungsreaktor in Teheran zu erhalten. Grundsätzlich aber soll die Uranreicherung für die Energiegewinnung aus Teheraner Sicht intensiv weitergeführt werden.

    Ahmadinedschad will dem Westen in dieser Frage deutlicher die Stirn bieten als sein Vorgänger Mohammed Chatami. Dieser sei in eine «Falle des Westens» getappt, als er die Einstellung der Urananreicherung in den Jahren 2000 bis 2005 befürwortet hatte. Trotzdem blieb die vom Iran als Gegenleistung erwartete internationale Anerkennung für die zivile Nutzung der Nukleartechnologie aus.

    Viele Beobachter im Iran glauben, dem Westen sei durchaus bewusst, dass der Iran als Mitglied der IAEA zwar das Recht auf die zivile Nutzung der Nukleartechnologie hat - wie es auch US-Präsident Barack Obama schon einmal formuliert hat. Aber wegen Ahmadinedschads kontroverser Außenpolitik, besonders gegenüber Israel, werde dieses Recht nie gewährt. «Fakt ist, dass der Iran technisch und diplomatisch machen kann, was er will - aber Ahmadinedschad und Atom sind einfach für den Westen ein Horrorszenario», sagte ein osteuropäischer Diplomat in Teheran. «Daher würde der Westen einem iranischen Atomprogramm mit eigener Urananreicherung nie zustimmen.»

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