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  • Analyse: Kumaritaschwilis Tod schockt Rodler

    Whistler (dpa). Nach dem schockierenden Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili herrschte gespenstische Stille an der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler. Sofort nach dem schrecklichen Sturz des 21-Jährigen wurde die Unterhaltungsmusik an der Strecke abgeschaltet.

    Kumaritaschwili verlor nach einem Fahrfehler in der «Thunderbird»-Kurve die Kontrolle über seinen Schlitten und wurde kurz nach der Ziellinie aus der Bahn katapultiert. Er prallte mit Hinterkopf und Rücken gegen einen 40 Zentimeter dicken Stahlträger der Bahnüberdachung. Rettungskräfte vor Ort begannen sofort mit Reanimierungsmaßnahmen. Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erlag Kumaritaschwili seinen Verletzungen. Es ist der erste Todesfall in der Geschichte der Winterspiele während eines Wettkampfs.

    Ob die Rodel-Entscheidung der Männer an diesem Wochenende wie geplant durchgeführt wird, war zunächst fraglich. «Das ist furchtbar», sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Mehr als ein Dutzend Stürze hatten sich im Training ereignet. Die mehrmaligen Warnungen von Josef Fendt, dem Präsidenten des Rodel-Weltverbandes, im Vorfeld der Spiele, die Bahn sei viel zu schnell und gefährlich, blieben ungehört. «Das ist ein fürchterlicher Unfall. Unsere Gedanken gelten der gesamten Rodelfamilie und denjenigen, die von diesem Unfall betroffen sind», meinte Fendt. Das georgische Team erwog als Reaktion auf die Tragödie eine sofortige Heimreise.  

    Der an der Bahn befindliche dreimalige Olympiasieger Georg Hackl reagierte noch vor der Todesnachricht als Augenzeuge des Unfalls fassungslos. «Ich bin schockiert. Das ist schwer zu verarbeiten», sagte der Nachwuchs-Coach sichtlich bewegt. Wenige Minuten vor dem Unfall war auch Top-Favorit Armin Zöggeler im Abschlusstraining gestürzt. Schon am Donnerstagabend war es im Whistler Sliding Centre zu einem schweren Sturz gekommen. Dabei verlor die Rumänin Violeta Stramaturaru das Bewusstsein und musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung behandelt werden.

    Die deutsche Rodler, die unmittelbar nach dem Georgier ihre Abschlussläufe absolvieren sollten, packten nach dem Unfall ihre Sachen und reisten von der Bahn ab. «Ich spreche der georgischen Mannschaft mein tiefes Beileid aus. Ich habe das Training am Fernsehen verfolgt, es war ein Fahrfehler mit fatalem Ausgang. Er ist viel zu hoch aus der Kurve 16 rausgefahren, dann gegen die rechte Bande gedonnert und von dieser nach oben rausgeschleudert worden», sagte Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD).

    Mit Tränen in den Augen kamen die Mannschaftsführer nach Bekanntwerden des Todes aus der Krisen-Sitzung. «Es war sehr still und sehr schwierig für jeden», sagte US-Trainer Fred Zimney. Der Cheftrainer des deutschen Bob- und Skeleton-Teams, Raimund Bethge, der 2005 in der Olympia-Bahn von Cesana von einem Bob angefahren und schwer verletzt wurde, prangerte nach dem Unfall erneut die Tendenz zu immer schneller werdenden Bahnen an. «Das ist der Ober-GAU. Alle Fachleute, die von Anfang an mit der Bahn zu tun hatten, haben vor der Geschwindigkeit gewarnt».

    Es war der erste Todesfall in der Geschichte der Winterspiele während eines Wettkampfs. 1992 in Albertville war bei der Demonstrationssportart Geschwindigkeitsskifahren der Schweizer Nicholas Bochatay ums Leben gekommen. 1964 in Innsbruck war der britische Rodler Kazimierz Skrzypezki zwei Wochen vor Beginn der Spiele im Training tödlich verunglückt.

    Sämtliche Diskussionen um das Schmuddelwetter und die Jagd auf Zöggeler wurden blitzartig Nebensache. Die deutschen Rodel-Asse hofften auf schlechte äußere Bedingungen. «Wenn es so bleibt, ist es deutsches Wetter», erklärte der zweimalige Weltmeister Felix Loch, «ich bin gut drauf und mein Schlitten auch. Die Konkurrenz weiß, dass ich hier gut rodeln kann», sagte der erst 20 Jahre alte Mitfavorit.

    Vier Jahre nach dem schwachen Auftritt bei Olympia 2006 will das Männer-Trio Loch, David Möller und Andi Langenhan zurück in die Medaillenränge und im Idealfall den Gold-Hattrick Zöggelers nach dessen Olympiasiegen 2002 und 2006 verhindern. Wie das gehen könnte, bewies im Training vor allem Senkrechtstarter Loch. Nach schwachem Auftakt steigerte sich der Weltmeister von 2008 und 2009 und kam immer besser mit der Bahn zurecht. «Wenn man an den richtigen Schräubchen dreht, läuft der Schlitten gleich ganz anders», freute sich Loch, der nun auch im Rennen auf Plus-Grade setzt.

    Lochs größtes Plus ist seine Nervenstärke: Schon bei seinen WM-Siegen hatte Loch dank seiner Unbekümmertheit Routinier Zöggeler in die Schranken verwiesen. «Bis jetzt habe ich mit Druck von außen noch nie Probleme gehabt», gab sich der 20-Jährige, der in diesem Winter endlich seinen ersten Weltcup-Sieg feiern konnte, auch für das Großereignis zuversichtlich.

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