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  • Analyse: Klimagipfel schleppt sich mühsam zum Ziel

    Kopenhagen (dpa). Total enttäuschte Klimaschützer, ein ungeduldig abreisebereite Kollegen jagender Barack Obama und am Ende ein Kollaps des heillos überforderten dänischen Konferenzpräsidenten.

    Der Kopenhagener Klimagipfel ist am Samstag nach rund zwei Wochen mit einer fast einhellig als enttäuschend eingestuften Vereinbarung nur mühsam und am Ende kräftig hinkend ins Ziel gekommen.

    In der letzten Nacht schafften es die dänischen Gastgeber noch nicht einmal, die am Vorabend von Weltspitzenpolitikern hastig zusammen gezimmerte Kompromissvereinbarung durch die Schlussabstimmung zu bringen. Sie wurde schließlich von den 193 Teilnehmerstaaten nur «zur Kenntnis genommen».

    Symptomatisch für den am Ende chaotischen Verlauf nach anderthalb Wochen Leerlauf war auch, was aus der Umgebung von US-Präsident Obama zu hören war: Der erst am letzten Tag eingeflogene Mann aus dem Weißen Haus war am Ende von ergebnislosen Sondierungen so genervt, dass er seinen Stab unter Umgehung aller Protokollregeln darauf ansetzte, die Vertreter der wichtigsten Schwellenländer Brasilien, Indien und Südafrika zu einem letzten Einigungstreffen zusammenzutrommeln: «Los, wir müssen mit jetzt mit diesen drei Jungs sprechen.» Die «Jungs» waren Präsident Lula da Silva aus Brasilien und Jacob Zuma aus Südafrika sowie der indische Premier Manmohan Singh. Singh war eigentlich schon am Flugplatz und kam noch mal zurück.

    Vor allem Obamas Begegnungen mit dem chinesischen Regierungschef Wen Jiabao aber brachten dann den Durchbruch für das, was als Minimalkonsens den wohlklingenden Namen «Copenhagen Accord» (Kopenhagener Vereinbarung) bekam. Obamas vorher eher matte Rede ohne Ankündigung weitergehender Klimaschritte durch die USA, die mit China die wichtigsten Sünder bei den Treibhausgasen sind, fügte sich in den enttäuschenden Gesamtverlauf des Kopenhagener Treffens. Auch Kanzlerin Angela Merkel konnte am Ende ihre Enttäuschung nur mühsam überspielen: «Wir sind einen Schritt vorangekommen, ich hätte mir aber mehr Schritte gewünscht.»

    Zum unfreiwilligen Symbol für die Kopenhagener Enttäuschung wurde der dänische Gastgeber Lars Løkke Rasmussen. Als schlecht vorbereiteter Konferenzpräsident brachte der Kopenhagener Regierungschef mit sarkastischen Bemerkungen und kaum verhohlener Arroganz immer wieder Delegierte aus den Entwicklungsländern gegen sich auf. Das kostete die Konferenz endlose Verfahrensdebatten und zwei wertvolle Tage vor der entscheidenden Phase mit 120 eingeflogenen Staats- und Regierungschefs. Als die eintrafen, gab es noch nicht einmal einen aktuellen Vertragsentwurf, für den die Dänen zuständig gewesen wären.

    «Nie zuvor habe ich eine so schlecht vorbereitete Konferenz erlebt», tobten exakt wortgleich die Sprecher so unterschiedlicher Staaten wie Russland und Saudi-Arabien. Rasmussen setzte seinem völlig missglückten Werk die Krone auf, als er in der Nacht nach der Abreise der Weltspitzenpolitiker nicht in der Lage war, ein Verfahren für die Schlussabstimmung vorzuschlagen. Er gab die Konferenzleitung entnervt ab.

    Großbritanniens Umweltminister Ed Miliband musste dem mit glasigen Augen handlungsunfähig im Präsidium sitzenden Rasmussen mit einem spontanen Vorschlag vor dem endgültigen K.o. retten. Da hatte der Däne nach dem Debattenmarathon der «Nein»-Sager zum Kompromiss mit Inselstaaten wie Tuvalu und Venezuela, dem Sudan, Bolivien und Nicaragua komplett den Überblick verloren. Mit tonloser Stimme verkündete er, die Vereinbarung könne «nicht angenommen werden», als die Sache noch gar nicht gelaufen war. Das wäre das endgültige Scheitern des Gipfels gewesen. Sechs Stunden vorher hatte Rasmussen die Annahme verkündet und musste auch das wieder zurücknehmen, weil mehrere der 193 Staaten sofort Protest einlegten.

    Die allgemeine Verblüffung über so viel Inkompetenz dürfte schneller wieder vergessen sein als das dünne Ergebnis der Konferenz. «Eine Katastrophe für die Ärmsten der Welt», meinte die Umweltorganisation «Friends of the Earth». «Wie soll ich das hier in Kopenhagen meinen Enkeln erklären, und die wieder ihren Kindern?» sagte resigniert und nach der Mammutkonferenz auch übermüdet Amjad Abdulla, der Chefdelegierte von den Malediven. Der Inselstaat im Indischen Ozean wird durch die globale Erwärmung und den Anstieg des Meeresspiegels vom Untergang bedroht. Abdulla verkündete aber auch, dass sich die Malediven dem Klimakompromiss wegen der damit verbundenen Finanzhilfen anschließen wollen.

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