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  • Konzert im Circus Maximus: Jupiter Jones suchen ihren Weg

    Koblenz. Schweißgebadet und freudestrahlend klopft sich Sven Lauer mit der Faust auf die Brust, seine glasigen Augen erfassen die Gesichter im Publikum, sein Mund formt den Satz: "Ich spreche für alle, wenn ich sage, dass das ein wunderschöner Abend war." Die Rede ist von ihrem Konzert im Circus Maximus.

    Jupiter Jones gastieren im Circus Maximus mit neuem Sänger Sven Lauer: Nach verhaltenem Auftakt holt der alles aus sich heraus.
    Jupiter Jones gastieren im Circus Maximus mit neuem Sänger Sven Lauer: Nach verhaltenem Auftakt holt der alles aus sich heraus.

    Von unserer Reporterin Melanie Schröder

    Und recht hat er. Nach einem holprigen, etwas unterkühlten Start haben Jupiter Jones das Ruder im Circus Maximus herumgerissen und den Fans am Montagabend ihren musikalischen Stempel auf die Seele gedrückt. Und zwar so, dass am Ende ihres Tourkonzerts "Brüllende Fahnen" die Atmosphäre irgendwo zwischen hitzig und beschwipst anzusiedeln ist, aufgeheizt und angeheitert von so viel handgemachtem Herzblut, das die fünfköpfige Gruppe aus der Eifel ehrlich auf der Bühne lebt.

    Zurückhaltender Auftakt

    Jupiter Jones starten ohne viel Brimborium, ohne direkte Ansprache mit dem alten Kracher "Hey! Menetekel". "Kennt ihr das? Könnt ihr das hören?", ruft Lauer dem Publikum entgegen, das sich zusammengequetscht im Halbdunkel drängt und vereinzelt einstimmt. Etwas verhalten wiegt Lauer seinen Mikrofonständer vor und zurück und lässt das Publikum wenig später und ernsthaft aus der Puste wissen, dass ihm eine Grippe zusetzt. Das erklärt die müde wirkenden ersten Minuten und scheint den restlichen Verlauf des Abends bereits vorzuzeichnen.

    Doch als hätte sich Lauer nur vorab das Okay des Publikums für eine mäßige Performance holen wollen, dreht er ab diesem Punkt zunehmend auf. Gibt bei "Rennen + Stolpern" am Schellenring à la Jim Morrison den Einpeitscher für den Rest der Band, springt zum Ohrwurm "Wir sind ja schließlich nicht Metallica" auf einen Boxenturm, um seinen Gesang auf das Publikum regnen zu lassen, und zeigt mit großen Kinderaugen beim lauten Fanchor seine Gänsehaut am Arm.

    All diese großen Rockgesten ziehen und laden den Abend emotional auf. Doch es sind vor allem die alten Hits, die im Circus die Herzen des Publikums erreichen - sei es "Immer für immer" oder "Auf das Leben", einen der allerersten Songs der Gruppe überhaupt, der noch von einem ganz anderen geschrieben wurde: Nicholas Müller.

    Zum ersten Mal spielen Jupiter Jones in Koblenz, seit sie ihren einst so markanten Frontmann mit der Reibeisenstimme voller Wärme verloren haben. 2014 ist Müller aufgrund von Angststörungen aus der Band ausgestiegen, mit Lauer, dem engen Vertrauten und Freund aus Kindertagen, schrieben Jupiter Jones ihre Erfolg versprechende Geschichte fort, die im Jahr 2011 mit dem Radiohit "Still" einen Höhepunkt erreichte.

    Von Neuem beweisen

    Seit der Weiterentwicklung mit Lauer geht die Band gefühlt einen Schritt vor und zwei zurück. Zum einen sind da viele Auftritte in Klubs und auf Festivals, auch das neue Album "Brüllende Fahnen" ist im Frühjahr erschienen; zum anderen ist da eine große alte Fangemeinde, die den Sängerwechsel nicht unbedingt geschlossen feiert und auch beim neuen Sound nicht uneingeschränkt mitgeht. Sehr reduziert, weniger opulent kommen die Arrangements von Sascha Eigner, dem musikalischen Kopf und Gitarristen der Gruppe daher.

    Sein von Tremolo durchtränkter Vintagesound ist retro und gleichzeitig modern, ist frech und kantig, wird weniger von Melancholie und Poesie getragen. Zum Versenken aber taugt er trotzdem. Mit geschlossenen Augen wippt Eigner auf der Bühne hin und her, fällt fernab des Mikrofons in den Gesang ein und durchlebt die Songs auf seine Weise. Genauso wie Schlagzeuger Marco Hontheim, der mit einem Dauergrinsen und ganz in seinem Element die Drums bearbeitet, oder Bassist Andreas Becker, der stoisch und tiefenentspannt von Saite zu Saite wechselt.

    Dass es nicht allzu leicht wird, die Bandgeschichte mit Lauer einfach weiterzuspinnen, wird an einem Punkt des Abends besonders deutlich: Lauer fragt, wer das neue Musikvideo zu "Intrigen Intrigen" schon gesehen hat. Keinerlei Regung im Publikum und Lauer pariert dies charmant. Aber auch bei anderen neuen Nummern wie "Paranoia", "Faustschlag" oder "Rückenwind - Gegenwind" bleibt das Publikum meist still und scheint zu fremdeln - ganz konträr zu anderen Schätzen im gewaltigen Songerbe, die die Fans herunterbeten.

    Genau an dieser Frage werden sich Jupiter Jones künftig messen lassen müssen: Schaffen sie es, ihre Geschichte fortzusetzen und das Gestern mit dem Heute zu vereinen? Eine schwere Aufgabe, an der sich eine Band durchaus abarbeiten kann. Jupiter Jones scheinen diesen Weg gehen zu wollen, Leidenschaft sollte weiterhin ihr Kompass sein.

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