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    KoblenzFreiraum kämpft für noch mehr Freiraum

    Mit dem Wunsch, ein bisschen mehr Platz für Kultur in Koblenz zu schaffen, gründete sich im August 2014 das Kollektiv Freiraum. Das Ziel hat der Verein immer noch vor Augen - und veranstaltet dafür am 4. März ein Solidaritätskonzert.

    Bei der Soliparty der Kulturinitiative Freiraum bringen Blümchenknicker einen Mix aus Gypsypop, Ska und Polka auf die Bühne. Mit Untrust Us (Foto) findet auch das Genre Indierock Platz, und am späten Abend heizt die DJ-Crew Zerton dem Publikum ein.
    Bei der Soliparty der Kulturinitiative Freiraum bringen Blümchenknicker einen Mix aus Gypsypop, Ska und Polka auf die Bühne. Mit Untrust Us (Foto) findet auch das Genre Indierock Platz, und am späten Abend heizt die DJ-Crew Zerton dem Publikum ein.
    Foto: Untrust

    Wir sprechen mit Freiraum-Vereinsmitglied Kevin Wilhelm über die ersten 18 Monate, die Zukunft der Initiative - und das Soli-Konzert am 4. März.

    Mit einem Solikonzert im November 2014 hat der Freiraum diese Initiative richtig ans Laufen gebracht, und nun gibt es eine zweite Auflage. Warum ist die Aktion jetzt nötig?

    Eigentlich sind verschiedene Dinge ausschlaggebend. Zum einen haben wir kontinuierliche Aufwendungen, zum Beispiel durch die Miete, die wir monatlich an den Jam-Club bezahlen, oder auch Veranstaltungen, die wir organisieren. Zum anderen belastet uns der Fakt, dass wir durch Gema-Nachzahlungen sehr in die Miese geraten sind.

    Oje, wie ist das denn passiert?

    Wir veranstalten ja unter anderem die Wohnzimmerkonzerte. Meistens sind das Unplugged-Konzerte von Singer-Songwritern, für die wir keinen Eintritt nehmen, sondern einen Hut für den Künstler rumgehen lassen. Im vergangenen Jahr wurde die Gema auf uns aufmerksam und stellte uns viele der Konzerte rückwirkend in Rechnung, weil wir diese nicht angemeldet hatten, denn uns war gar nicht bewusst gewesen, dass wir das hätten tun müssen. Es sind eben auch Musiker aufgetreten, die bei der Gema gemeldet sind beziehungsweise bei denen wir nicht ausschließen können, dass sie es nicht sind, und diese Aktion hat uns ein enormes Loch in die Kasse gerissen. Von dem fast vierstelligen Betrag müssen wir uns immer noch erholen.

    Was bedeutet das für die Zukunft der Wohnzimmerkonzerte?

    Leider ist es wohl so, dass wir entweder Künstler, die bei der Gema gemeldet sind, ablehnen müssen, oder aber wir versuchen, diese Musiker in den Räumen des Jam-Clubs auftreten zu lassen. Dann ist es aber so, dass wir schauen müssen, dass wir nicht nur einen Künstler zu Gast haben. Denn 20 oder 30 Leute, die ein Wohnzimmerkonzert voll machen, gehen im Jam-Club natürlich verloren. Das würde sich nicht lohnen, sodass wir schauen müssen, wie wir das organisieren.

    Das heißt also, entweder schränkt sich der Freiraum bei der Künstlerauswahl ein, oder aber der Charme der intimen Wohnzimmer-Atmosphäre geht verloren?

    Ja und Nein. Wir können daher nicht mehr jedem Künstler die Möglichkeit geben aufzutreten, was schade ist. Aber die Wohnzimmer-Atmosphäre geht nicht verloren: Wir packen Sofas und Kerzen dann einfach in den Jam-Club, um es dort richtig gemütlich zu machen. Außerdem entstehen so tolle Band-Kombinationen. Denn der Hintergedanke von Freiraum ist ja unter anderem immer gewesen, dass wir Musikern, die nicht im Mainstream verhaftet sind, eine Bühne bieten wollen. Und vor allem auch den Koblenzern die Möglichkeit zu geben, Künstler zu sehen, die nicht von hier kommen. Durch den kommerziellen Ansatz der Gema, der ja natürlich auch im Sinne vieler Künstler ist und deren Interessen vertritt, wird unser kulturelles Angebot eingeschränkt. Es ist ein bisschen paradox, dass diese Gesellschaft, die sich den Schutz des künstlerischen Eigentums auf die Fahnen schreibt, gleichzeitig die kulturelle Entfaltung wie die des Freiraums behindert.

    Umso wichtiger also, dass die Soliparty ein Erfolg wird. Wie sieht denn das Programm aktuell aus?

    Wir haben zwei Bands eingeladen, die bei uns spielen werden. Das sind zum einen Untrust Us aus Koblenz und zum anderen Blümchenknicker aus Bonn. Zudem legt die DJ-Crew Zerton auf. Wir haben sie gebeten, vor allem Elektroswing und Balkanbeats zu spielen. Beide Stilrichtungen sind in Koblenz nicht so häufig zu hören. Hinzu kommt auch, wie bei der ersten Soliparty, eine Kreativecke, in der man sich austoben kann. Außerdem gibt es noch eine Tombola, bei der man tolle Preise für Koblenzer Lokalitäten gewinnen kann.

    Wofür benötigt ihr das Geld?

    In erster Linie brauchen wir das Geld, um unsere Räume weiter zu bezahlen, und hoffentlich nicht für weitere Gema-Fälle (lacht). Dann kommen Kleinigkeiten dazu. Wenn Bands bei uns übernachten, kochen wir auch für diese oder wir gehen bei Getränken in Vorleistung. Das Angebot nutzen ja auch Vereine, die bei uns Treffen veranstalten, wie zum Beispiel die Amnesty-International-Gruppe der Uni Koblenz oder die Ortsgruppe von Greenpeace. Außerdem bieten wir ja möglichst alle Aktionen und Veranstaltungen im Freiraum kostenlos an. Auch die Getränke gibt es dann gegen Spende, um für jeden den Zugang zu Kultur zu ermöglichen. Deswegen sind wir regelmäßig auf Förderungen und engagierte Menschen angewiesen.

    Kannst du eine Zwischenbilanz nach eineinhalb Jahren Freiraum ziehen? Was ist aus der Idee, mit der ihr angetreten seid, geworden?

    Ich würde die Entwicklung als sehr erfolgreich beschreiben. Wenn man bedenkt, wie klein unser Team ist - wir haben etwa sechs feste Organisatoren -, haben wir uns doch gut in die Thematik Veranstaltungsmanagement eingearbeitet und mit viel Engagement und neuen Ideen Freiraum für Kunst, Kultur, Bildung und Nachhaltigkeit geschaffen. Man kennt uns mittlerweile auch in der überregionalen Musikszene. Wir bekommen viele Anfragen von Künstlern. Und auch abseits der Konzerte haben wir viele Projekte. Dazu zählt, dass wir Initiativen wie Nichtregierungsorganisationen, aber auch Theatergruppen oder Lesezirkeln Platz verschafft haben. Trotzdem ist der Traum von mehr Freiraum in Form eines Gebäudes mit Außengelände, um die vielfältigen Nutzungsideen der Ursprungsvision realisieren zu können, noch lange nicht ausgeträumt.

    Seid ihr mit der öffentlichen Wahrnehmung des Freiraums zufrieden?

    Es ist bestimmt noch Luft nach oben. Bis junge Kulturinitiativen von möglichst vielen wahrgenommen werden, braucht es vor allem Zeit. Aber Aktionen wie zum Beispiel unsere Bühne bei Rhein in Flammen zeigen, dass wir durchaus im Koblenzer Kulturleben wahrgenommen werden und auch angekommen sind. Und die Soliparty ist letztlich auch mit dem Wunsch verbunden, wieder viele Leute zu erreichen, die uns vielleicht noch nicht kennen.

    Das Gespräch führte Melanie Schröder

    Soliparty am 4. März im Freiraum, Moselring 2-4. Weitere Informationen gibt es online unter www.freiraumkoblenz.de

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