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    BerlinDebütalben: Schulte, Buskohl und Sturm

    Abgesänge gab es schon viele, aber es scheint ganz so, als könne 2012 tatsächlich das Jahr der deutschen Popmusik werden. Vor kurzem erst belegten deutsche Interpreten die ersten sieben Ränge der Album-Charts - darunter Philipp Poisel, Madsen und Cro. Man sprach bereits von einer «Neuen deutschen Welle».

    Michael Schulte
    Michael Schulte legt sein Debüt vor.
    Foto: Very Us Records - DPA

    Solch einen großen Namen wie die Chartstürmer haben Michael Schulte, Max Buskohl und Nicolas Sturm noch nicht. Mit ihren Debütalbum lassen die drei aber schon mal aufhorchen.

    Max Buskohl
    Max Buskohl hat einen längeren Weg hinter sich.
    Foto: Erik Weiss - DPA

    Gewonnen hat er zwar nicht, aber bei der Castingshow «The Voice of Germany» hinterließ Michael Schulte dennoch einen bleibenden Eindruck. Vor allem der Song «Carry Me Home» dürfte noch vielen in den Ohren klingen. Jetzt legt der Newcomer mit «Wide Awake» (VÖ: 28.09.) sein erstes Album vor.

    Nicolas Sturm
    Träger des Panikpreises: Nicolas Sturm.
    Foto: Pias - DPA

    Michael Schulte hatte schon vor der Show eine «Karriere» - eine YouTube-Karriere. Jahrelang stellte er Coversongs, die er daheim auf dem Dachboden in Dollerup produzierte, online. Auf YouTube entdeckte ihn schließlich Rea Garvey, der bei «The Voice» auch sein Coach wurde. Die beiden gingen danach auch gemeinsam auf Tournee.

    Vor allem mit seinem ruhigen und gefühlvollen Song «Carry Me Home» wusste Schulte zu punkten: «Er passt genau zu meinem Stil», sagte der Rotschopf in einem Interview mit «SHZ.de». Mutig, dass er genau dieses Lied auf «Wide Awake» weglassen hat, aber er hat genug andere eigene Songs, in denen er seine gefühlvolle Seite auslebt.

    Den internationalen Vergleich braucht Schulte mit seinen englischsprachigen Pop-Songs nicht zu scheuen. Das wachsende Selbstbewusstsein, das er während «The Voice of Germany» von Liveauftritt zu Liveauftritt gewann, kommt seinem Debüt hörbar zugute, das zwar allgemein auf das Herz zielt, dabei aber ziemlich abwechslungsreich geraten ist. Er hat britisch geprägten Indie-Pop («Run Away») genauso im Programm wie großen Pathos-Pop - in «Army Of Hope» zeigt Schulte dann auch, was er alles mit seiner Stimme machen kann. Und zum Tränchenverdrücken bietet sich der Schmachtfetzen «Heard You Crying» an.

    Dabei hält der Junge mit der Gitarre nicht stoisch an seinem Instrument fest. «You Said You'd Would Grow Old With Me» ist eine wunderschöne Piano-Ballade geworden, die vor allem auch durch Schultes sehr modulationsfähige Stimme an Gewicht gewinnt. Und mit «Take Me As I Am» zieht er auch schon mal das Tempo an. Keine Frage, mit «Wide Awake» zeigt Michael Schulte (22), dass er auch auf eigenen Füßen stehen kann. «Das, was ich hier gemacht habe, möchte ich mein ganzes Leben lang machen», meint der Newcomer. Warum nicht?!

    Eine Casting-Vergangenheit hat auch der 23-jährige Berliner Max Buskohl, auch wenn die schon länger zurückliegt. Den «DSDS»-Rebellen hat man ihn damals genannt. 18 war der Musiker, als er bei «Deutschland sucht den Superstar» mitgemacht hat - und kurz vor Ende der Show einfach ausgestiegen ist, da er sich musikalisch auf eine Sackgasse zudriften sah - obwohl er gute Chancen auf den Sieg hatte. Sein Hauptaugenmerk galt damals aber eigentlich sowieso mehr seiner Band Empty Trash, die 2007 mit «Confession» ihr Debütalbum vorlegte.

    Die Band gibt es inzwischen nicht mehr - Max Buskohl ist geblieben. Ein konsequenter Typ, der die Zeit genutzt hat, sein Songwriting weiter zu entwickeln. «Sidewalk Conversation» heißt sein bereits erschienenes Solodebüt: «Endlich kann ich heute richtig machen, was ich damals falsch gemacht habe», meint Buskohl, der im Opener «Holding On» bei den ersten Takten zwar zunächst stark an die Indie-Pop-Band The Kooks erinnert. Aber der erste Eindruck verwischt sich schnell und der «Debütant» beginnt sich nach und nach bei seiner Zeitreise durch die Jahrzehnte der Rockgeschichte schnell freizuschwimmen. Die Stimme dazu hat der 23-Jährige, bei dem sich das «DSDS»-Etikett schnell ablösen dürfte.

    Michael Schulte ist eher der Romantiker, Max Buskohl mehr der erdige Rock-Sänger. Und Nicolas Sturm? Er ist mit 30 Jahren auf jeden Fall etwas älter als seine Kollegen - und er singt auch als einziger auf Deutsch. Dabei hat der gebürtige Stuttgarter Englisch studiert. Sein selbstbetiteltes Debüt, das vor allem auch zusammen mit Sturms langjährigem Kompagnon, dem Schlagzeuger Jeremy Dhôme, entstand, kam bereits im August heraus.

    Nicolas Sturm hat einige prominente Fans. Peter Handke zum Beispiel, den man mit Popmusik bisher eher weniger in Verbindung gebracht hat. Der Schriftsteller ließ sich zu einer wahren Lobeshymne hinreißen: «Deutschsprachige Popmusik, die man hören kann, ohne dass sich einem der Wunsch aufdrängt, dem Sänger eine halbgare Kartoffel in den Mund zu stopfe», sagte er laut Mitteilung der Plattenfirma.

    Auch Udo Lindenberg hält große Stücke auf Sturm: Mit seinen Songs «Schiffbruch» und «Idealist» hatte Sturm im Juli den Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung gewonnen. Ein Ständchen mit Udo gab es obendrauf. Den Panikpreis gibt es für Künstler, die deutsche Lieder abseits des Mainstreams singen. Das passt.

    Beeindruckt dürfte Super-Udo auch von Sturms luschig-lässiger Stimme gewesen sein, auf die das Leben schon ein bisschen Patina gelegt hat. Auch wenn der Newcomer mit seinen eher rudimentär instrumentierten Pop-Rock-Songs zwischen Rio Reiser und Element of Crime reichlich Druck machen kann, so ist er doch im Grunde seines Herzens ein Singer-Songwriter, der zu seiner Gitarre balladenhafte Geschichten über die Liebe und das Leben erzählt und dabei immer wieder schöne Bilder findet («Sie bauen ein Hochhaus in meinem Hirn»).

    Michael Schulte

    Max Buskohl

    Nicolas Sturm

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