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    Winterreise der Wohnungslosen

    Mainz- Einblicke in die Welt wohnungsloser Menschen gibt das Projekt "Mainzer Winterreise". Initiator Stefan Weiller verknüpft Schuberts Liederzyklus mit den Erzählungen von Mainzer Obdachlosen. Die Veranstaltung is tam Sonntag, 13. Januar, 17 Uhr, in der Christukirche. Der Eintritt ist frei.

    Wohnungslosen Menschen eine Stimme geben: Stefan Weiller (links) hat die "Mainzer Winterreise" initiiert. Unterstützt wurde er von dem Arzt Gerhard Trabert und Gisela Bill (beide vom Verein Armut und Gesundheit). Das Projekt wird am Sonntag in der Christuskirche aufgeführt. Eintritt ist frei.
    Wohnungslosen Menschen eine Stimme geben: Stefan Weiller (links) hat die "Mainzer Winterreise" initiiert. Unterstützt wurde er von dem Arzt Gerhard Trabert und Gisela Bill (beide vom Verein Armut und Gesundheit). Das Projekt wird am Sonntag in der Christuskirche aufgeführt. Eintritt ist frei.
    Foto: Harry Braun

    Mainz - Er hat sich Zeit genommen. Fast ein halbes Jahr ist Stefan Weiller immer wieder nach Mainz gefahren und hat Gespräche geführt. Oft hat er auch einfach nur zugehört - den Menschen, die sonst kaum jemand wahrnimmt, die ihren Platz in der Gesellschaft verloren haben, die auf der Straße, in Frauenhäusern oder sozialen Einrichtungen leben.

    Aus den Interviews mit wohnungslosen und sozial ausgegrenzten Menschen hat Stefan Weiller ein Kunstprojekt gemacht. Nicht um die Menschen bloß zu stellen, sondern um auf sie, die sonst unsichtbar sind, aufmerksam zu machen.

    Entstanden ist daraus die "Mainzer Winterreise", die am Sonntag, 13. Januar, 17 Uhr, in der Christuskirche aufgeführt wird. Der Name ist kein Zufall. Denn aufgeführt wird tatsächlich Franz Schuberts berühmter Liederzyklus von 1827. Die Kunstlieder Schuberts, die alle von dem Dichter Wilhelm Müller stammen, hat Weiller mit den Lebensgeschichten heutiger Menschen verknüpft. Die Erzählungen der Mainzer Obdachlosen werden von den Schauspielern Felix von Manteuffel und Cornelia-Claudia Goossens gelesen. Weiller hat es so arrangiert, dass die Mainzer Texte zu den vertonten Gedichten passen, im besten Fall mit ihnen in Dialog treten. Einsamkeit, Ausgrenzung, Heimatlosigkeit - die Themen des Liederzyklus sind auch die Themen vieler wohnungsloser Menschen, findet Weiller: "Diese Verbindung bietet sich nicht nur an, sie drängt sich auf."

    Weillers "Winterreise" ist mittlerweile ein bundesweites Kunstprojekt. Mehr als 250 Gespräche hat der gebürtige Frankfurter in den vergangenen Jahren geführt. In 14 Städten war er zu Gast, hat mit unterschiedlichen Schauspeilern zusammengearbeitet. Begonnen hat er vor knapp vier Jahren in Wiesbaden. Seine erste "Winterreise" dort war ein Erfolg. Noch am gleichen Abend, wurde er gefragt, ob er mit seinem Konzept auch nach Saarbrücken kommen könne. Dass die Resonanz beim Publikum so groß sein würde, damit hat Weiller, der von Haus aus Sozialpädagoge ist, nicht gerechnet. Mittlerweile kommen mehrere hundert Menschen zu den "Winterreisen" - oft sind auch wohnungslose Menschen darunter. "Ich hatte nie erwartet, dass dieses Projekt mal Kirchen füllen würde", sagt Weiller.

    Mehrere Monate führt Weiller Gespräche in den jeweiligen Städten. Das Projekt wird immer von einem Verein oder einer Initiative vor Ort betreut. In Mainz ist es der Verein Armut und Gesundheit, der auch die Kontakte zu den wohnungslosen Menschen hergestellt hat. Weiller: "Mir ist es wichtig, dass die Menschen die ich interviewe, sozialpädagogisch begleitet werden. Ich spreche nicht einfach Leute auf der Straße an", erklärt er. Die Texte sind so anonymisiert, dass niemand erkannt werden kann. Weiller hat auch keinen immer gleichen Fragekatalog, er stellt offene Fragen, lässt die Menschen erzählen. "In jeder Stadt entsteht ein eigenes Stück", sagt er. So sei etwa die Fastnacht überhaupt nur Thema in Mainz und Saarbrücken gewesen. Auch der Lokalpatriotismus sei in Mainz deutlich spürbar. "Dass sie Meenzer sind, das ist vielen wichtig, das haben meine Interviewpartner immer wieder betont", erzählt er. Es geht Weiller nicht darum mit dem Sozialstaat abzurechnen. Er will auch nicht die gängigen Klischees vom stinkenden Penner , sondern einen Blick in die Wirklichkeit von Menschen ermöglichen, die am sozialen Rand der Gesellschaft leben. Andrea Wagenknecht

    Hinweis: Die "Mainzer Winterreise" wird am Sonntag, 13. Januar, 17 Uhr, in der Christuskirche aufgeführt. Eintritt ist frei. Der Verein Armut und Gesundheit hat das Projekt mit organisiert: Spenden: Konto 191 90 18, bei der Mainzer Volksbank, BLZ 551 900 00.

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