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    WiesbadenWiesbaden: Verletzte muss eine Stunde auf Hilfe warten

    Auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt muss eine 63-Jährige mit gebrochenem Oberschenkel gut eine Stunde in Eiseskälte auf den Krankenwagen warten. "Es gab eine Verkettung von Missverständnissen", hieß es später von der Feuerwehr.

    Blaulicht
    Polizei
    Foto: DPA

    Wiesbaden - Sascha Stoltenow kann es nicht fassen: Gut eine Stunde musste seine Mutter, Dagmar Stoltenow (63), mit einem gebrochenen Oberschenkel auf einen Krankenwagen warten. Sie war mit ihrer Enkelin (2) auf einem Kinderkarussell des Sternschnuppenmarkts und stürzte unglücklich beim Absteigen.

    Zwei Helfer alarmierten den Notruf. Doch es kam niemand. Kein Notarzt, kein Krankenwagen. Wegen der Schmerzen verbrachte die 63-Jährige über eine Stunde kniend auf dem Weihnachtsmarkt, bei Eiseskälte.

    "Warum hat das so lange gedauert?", fragt sich ihr Sohn. Die Hilfsfrist betrage zehn Minuten. "Hätte sie sich bei ihrem Sturz Gefäße verletzt, hätte sie verbluten können", so der Wiesbadener. Zum Glück war es beim Bruch geblieben, heute ist die 63-Jährige in einer Reha-Klinik.

    Zehn Tage hat die Feuerwehr, bei der die über den Notruf 112 erreichbare Zentrale Leitstelle angesiedelt ist, gebraucht, um die verspätete Versorgung zu klären. "Es gab hier leider eine Verkettung von Missverständnissen", teilte Feuerwehr-Vizechef Harald Müller mit. Müller betonte, dass der Leitstellen-Anruf zu Recht nicht als "Notfalleinsatz mit Sonderrechten" eingestuft worden sei. Denn nach den Schilderungen des Anrufers habe keine Lebensgefahr bestanden. Also wurde auf Notarzt und Blaulicht verzichtet. Allerdings, so Müller, hätten die Sanitäter von der Rettungswache Mitte in der Bierstadter Straße 49 23 Minuten nach dem Notruf zur Stelle sein müssen. Dass dies nicht der Fall war, erklärt der Feuerwehr-Vizechef mit einer Verwechslung der Örtlichkeiten in der Leitstelle.

    Deren Mitarbeiter habe den Rettungsdienst zum "Eingang Marktkeller" beim Café Lumen geschickt. Als die Sanitäter dort keine Verletzte fanden, hätten sie auf Nachfrage bei der Leitstelle die Auskunft bekommen, dass es sich auch um den "Eingang Ratskeller" handeln könne. Dort wurden die Sanitäter abermals nicht fündig und brachen den Einsatz ab.

    Während dieser Zeit kniete Dagmar Stoltenow nur wenige Meter entfernt am Kinderkarussell auf dem Schlossplatz. Verwundert über das Ausbleiben eines Krankenwagens riefen ihre Helfer erneut bei der Zentralen Leitstelle an.

    Diesmal sei die Ortsbezeichnung "Schlossplatz Kinderkarussell" korrekt weitergeleitet worden, berichtet Müller weiter. Da der Krankenwagen sich bereits am Moltkering befand, habe er für die Rückfahrt durch den Feierabendverkehr weitere 17 Minuten gebraucht. Müller entschuldigte sich "in aller Form".

    Sascha und Dagmar Stoltenow haben die Entschuldigung akzeptiert. "Aber die Gründe für die verspätete Versorgung sind nicht transparent gemacht worden." Dass der Ersthelfer, ein Berufsfeuerwehrmann, eine unpräzise Angabe gemacht habe, "kann ich mir nicht vorstellen", sagt Stoltenow. Außerdem wundert er sich, warum die Leitstelle, nach dem die Sanitäter nachgefragt hatten, Vermutungen anstellte, statt beim Anrufer nachzufragen. Stoltenow fordert daher die Tonbandprotokolle.

    Auch wurmt es die Stoltenows, dass der 63-Jährigen eine Teilschuld zugeschoben werde, "weil sie mehrmals einen Notarzt abgelehnt habe". Das habe sie nur gemacht, um die verängstigte Enkelin nicht zu beunruhigen. Insgesamt bleibe ein "Nachgeschmack". Das Vertrauen in das Rettungssystem sei nicht wiederhergestellt. Auch wenn der Feuerwehr-Vizechef betont: "Ein solches Missverständnis ist bisher nicht aufgetreten." Gaby Buschlinger

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