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    MainzUneinigkeit über Zuständigkeit in Klinik: Patientin erlebt blaues Wunder

    Mit Schrecken erinnert sich die 73-jährige Mainzerin Christa B. an den Vormittag des 3. Dezembers. Sie spürt Blitze am linken Auge und Schlieren. Im Internet schaut sie nach, was dies bedeuten könnte: Netzhautablösung.

    Foto: mrz

    Von Armin Thomas

    Gleich um 8.30 Uhr ruft sie ihre Augenärztin in Wiesbaden an. Doch die Dame am Telefon teilt ihr mit, dass die Ärztin erst um 13 Uhr in der Praxis sei. Sie empfiehlt der 73-Jährigen, umgehend die Notaufnahme der Universitäts-Augenklinik in Mainz aufzusuchen.

    Damit beginnt für Christa B. ein schlimmes Erlebnis, das allerdings auch anderen Patienten in Mainz und Umgebung widerfahren kann. Denn Anfang 2012 hat der Bereitschaftsdienst der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken seine Türen geschlossen. Und Ende 2012 wurde zudem der von den niedergelassenen Ärzten getragene augenärztliche Bereitschafts- und Notdienst in Wiesbaden und dem Hochtaunuskreis abgeschafft. Folge: Die Patienten strömen nach Mainz zur Augenklinik der Universität.

    Um 9 Uhr trifft Christa B. am Aufnahmeschalter der Notaufnahme der Universitäts-Augenklinik ein. Sie will ihre Beschwerden schildern, wird aber von der Dame am Schalter sofort darauf hingewiesen, dass man sie hier nicht untersuchen werde, weil man überlastet sei. "Es ist alles voll", gibt die Frau am Schalter ihr zu verstehen. Doch Christa B. hat Angst um ihr Augenlicht. "Ich lasse mich nicht abwimmeln", sagt sie und wiederholt, dass es sich bei ihren Beschwerden durchaus um eine Netzhautablösung handeln kann. Die Frau am Schalter gibt nach: "Ich werde jetzt eine Oberärztin holen, sage Ihnen aber gleich, die wird sie auch wegschicken."

    Die Oberärztin kommt fünf oder zehn Minuten später. Christa B. schildert den Gesprächsverlauf so: "Sie gibt mir in einem sehr freundlichen, jedoch ganz bestimmten Ton zu verstehen, dass ich hier keine Chance zu einer Untersuchung habe. Sie habe ,Weisung von oben' und dürfe keine Notfälle aufnehmen. Das Einzugsgebiet erstrecke sich über Wiesbaden und Frankfurt."

    Christa B. gibt nicht auf und fragt: "Was wäre, wenn ich Privatpatientin wäre?" Dann könne sie in die fünfte Etage zur Notaufnahme für Privatpatienten gehen. Dort wird sie zuvorkommend aufgenommen und nach etwa einer halben Stunde untersucht. Die Diagnose lautet: keine Netzhautablösung.

    Prof. Norbert Pfeiffer, der Medizinische Vorstand der Universitätsmedizin "bedauert zutiefst, dass die Patientin in solcher Angst um ihr Augenlicht war und sich schlecht angenommen fühlte". Die Oberärztin habe richtig erkannt, dass es sich nicht um einen Notfall handelte, was durch die spätere Untersuchung ja auch bestätigt wurde. Die geschilderten Symptome waren auf eine Glaskörper-Abhebung zurückzuführen, ein meistens ungefährlicher Vorgang.

    In der Sache werde aber eine Problematik deutlich: die Zuständigkeit für die Behandlung ambulanter Notfallpatienten. "Für diese sind die Kassenärztlichen Vereinigungen, je nach Wohnort - in diesem Fall die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen - und damit die dort niedergelassenen Fachärzte zuständig und zwar Tag und Nacht! Die Erstuntersuchung hätte also tatsächlich durch einen niedergelassenen Augenarzt erfolgen müssen. Nur wenn dieser eine stationäre Einweisung als erforderlich erachtet, wird der Patient an die nächstgelegene Klinik verwiesen."

    Die Gespräche mit der KV Hessen über eine Wiedereinrichtung eines augenärztlichen Notdienstes in Hessen hätten "leider zu keinem Ergebnis geführt".

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