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    Turnverein integriert Kinder mit Handicaps

    Bodenheim/Nieder-Olm - Er ist mit über 1700 Mitgliedern einer der größten Turnvereine in Rheinhessen, er kooperiert mit Schulen und Vereinen, bietet eine eigene Ferienbetreuung vor Ort an und ist seit Mai 2011 sogar Arbeitgeber von sechs Integrationshelfern. Sie ermöglichen Kindern mit Handicap den Besuch einer Regelschule.

    Integrationshelferin Elke Steininger (rechts) und der geistig und körperlich behinderte Colin (vorne links) spielen mit den Klassenkameraden der IGS auf dem Schulhof. 
Foto: Harry Braun
    Integrationshelferin Elke Steininger (rechts) und der geistig und körperlich behinderte Colin (vorne links) spielen mit den Klassenkameraden der IGS auf dem Schulhof.
    Foto: Harry Braun

    Bodenheim/Nieder-Olm - Er ist mit über 1700 Mitgliedern einer der größten Turnvereine in Rheinhessen, er kooperiert mit Schulen und Vereinen, bietet eine eigene Ferienbetreuung vor Ort an und ist seit Mai 2011 sogar Arbeitgeber von sechs Integrationshelfern. Sie ermöglichen Kindern mit Handicap den Besuch einer Regelschule. Damit ist der TV Bodenheim einer der ersten Sportvereine in der Region, der sein Angebot vom reinen Sportbetrieb hin zum modernen Netzwerker und Dienstleister erweitert.

    Eine der sechs Integrationshelfer des Turnvereins ist Elke Steininger. Pünktlich zu Schulbeginn nimmt sie allmorgendlich den geistig und körperlich behinderten Colin in Empfang. Der Zwölfjährige besucht die sechste Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nieder-Olm.

    Die IGS ist Schwerpunktschule, in der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden. Integrationshelfer sind dort nichts Ungewöhnliches und gehören zum Alltag. "Colin macht alles mit, bloß mit reduziertem Lehrstoff, und ich helfe ihm dabei", erklärt Steininger ihre Tätigkeit. Ob in der Sporthalle, im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof: Sie weicht bis Schulschluss kaum von Colins Seite.

    Eine pädagogisch-therapeutische Ausbildung hat die 43-Jährige nicht, "aber jede Menge Erfahrung durch das Leben", lacht sie. Diese Lebenserfahrung teilt sie mit den fünf anderen etwa gleichaltrigen Integrationshelfern, die beim TV Bodenheim eine feste Anstellung gefunden haben - teils halbtags, teils ganztags.

    Mitten im Leben

    "Dass wir alle mitten im Leben stehen, ist unser großer Vorteil", erklärt Steininger. "Wir haben viel Geduld und begleiten unsere Kinder über viele Jahre hinweg. Das unterscheidet uns von den jungen Integrationshelfern, die oft nur ein Jahr lang bleiben. Wir sind eine feste Konstante und kämpfen, wenn nötig, auch für unsere Kinder." Und auch die Eltern sind froh, dass sich die Helfer so fürsorglich und beständig für ihre Schutzbefohlenen einsetzen. Zu Weihnachten etwa hat Steininger von Colins Eltern einen "riesigen Fresskorb" samt Karte bekommen. Darauf stand: "Es ist wie ein Sechser im Lotto, dass wir dich kennengelernt haben." Steininger sagt: "Das war eine tolle Anerkennung meiner Arbeit und motiviert mich."

    Weder Mitgliedsbeiträge noch Gelder von eventuellen Spendern werden durch die Integrationshelfer belastet, darauf legt TV-Vorsitzender Gerd Offer großen Wert: "Die Gehälter zahlt ausschließlich die Kreisverwaltung Mainz-Bingen wie für andere Integrationshelfer in anderen Einrichtungen auch."

    Strukturelles Neuland für TV

    Wie kommt es, dass sich der TV Bodenheim auf strukturelles Neuland begibt? Begonnen habe es damit, erzählt Offer, dass die örtliche Grundschule zur Ganztagsschule wurde. "Da standen unsere Hallen von 14 bis 16 Uhr auf einmal leer, die Kinder waren ja alle in der Schule", erinnert er sich. Das ist jetzt anders, denn jetzt ist der Turnverein mit Sport-AGs in den Schulalltag integriert und füllt auf diese Weise seine vormals verwaisten Hallen.

    Und die Integrationshelfer? "Na ja, das hat sich so mit der Zeit entwickelt. Man liest und hört ja immer wieder vom politischen Willen, behinderte Kinder in die Regelschulen zu integrieren. Warum sollen nicht auch wir unseren Anteil daran leisten? Das war unsere Überlegung", sagt Offer und ergänzt: "Als Sportverein muss man heute ein bisschen offener denken und Netzwerke knüpfen. Wir sind auf dem Weg zum Dienstleister", ist er sich sicher.

    Und schon nimmt die nächste Idee beim TV Bodenheim konkrete Gestalt an: Die Nachmittagsbetreuung. Damit losgehen soll es nach den Sommerferien.

    Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.tv1848bodenheim.de

    Antoinette Malkewitz

    Mainzer Rhein-Zeitung
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