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    Mainz/LimburgTod beim Zahnarzt: Bewährung für Mainzer Anästhesisten

    Dreieinhalb Jahre nach dem Tod eines Mädchens in einer Zahnarztpraxis hat ein Limburger Gericht zwei beteiligte Mediziner zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, einer von ihnen ist ein Anästhesist aus Mainz. Das zehnjährige Kind war im Oktober 2007 nach einer Zahnoperation unter Vollnarkose gestorben.

    Foto: obs/proDente e.V.

    Mainz/Limburg - Dreieinhalb Jahre nach dem Tod eines Mädchens in einer Zahnarztpraxis hat ein Limburger Gericht zwei beteiligte Mediziner zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, einer von ihnen ist ein Anästhesist aus Mainz. Das zehnjährige Kind war im Oktober 2007 nach einer Zahnoperation unter Vollnarkose gestorben.

    Das Schöffengericht am Amtsgericht verurteilte am Freitag den 59 Jahre alten Anästhesisten aus Mainz wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und einer Geldbuße von 20 000 Euro. Der 53 Jahre alte Zahnarzt erhielt ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. Außerdem muss er 20 000 Strafe und 30 000 Euro Wiedergutmachung an die Eltern zahlen.    

    "Sie haben ihre Sorgfaltspflicht verletzt und das Kind mit seiner Mutter nach der nicht beendeten Aufwachphase alleine gelassen", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Der Zahnarzt habe außerdem für seine krankenhausähnliche Behandlungsweise geworben, dies jedoch nicht eingehalten. "Wahrscheinlich stehen wirtschaftliche Interessen bei Ihnen mehr im Vordergrund als Ihre ärztlichen Verpflichtungen. Es müssen offenbar möglichst viele Operationen in der Praxis durchgezogen werden", sagte der Vorsitzende Richter an den angeklagten Zahnarzt gewandt.    

    Das Mädchen litt an einer seltenen Behinderung. Nach Auffassung des Gerichts haben die Angeklagten die Eltern nicht ausreichend über die damit verbundenen Risiken bei einer Operation aufgeklärt. 

    Das Hauptverschulden betreffe den Anästhesisten, der das schlafende Kind nach der OP in einen Aufwachraum verbracht, dort mit seiner Mutter allein gelassen und sich ebenso wie der Chirurg nicht mehr um seinen Zustand gekümmert habe. Der Richter sprach von einem „groben
    fahrlässigen Fehlverhalten am Rande des bedingten Vorsatzes“. Von der Mutter frühzeitig auf die Verschleimung des Kindes hingewiesen, habe der Anästhesist von einer beginnenden Infektion gesprochen. „In diesem Moment war Alarm gegeben und die Mutter hätte mit dem Kind nicht allein gelassen werden dürfen. Das Kind war völlig schutzlos preisgegeben“, machte der Richter deutlich.

    Das Mädchen war nach dem Eingriff noch ohne Bewusstsein in einem Ruheraum mit der Mutter alleine gelassen worden. Die Zehnjährige begann zu röcheln, plötzlich setzte ihr Atem aus. Den Ärzten gelang es zunächst, das Kind wiederzubeleben. Es starb jedoch sieben Tage später infolge eines Hirnödems in einer Kinderklinik.    

    Nach dem Behandlungsplan sei in der Praxis alle Dreiviertelstunde ein Patient narkotisiert worden. Der Richter unterstellte den Ärzten Profitstreben, entsprechend hoch fielen auch deren Umsätze aus.

    Er kritisierte auch die wiederholte Aussage des Zahnarztarztes, „Ich bin doch kein Arzt“, in dem er die Verantwortung für die Vollnarkose und die Überwachung an den Anästhesisten weitergab. „Der Zahnarzt ist der Veranstalter, der für seien Praxis wirbt. Die Patienten kommen doch zum Oralchirurgen und nicht zum Anästhesisten“, machte der Richter deutlich. Er stellte fest, dass vor der OP mit den Eltern kein Aufklärungsgespräch stattgefunden habe. „Wenn wir die Risiken gekannt hätten, dann hätten wir das nicht machen lassen“, hatten die Eltern gesagt.

    Dem Strafprozess war eine zivilrechtliche Auseinandersetzung vorausgegangen. Nach einem Vergleich im Mai 2010 zahlt die Haftpflichtversicherung des Anästhesisten 31 000 Euro an die Eltern. 

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