40.000
  • Startseite
  • » Körperspenden helfen Studenten auf die Sprünge
  • Aus unserem Archiv

    MainzKörperspenden helfen Studenten auf die Sprünge

    Zwischen 200 und 250 Anfragen von willigen Körperspendern gehen pro Jahr bei der Uniklinik ein. Körperspende bedeutet, dass Menschen verfügen, dass ihre Leiche an die Anatomie gebracht wird - zur Ausbildung des Nachwuchses.

    An menschlichen Schädelhälften verfolgen Medizinstudenten den Verlauf von Nervenbahnen. Das Archivbild zeigt den Sektionssaal der Frankfurter Uniklinik.
    An menschlichen Schädelhälften verfolgen Medizinstudenten den Verlauf von Nervenbahnen. Das Archivbild zeigt den Sektionssaal der Frankfurter Uniklinik.
    Foto: DPA

    Mainz - Zwischen 200 und 250 Anfragen von willigen Körperspendern gehen pro Jahr beim Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie ein.

    Körperspende bedeutet, dass Menschen vor ihrem Tod verfügen, dass ihre Leiche an die Uniklinik gebracht wird. Sie wird aufwendig präpariert und dient dann in speziellen Anatomiekursen dazu, Medizinstudenten den Aufbau des menschlichen Körpers praxisnah zu erklären.

    Direktor Erik Schulte hat in den vergangenen Jahren einen Anstieg registriert: Immer mehr Menschen möchten nach ihrem Tod ihre Leiche dem Institut überantworten. Geld bekommen die Freiwilligen nicht, aber die Klinik übernimmt bei Körperspendern alle Bestattungskosten und die Grabpflege für 20 Jahre. Einen Zusammenhang zur Tatsache, dass in Mainz immer mehr Menschen das Geld für Beerdigungen ausgeht und die Zahl der Sozialbestattungen steigt, sieht der Professor jedoch nicht.

    "Wir haben zu allen Spendern direkten Kontakt. Etwa ein Drittel von ihnen kommt ins Institut, weil sie noch Fragen haben. Rund 80 Prozent sagen, dass sie ihren Körper spenden möchten, weil ihnen selbst im Leben einmal sehr durch die Medizin geholfen wurde", berichtet Schulte, der seit 1992 in der Anatomie arbeitet. Es seien also eher hochherzige Motive, weil die Betreffenden wüssten, wie wichtig eine gute Ausbildung ist. "Sie haben das Bedürfnis, der Medizin etwas zurückzugeben."

    Bei weiteren zehn Prozent sind nach Schultes Schätzung Bekannte und Verwandte in der Medizin tätig und das Verständnis ebenfalls groß. Der Rest der Spendeanwärter ist allein im Leben. Sie möchten sichergehen, dass alles geregelt ist. "Ich kann das natürlich nicht überprüfen. Aber ich glaube, finanzielle Aspekte spielen bei sehr wenigen Körperspendern eine Rolle", sagt Schulte. Was letztlich auch immer die Gründe sind - die Anfragen übersteigen die Kapazität der Mainzer Uniklinik. Maximal 100 Anfragen können angenommen werden, der Großteil der Spender wird also abgelehnt.

    Wer sich für eine Spende interessiert, sollte sich einer Sache gewiss sein: Für Hinterbliebene ist die Situation nicht einfach. Die Präparierung des toten Körpers für die Kurse ist aufwendig und langwierig. Bis zur Beerdigung, die in der Regel auf dem Gräberfeld der Anatomie auf dem Mombacher Waldfriedhof stattfindet, können bis zu zwei Jahre ins Land gehen. Nach all der Zeit stehen die Menschen also plötzlich am Grab ihres Liebsten und die ganze Trauer beginnt von vorn: "Für manche bricht in diesem Moment alles wieder auf. Das ist eine große Last, als hätte es die Zeit dazwischen einfach nicht gegeben", weiß der Professor.

    Bei den Bestattungen sind ein Vertreter der Anatomie sowie ein Klinikseelsorger oder Laienprediger dabei. Die Studenten selbst kommen jedoch nicht. Zum einen aus Respekt vor dem Toten und seiner Familie, die zumeist gern unter sich bleiben will. Zum anderen aber auch, weil für den medizinischen Nachwuchs, der bereits unter Schweigepflicht steht, die Körperspender anonym bleiben sollen.

    Die Mitarbeiter des Instituts und die Studenten verabschieden sich dennoch auf ihre Art, wie Schulte erklärt. Nach den Anatomiekursen gibt es zweimal im Jahr ökumenische Trauergottesdienste zum Gedenken an die Toten. Alexandra Schröder

    So wird man Körperspender: Wer sich als Körperspender registrieren lassen möchte, muss mindestens 50 Jahre alt sein und seinen ständigen Wohnsitz in Rheinland-Pfalz haben. Interessierte schreiben an das Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie, zu Händen Bettina Wiechers-Schmied, Johann-Joachim-Becher-Weg 13, 55128 Mainz. Das Institut schickt dann eine sogenannte letztwillige Verfügung zu. Diese muss vollständig ausgefüllt und mit einer Einverständniserklärung sowie Originalen oder beglaubigten Kopien der Geburtsurkunde zurückgeschickt werden. Gegebenenfalls gilt das auch für Heiratsurkunde, Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des Ehepartners. Interessierte erhalten dann einen Körperspendeausweis, den sie immer bei sich tragen müssen. Über ihn kann das Institut im Todesfall schnell benachrichtigt werden. Das Institut empfiehlt, Angehörige über die Körperspendeverfügung zu informieren. Hinterbliebene sollten darauf vorbereitet sein, dass es bis zur Beerdigung eines Körperspenders zwei Jahre dauern kann. Weitere Infos gibt es im Institut und auf der Homepage. Auf www.unimedizin-mainz.de einfach das Stichwort Körperspende in der Suche eingeben.

    Stark übergewichtige Leichen machen Krematorien ProblemeWenn selbst für die Letzte Ruhe das Geld fehlt
    Lokal Z-Campus
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Wetter in Mainz und Region
    Samstag

    12°C - 22°C
    Sonntag

    12°C - 22°C
    Montag

    14°C - 24°C
    Dienstag

    15°C - 26°C
    Sporttabellen
    Radball

    Alle Sportarten, alle Ligen, alle Plätze im Überblick

    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach