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    MainzJeder zehnte Schüler zockt um Geld

    Zwei Drittel der Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren haben schon einmal um Geld gezockt, jeder zehnte macht das mindestens einmal pro Woche. Diese erschreckenden Zahlen liefert eine Studie der Mainzer Universitätsmedizin.

    Schleichend verliert der Spieler die Kontrolle, harmlose Unterhaltung wird zur Krankheit. Die Anzahl der Spielsüchtigen in Deutschland wächst. Die Regionalstelle Glückspielsucht in der evangelischen Beratungsstelle in Idar-Oberstein bietet Betroffenen kostenlose Hilfe.
    Schleichend verliert der Spieler die Kontrolle, harmlose Unterhaltung wird zur Krankheit. Die Anzahl der Spielsüchtigen in Deutschland wächst. Die Regionalstelle Glückspielsucht in der evangelischen Beratungsstelle in Idar-Oberstein bietet Betroffenen kostenlose Hilfe.
    Foto: picture alliance / dpa

    Mainz - Zahlen und Schicksale rund um die Sucht kennt Professor Manfred Beutel zur Genüge. Was aber die brandneue Studie seiner Klinik zur Glücksspielnutzung von Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz zu Tage brachte, alarmiert und erschreckt sogar den Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Mainzer Universitätsmedizin: Zwei Drittel der knapp 4000 befragten Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren haben schon einmal um Geld gezockt, jeder zehnte macht das mindestens einmal pro Woche.

    Fast sechs Prozent zeigen ein problematisches Glücksspielverhalten oder sind zumindest gefährdet. Nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern das Lebensglück ihrer ganzen Familien steht damit auf dem Spiel.

    Igor G. ist 15, als er zusammen mit Freunden 100 Euro am Spielautomaten gewinnt. Das findet er "geil". Fortan spielt er häufiger, vergisst dabei den Stress zu Hause und in der Berufsschule.

    Immer häufiger sitzt Igor am Automaten, denkt immer häufiger ans Zocken. Doch er spricht immer weniger darüber. Denn zunehmend verliert er - und immer höhere Beträge.

    Irgendwann reicht sein eigenes Geld nicht mehr. Getrieben von der Sucht, klaut Igor zunächst seiner Schwester die Scheckkarte. Irgendwann weiß er keinen anderen Weg mehr, um sich Geld zu beschaffen: Er plant einen Tankstellenüberfall.

    So oder ähnlich laufen viele Spielsucht-Karrieren von Jugendlichen ab, weiß Eva Duven, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychosomatik-Klinik und Hauptautorin der Studie. Laut dieser Erhebung spielen die Jugendlichen vor allem in Gaststätten, in Spielhallen und im Internet um Geld - weil sie auf Gewinne hoffen oder neugierig sind.

    Obwohl dies unter 18 Jahren offiziell verboten ist, zocken heute doppelt so viele Jugendliche an Geldspielautomaten wie vor acht Jahren - und zwar fast täglich.

    Um dies künftig zu erschweren, setzt Landesdrogenbeauftragter Ingo Brennberger außer auf den Glücksspielstaatsvertrag auf die Automatenindustrie. Noch schwieriger freilich dürften die virtuellen Glücksspielautomaten ("Slotmachines") oder Pokerspiele im Internet zu kontrollieren sein.

    "Wir wollen liebr bei Jugendlichen Prävention betreiben als später erwachsene Glücksspielsüchtige beraten", sagte Brennberger bei der Vorstellung der Studie, und verwies auf die 2008 gegründete Fachstelle bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung und 15 zusätzliche Berater.

    Ein spezielles Angebot hat die Ambulanz für Spielsucht der Mainzer Psychosomatikklinik gestrickt: 15 Mal treffen sich hier sieben bis acht Spielsüchtige zur Gruppentherapie, acht Einzelsitzungen kommen dazu. Bei 40 Prozent führt diese Verhaltenstherapie laut Duven dauerhaft zu einer deutlichen Verbesserung.

    Prävention jedoch müsse bereits im Kindesalter beginnen,hob Klinikleiter Beutel hervor: "Schon die Kleinsten werden angefüttert, wenn den Micky-Maus-Hefen Pokerkarten beiliegen.".

    Und der Vater kaufe seinem Sprössling im Lotto-Laden vielleicht gedankenlos ein Rubbellos. Die Suchtgefährdung gerade junger Leute werde dabei unterschätzt.

    Auch für einen besseren Schutz der Jugendlichen will Beutel nun die Ergebnisse der Studie in der breiten Öffentlichkeit bekannt machen.

    So wird die Broschüre an alle teilnehmenden Schulen und die "Regionalen Fachstellen Glücksspielsucht" verteilt, zudem steht sie im Internet bereit unter www.internetsucht-hilfe.de oder unter www.verhaltenssucht.de.

    Nähere Informationen zur Mainzer Ambulanz für Spielsucht unter ku-rz.de/spielsucht, oder montags bis freitags, 12 bis 16 Uhr unter Telefon 06131/17-6064.

    Eine bundesweite kostenlose Hotline zu Verhaltenssüchten ist montags bis freitags, 12 bis 17 Uhr geschaltet unter 0800/15 29 529.

    Brigitte Specht

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