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    KalkarHinter dem Knall steckte die Terrorabwehr

    Der Überschallknall am Mittwoch hat den Blick auf die weithin unbemerkte Terrorabwehr in der Luft gelenkt: Wann immer ein Fluglotse der Luftwaffe Verlust von Flugkontakt meldet, geht bei Kalkar eine rote Lampe an.

    Hinter dem Knall steckte die Terrorabwehr
    Wie Eurofighter (unten) ein ziviles Flugzeug (Learjet, oben) abdrängen können, wurde Bundesverteidigungsminister de Maizière (CDU) im Mai bei seinem Antrittsbesuch bei der Luftwaffe im Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage bei Rostock demonstriert.
    Foto: dpa

    Rheinland-Pfalz/Kalkar - Der laute Überschallknall, der die Menschen am Mittelrhein wie im Rhein-Main-Gebiet erschreckt hat, lenkt den Blick auf die ständig präsente, aber Gott sei Dank bislang weithin unbemerkte Terrorabwehr in der Luft: Wann immer ein deutscher Fluglotse der Luftwaffe „losscom“ (Verlust von Flugkontakt) meldet, geht im Nato-Gefechtsstand Paulsberg in der Nähe von Kalkar die rote Lampe an.

    Denn seit dem 11. September 2001 leben alle Nationen mit der Angst, dass ein ziviles Flugzeug plötzlich zur Bombe mutiert. Als Konsequenz der El-Kaida-Anschläge auf New York und Washington ist auch das nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum 2003 entstanden.

    40 Fälle pro Jahr über Deutschland

    Der Verlust eines Kontakts, sprich eine stumme Maschine, gilt immer als verdächtig. In der Regel steigen die deutschen Abfangjäger bis zu 40-mal im Jahr auf, weil ein Pilot aus Versehen die falsche Frequenz gewählt hat oder aus anderen Gründen ein Kontakt abgerissen ist. Die beiden deutschen Alarmrotten, im friesischen Wittmund und in Neuburg/Donau stationiert, sind rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in Alarmbereitschaft, sagt Hauptmann Eike Kraft in der Pressestelle der Luftwaffe in Wahn. „Sie sind mit zwei Maschinen in 15 Minuten in der Luft.“ Und möglichst 10 Minuten später neben der zivilen Maschine.

    Wenn die Piloten die Abfangjäger des Typs Eurofighter oder Phantom neben sich in der Luft sehen, „ist ihr erster Schreck: Du hast was falsch gemacht“, sagt der Flugkapitän und Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. „Das kommt zu oft, aber nicht sehr häufig vor.“ Wird der Einsatz nicht von einem spektakulären Überschallknall begleitet, bemerkt die Bevölkerung das Manöver auch kaum. Zumal sich der Einsatz bei drei Millionen Luftbewegungen im Jahr über Deutschland auch in Grenzen hält.

    Am Mittwoch sind belgische Abfänger aufgestiegen, als der Funkkontakt zu einem Jet der Oman Air abgerissen war. Im Nato-Raum ist es zudem üblich, dass die Abfangjäger auch über die Grenzen fliegen, um Sichtkontakt mit dem zivilen Piloten zu bekommen und sich zu vergewissern, dass die Maschine nicht in Not oder gar gekapert ist, sagt Kraft.

    Nationale Streitkräfte übernehmen die Kommandoführung im jeweiligen Luftraum. Beruhigend für Passagiere nach dem ersten Schreck, wenn ein Abfangjäger neben einer Boeing auftaucht: Wäre die Navigation in der Maschine ausgefallen, könnten die Militärjets sie zum nächsten Flugplatz geleiten, also „wie die Polizei auf der Autobahn vorausfahren“, erklärt Hauptmann Kraft.

    Handelt es sich aber einmal nicht um einen schnell geklärten Routinefall wie am Mittwoch, dann folgt Stufe zwei: Das nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum mit Lagezentrum Paulsberg wird eingeschaltet. Dort sind drei Ministerien vertreten: Verteidigung, Inneres und Verkehr. Die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung stellt das Kernelement. Die Militärjets können ein verdächtiges Flugzeug identifizieren, warnen, abdrängen oder zur Landung zwingen. Der Bundesverteidigungsminister hätte im schlimmsten Fall das letzte Wort.

    Die Rechtslage ist kompliziert

    Das Bundesverfassungsgericht hat zwar 2006 entschieden, dass das Grundgesetz den Abschuss eines von Terroristen gekaperten Flugzeugs verbietet. Gleichwohl beschäftigen komplizierte Rechtsfragen um die Luftsicherheit das höchste Gericht weiter. Rechtlich wie tatsächlich wäre also eine Entscheidung im Ernstfall schwierig.

    Der Knall vom Mittwoch wird noch von Irritationen begleitet. Während es in Belgien heißt, belgische F-16-Jets seien nur bis zur Grenze geflogen, bleibt die Luftwaffe dabei: „Es war keine deutsche Alarmrotte im Einsatz.“ Das ist auch die Informationslage der Deutschen Flugsicherung, wie es auf Anfrage unserer Zeitung heißt.

    Von unserer Redakteurin Ursula Samary

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