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    WiesbadenHessen führt 2013 islamischen Religionsunterricht ein

    Muslimische Schüler können wohl ab Schuljahr 2013/14 an islamischem Religionsunterricht teilnehmen. Das gilt zunächst für die Erstklässler an vermutlich 25 Schulen. Das Angebot soll ausgeweitet werden.

    Mit dem Islam soll sich ab übernächsten Schuljahr der Religionsunterricht befassen. 
Foto: dpa
    Mit dem Islam soll sich ab übernächsten Schuljahr der Religionsunterricht befassen.
    Foto: dpa - picture alliance / dpa

    Wiesbaden - Muslimische Schülerinnen und Schüler können voraussichtlich ab dem Schuljahr 2013/14 an islamischem Religionsunterricht teilnehmen.

    Das gilt jedoch nicht für alle, sondern zunächst für die Erstklässler an vermutlich 25 hessischen Grundschulen. Nach und nach soll das Angebot ausgeweitet werden. Diese Lösung haben Kultusministerin Nicola Beer und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (beide FDP) am Dienstag in Aussicht gestellt.

    Organisiert werden soll der Unterricht von den muslimischen Verbänden Ditib und Ahmadiyya. Der hessische Ditib-Chef Fuat Kurt sagte der Frankfurter Rundschau: "Das ist ein historischer Tag sowohl für die Landesregierung als auch für die Muslime."

    Der Vorsitzende der Ahmadiyya, Abdullah Wagishauser, betonte, das Angebot solle nicht nur für Mitglieder der beiden Organisationen gelten, sondern gerade für muslimische Kinder, die keiner Moscheegemeinde angehörten. Das verringere die Gefahr, dass sie "solchen Leuten wie einem Pierre Vogel auf den Leim gehen", sagte Wagishauser mit Blick auf den radikalen Islamisten Vogel.

    Die Minister machten den Beginn des Unterrichts davon abhängig, dass genügend Islamlehrer gefunden würden. Außerdem müssten Verbände ein akzeptables Curriculum vorlegen, also Vorgaben für den Lehrstoff.

    Beides scheint aber kein ernstes Problem darzustellen. So sagten die Verbände auf Anfrage, sie würden sich auf jenes Curriculum stützen, das am runden Tisch der Regierung ausgearbeitet wurde. Kultusministerin Beer teilte mit, dass eine Reihe von muslimischen Lehrkräften Interesse angemeldet habe, Islamunterricht zu erteilen. Sie lehrten heute häufig Ethik.

    Der Juraprofessor Gerhard Robbers, der die Voraussetzungen für den Unterricht im Auftrag der Landesregierung geprüft hatte, sagte: "Es gibt ein Recht auf Erteilung von Religionsunterricht von eingetragenen Religionsgemeinschaften." In seinem Gutachten, das er mit Beer und Hahn vorstellte, kam er zu dem Schluss, dass Ditib und Ahmadiyya die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen. So habe sich die aus einer staatlichen türkischen Organisation hervorgegangene Ditib auf eine Weise organisiert, "die Unabhängigkeit in gebotener Weise gewährleistet", sagte der Kirchenrechtler.

    Trotzdem reagierte die regierende CDU zurückhaltend. Man werde das Rechtsgutachten ebenso wie vorher erstellte islamwissenschaftliche Gutachten "sorgfältig prüfen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Holger Bellino. "Die mögliche Einführung des islamischen Religionsunterrichts an Hessens Schulen muss verfassungsgemäß und gut vorbereitet sein."

    Für Joachim Valentin, Islambeauftragter des katholischen Bistums Limburg, ist die Ankündigung eine "gute Nachricht". Sollte der Unterricht eingeführt werden, übernehme Hessen eine "Vorreiterrolle in der Bundesrepublik", denn bislang gibt es noch in keinem anderen Bundesland ordentlichen Islamunterricht. Allerdings seien noch einige Fragen offen, beispielsweise die der qualifizierten Lehrkräfte.

    Auch Frankfurts Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) betonte, die Qualifikation der Lehrenden müsse sichergestellt werden. "In der Lehrplangestaltung sind die staatlichen Bildungs- und Erziehungsziele zu beachten", sagte sie. Kirchenrechtler Robbers sagte sogar, es komme "eine nicht zu unterschätzende Aufgabe auf die Schulaufsicht zu". Sie solle kontrollieren, ob im Unterricht wirklich das geschehe, was im Curriculum stehe.

    Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erklärte, der Unterricht werde einiges in Bewegung bringen. "Endlich können Dialogprojekte organisiert werden." Die Kirche werde sie fördern und ihre Religionslehrer dafür qualifizieren.  Pitt von Bebenburg und Katharina Sperber

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