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    MainzBürgerlich werden oder sterben

    Sieben Freunde am Ende ihres Studiums: Ihnen könnte die Welt zur Füße liegen, doch die Freiheit ist ihnen eine Bürde geworden. "Entweder man wird bürgerlich oder man begeht Selbstmord", sagt die schöne Desiree. Redundant wird dieser Satz eineinhalb Stunden in allen Facetten aufgegriffen und kann als Motto eines trostlosen Stückes stehen, das zwar vielversprechend beginnt, aber seine Längen hat.

    Foto: Bettina Müller

    Mainz - Sieben Freunde am Ende ihres Studiums: Ihnen könnte die Welt zur Füße liegen, doch die Freiheit ist ihnen eine Bürde geworden. "Entweder man wird bürgerlich oder man begeht Selbstmord", sagt die schöne Desiree. Redundant wird dieser Satz eineinhalb Stunden in allen Facetten aufgegriffen und kann als Motto eines trostlosen Stückes stehen, das zwar vielversprechend beginnt, aber seine Längen hat.

    Das Stück "Krankheit der Jugend" von dem österreichischen Schriftsteller Ferdinand Bruckner hatte am Donnerstagabend im Kleinen Haus Premiere. Auf einer hermetisch abgeriegelten Bühne zeichnet Regisseur Dominique Schnitzer ein verstörendes Porträt einer enttäuschten Jugend, die vor lauter Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst lieber sterben will als erwachsen zu werden.

    Das Stück, obwohl in den 20er-Jahren geschrieben, hat nichts an Aktualität eingebüßt. Schnitzer und seinem siebenköpfigen Ensemble - allen voran eine großartige Caroline Reinke als Marie - gelingt es, die Figuren und Dialoge ins Heute zu übertragen. Die Angst vor dem Erwachsenwerden, vor der Spießigkeit des bürgerlichen Lebens und die verzweifelte Suche nach Liebe und Geborgenheit werden dem Zuschauer wie auf einem grell ausgeleuchteten Seziertisch dargeboten.

    Funke springt nicht über

    Der Funke zum Zuschauer springt leider dennoch nicht über. Zu weit weg wirken die schrillen Figuren, wenn sie sich auf der Bühne am Rande der Verzweiflung mal kopulieren, mal prügeln. Christin Treunert (Bühne und Kostüme) kommt mit wenig Requisiten aus: sieben Stühle, ein Putzeimer, ein medizinisches Fachbuch, ein paar Schuhe und Klamotten - ansonsten gähnt einen die Trostlosigkeit an. In sich geschlossen strahlt der karge Bühnenraum die Kälte einer Leichenhalle aus: Hier kommt keiner raus, außer er bringt sich um - so wie Desiree, deren Selbstmord am Ende von den anderen nur noch wie beiläufig wahrgenommen wird. Zu sehr ist jeder mit sich selbst beschäftigt, emotional längst abgestumpft.

    Doch bis zu dem Suizid geben sich die sieben Medizinstudenten in ihrem Beziehungswirrwarr riskanten Spielen um sexuelle Abhängigkeit, Gewalt und Macht hin: Die zu Anfang noch fröhliche Marie, ihr schnöseliger Freund Petrell (Felix Mühlen) und die versnobte Desiree (Pascale Pfeuti) stehen kurz vor dem Ende ihres Studiums. Eine Promotionsfeier soll es geben, doch da verrät Freder (André Willmund), der gut aussehende, aber durch und durch verkommene und skrupellose Mitbewohner, dass Petrell ein Verhältnis zu Maries verstockter und zickiger Kommilitonin Irene (Ulrike Beerbaum) hat. Marie flüchtet sich daraufhin in ein lesbisches Verhältnis zu Desiree. Freder demütigt derweil die junge Lucy (Janina Zschernig) und zwingt das schlichte Mädchen, das sich in ihn verliebt hat, auf den Strich zu gehen.

    Es wird weitergelebt

    "Es wird weitergelebt, so oder so", heißt es am Ende des Stückes aus Freders Mund. Der skrupellose Machtmensch steigt über den leblosen Körper von Desiree. Weiterleben - aber nur unter Verzicht auf Werte und Mitmenschlichkeit.

    Andrea Wagenknecht

     

    Karten und Termine: 06131/2851 222

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