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    MainzBeim Drogengeschäft war diesmal der Dealer das Opfer

    Die Sitten im Drogenmilieu sind rau. Nicht selten kommt es zu Auseinandersetzungen, und Waffen spielen dabei häufig eine unrühmliche Rolle. So auch im Fall eines 24-jährigen Systemgastronomen, der bei einem Mainzer Dealer ein Kilogramm Marihuana bestellte. Dafür sollte er 6000 Euro hinblättern. Doch ans Bezahlen verschwendeten der scheinbare Käufer und sein Komplize keinen Gedanken. Man wollte den Dealer schlicht berauben. Der Versuch scheiterte, alle drei landeten in gesonderten Verfahren vor Gericht.

    Foto: dpa

    Doch zurück zum Anfang im Januar 2010: Nachdem der Angeklagte, der lange Zeit in Mainz lebte, bei dem Dealer das Marihuana bestellt hatte, schickte er seinen Komplizen allein zum Treffen auf einem Parkplatz. Der 24-jährige Drahtzieher zog es vor, die Hochzeit seiner Schwester zu feiern.

    Der Drogenraub schlug fehl: Weil der Lieferant dem Komplizen körperlich deutlich überlegen war, griff letzterer zu Schlagstock und Pfefferspray. Doch obwohl er beides massiv einsetzte, konnte er den Dealer nicht überwältigen und ihm die Tasche mit dem Marihuana entreißen. Als schließlich ein Auto auf die Parkfläche fuhr, floh der Angreifer. Er wurde geschnappt und sitzt derzeit eine Haftstrafe von mehr als fünf Jahren ab.

    Heil im Geständnis gesucht

    Angesichts einer umfangreichen Ermittlungsakte mit Aussagen des Dealers und des Komplizen suchte der Angeklagte, der mittlerweile in Berlin wohnt, sein Heil im Geständnis. Und so verlas Verteidiger Hans-Dieter Henkel eine kurze Einlassung, in der alle Vorwürfe eingeräumt wurden. Für die Anklagevertretung war damit der Fall klar: Der Mann habe sich des Handels mit Betäubungsmitteln schuldig gemacht, weil diese Straftat bereits als vollendet gilt, wenn eine Bestellung der Drogen erfolgt. Dazu kommt - auch wenn es etwas "komisch anmutet", wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft zugab - noch ein versuchter Betrug, da die beiden Komplizen den Dealer ja nie bezahlen wollten.

    Dem schloss sich das Amtsgericht an und verurteilte den bisher nicht vorbestraften Systemgastronomen zu einer Haftstrafe von anderthalb Jahren auf Bewährung. Dazu muss er 1500 Euro an eine Suchthilfe zahlen. "Wir hoffen, dass das eine einmalige Episode im Leben des Angeklagten bleibt", betonte Richterin Franziska Freitag bei der Urteilsverkündung. Sie hielt dem Angeklagten unter anderem zugute, dass er für den "Exzess" seines Komplizen - also den Waffeneinsatz - nicht verantwortlich gemacht werden könne.

    Einen minderschweren Fall allerdings, wie vorher in seinem Plädoyer Henkel argumentierte, mochte das Gericht nicht sehen und blieb daher nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von einem Jahr und zehn Monaten. Der Verteidiger hatte zehn Monate auf Bewährung für angemessen gehalten.

    Heiko Beckert

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