Interview mit Frank Schirrmacher: Wie die Computer uns das Denken austreiben
Unsere Computer zwingen uns so zu denken wie sie. Frank Schirrmacher hat mit dieser These eine breite Debatte über die Folgen der Datenüberflutung ausgelöst.
Frankfurt - Im Minutentakt poppt am Bildschirm eine E-Mail auf. Am modernen Arbeitsplatz ist Multitasking gefragt – mehrere Projekte fordern gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit ein. „Das verändert unser Denken“, sagt der Autor und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher (50). In seinem Buch mit dem Titel „Payback“ fordert er, dass der Mensch die Kontrolle über sein Denken zurückgewinnen muss. Wir trafen ihn in Frankfurt. Das Interview:
Wer soll noch Ihre „FAZ“ lesen, wenn das Internet unsere Hirne zerstört hat?
Ich sage nicht, dass das Internet unsere Hirne zerstört, sondern dass das Multitasking sie zerstört. Eine Therapie dagegen ist zum Beispiel das Lesen der FAZ.
Das Internet fördert Multitasking. Ist es keine Konkurrenz für die Zeitung?
Wir befinden uns zurzeit in einer Versuchsphase. Die moderne Gesellschaft wird sich in Bewusstseinsströmen organisieren. Der Mensch lebt in einem Bewusstseinsstrom. Dieser wird gespeist von seinem Social-Media-Account, von Dingen wie Twitter oder dessen Nachfolger. Das heißt, der Mensch ist seine eigene Nachrichtenzentrale. Und darum ist es für Zeitungen natürlich wichtig, in diesen modernen Systemen aktiv zu sein. Es ist aber völlig absurd zu glauben, man könnte diese in irgendeiner Form erobern. Zeitungen sind ja schon da, wo die alle hinwollen. Sie haben einen Namen, sie sind eine Marke. Für die Zeitung ist es eine Verbreitungsplattform, aber nicht ihre Zukunft.
Was ist die Zukunft der Zeitung?
Es geht um Qualität. Sie sinkt, wenn immer mehr Zeitungen immer das Gleiche schreiben. Qualität heißt Eigenständigkeit – nicht Automatisierung. Es heißt Vertrauen in das größte Kapital, nämlich den einzelnen Redakteur und seine Fähigkeiten zu haben. Man darf sich nicht verwechselbar und abhängig vom Internet machen.
Wie sollen Verlage denn Ihrer Meinung nach auf das Internet reagieren?
Sie können Sparkonzepte auflegen, indem sie auf Automatisierung und Internet setzen und Stellen abbauen. Das geschieht bereits, und das halte ich für den Weg in den Untergang. Die andere Möglichkeit ist, dass wir alles, was auf Verlagsebene läuft, automatisieren, aber nicht an der Redaktion sparen. Das ist der Weg in die Zukunft. Das Schlimmste ist der Verlust an Selbstbewusstsein, insbesondere bei den Regionalzeitungen.









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