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Dichter im Bierzelt: Stadtschreiber Rosenlöcher

Frankfurt/Main (dpa) - Im weißen Festzelt riecht es nach ausgekipptem Bier und brutzelnder Rindswurst. Gut 1000 Leute drängen sich auf den Bankreihen. Es ist stickig und laut. Vorne auf der Bühne, auf der eben noch eine Band spielte, stehen nun die Schriftsteller Thomas Rosenlöcher und Ulrich Peltzer.

Thomas Rosenlöcher
Thomas Rosenlöcher hat gerade sein Namensschild angeschraubt.

Doch was dort passiert, passt so gar nicht in diese quirlige Rummelplatz-Umgebung: Der Dresdner Lyriker, Essayist und Erzähler Rosenlöcher wurde am Freitagabend in Frankfurt in das Amt des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim eingeführt. Er ist der 37. und löste Peltzer ab.

Literaturpreise werden normalerweise in festlichen Sälen verliehen, mit Herren in Fracks und einem Pianisten am Flügel. Nicht so der älteste deutsche Stadtschreiber-Preis. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung, die mit einem einjährigen Wohnrecht im «Stadtschreiberhaus» verbunden ist, wird alljährlich in einem Festzelt auf dem Marktplatz des erst 1977 eingemeindeten Stadtteil Frankfurts übergeben. Bierzeltatmosphäre trifft im verschlafenen Bergen mit seinen Fachwerkhäusern auf Hochkultur.

«Es wird immer über die Trennung zwischen Literatur und dem Rest geklagt. Das hier ist ein Turm», sagt Rosenlöcher. Der 63-Jährige passt mit seinem Bart und den grauen Locken bis zum Kinn gut hierher. Rosenlöcher kommt uneitel daher - und mit seiner humorigen Art beim Publikum gut an. Bekannt ist er für seine Naturlyrik und dafür, dass er die Wendejahre pointiert und ironisch beobachtet hat - etwa in «Die verkauften Pflastersteine. Dresdener Tagebuch» (1990). Von der Bühne winkt er seinen Enkeln Richard (9) und Jakob (11) zu. «Echte West-Enkel», wie er sagt. Sie wohnen im hessischen Bensheim.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hebt in ihrem Grußwort die «romantische Selbstironie» des Suhrkamp-Autors hervor. Roth erwähnt auch das Motiv des Apfelbaums im Werk Rosenlöchers, um dann messerscharf eine Parallele zu ziehen: «Auch die Berger und die Frankfurter huldigen ja dem Apfelbaum und dessen Frucht.» Auf den Tischen klirren die Bembel und die Äppelwoi-Gläser. Roth schmeichelt sich noch ein bisschen bei den Bergern ein: «Wir Frankfurter bleiben Bergen-Enkheimer, so heißt es doch?» Und nennt das Schreiberhaus schließlich eine «Villa». Dafür erntet sie allgemeines Gelächter.

Tatsächlich ist das «Stadtschreiberhaus» an der Oberpforte 4 eher urig. Peltzer erwähnt in seiner Abschiedsrede lobend, dass das Bad nun renoviert sei. Großstadt-Autor Peltzer, der in Berlin-Neukölln wohnt, beteuert, dass ihm in Bergen nie die Decke auf den Kopf gefallen sei: «Man kann ja schnell nach Frankfurt reinfahren.» Und Rosenlöcher kündigte an, bis zum Frühjahr dauerhaft dort wohnen zu wollen - «bis die Bäume wieder Blätter haben». Neben der Arbeit an einem Prosastück, das ihn schon lange beschäftigt, plant er auch, wieder mehr Gedichte zu schreiben, was er in letzter Zeit vernachlässigt habe.

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