Wein-Presse: Wie viel Boden ist im Wein?
Alexander Kohnen zu einem oft verkannten Qualitätsmerkmal
Bodeneigenschaften wie Wasserspeicher- fähigkeit und Nährstoffverfügbarkeit bestimmen nicht nur das Wachstum der Reben, sondern auch den Charakter der Trauben – und damit auch den Geschmack des Weines. Im Laufe von Millionen Jahren haben sich die unterschiedlichen Bodentypen der Anbaugebiete durch Verwitterung von Gesteinen, Mineralien und organischen Stoffen gebildet. Alexander Kohnen widmet sich einem oft verkannten Qualitätsmerkmal.
An der Mosel, am Mittelrhein und an der Ahr ist – wie in vielen Rotweingebieten anderer Länder – Schiefer der geschätzte Untergrund für die Reben. Hier wachsen bevorzugt der Riesling und der Spätburgunder. Devonschiefer wird als die beste Variante der diversen Schieferarten angesehen. Es gibt verschiedene Farbschattierungen, und so bezeichnet ein Winzer seinen Wein gern als Blauschiefer, Rote Lay oder Roten Hang. Schiefer kann gut Wärme speichern und gibt diese in der Nacht an die Reben ab. Er drückt sich im Wein durch eine mineralische Note aus und verleiht dem Riesling an der Mosel seine unverkennbare Stilistik.
In Rheinhessen liegt ein ausdrucksstarker Lehm- und Lössboden vor. Diese Kombination ist für jeden Winzer eine äußerst fruchtbare Angelegenheit: Löss ist eine Art Gesteinsmehl, sehr nährstoffreich. Aber seine Wasserspeicherkraft ist nicht sehr ausgeprägt. Lehm ist tiefgründig und wird oft als schwerer Boden bezeichnet. Weine, die auf diesem Boden wachsen, liefern in der Regel geringe Erträge und führen zu komplexen und fruchtbetonten Weinen.
Mineralische Weißweine werden oft als „kühl“ wahrgenommen und sind säurebetont. Im Aroma und im Geschmack sind oft Heu, trockenes Gras, Blüten, Buchsbaum und Kräuter zu erkennen. Bei den Rotweinen sind rote Beeren, Pfeffer, Liebstöckel, Leder und Heu typisch.
Weißweine, die auf kräftigen und nährstoffreichen Lehm- oder Lössböden wachsen, erinnern an exotische Früchte wie Ananas, Honig, Vanille und Rosenblätter. Ein Rotwein schmeckt nach Cassis, Karamell, Schokolade und Rumtopf.
Der Winzer muss den Boden sehr genau kennen, um entscheiden zu können, welche Rebsorte für seinen Weinberg und seinen Weinstil geeignet ist. In der Konstellation von Boden, Klima, Rebsorte und Winzer entsteht bei harmonischem Zusammenspiel der individuelle Charakter des Weines.
Alexander Kohnen ist Inhaber des International Wine Institutes in Bad Neuenahr (www.iwi-edu.eu).









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