Wein-Presse: Unscheinbar und mit höchstem Qualitätsniveau
Alexander Kohnen über das Weinbauland Luxemburg
Wenn man bedenkt, dass Spanien als größtes Weinbauland 1,3 Millionen Hektar Weinberge bewirtschaftet, so ist es verständlich, dass Luxemburg mit gerade einmal 1300 Hektar Weinberge im Schatten der anderen europäischen Weinproduzenten steht. Die luxemburgische Winzerschaft versteht es seit Jahren, ausgewählte Qualitäten zu erzeugen und zu einem guten Preis-Genuss-Verhältnis anzubieten. Das kleinste aller europäischen Weinbauländer liegt an der Mosel zwischen Schengen und Wasserbillig. Die Weinberge wurden in der Mehrheit auf südlich orientierten Hanglagen angelegt. Die Mosel hat großen Einfluss auf das Mikroklima im östlichen Teil des Großherzogtums. Sie sorgt für einen ausgewogenen Wasserhaushalt, und das Oberflächenwasser speichert tagsüber die Sonnenenergie, die nachts wieder abgegeben wird.
Die Bodenverhältnisse teilen sich in zwei Bereiche. Im nördlichen Bereich rund um Grevenmacher herrscht Muschelkalk vor, im südlichen rund um Remich findet man Keuper und Mergel. Auf dem Muschelkalk fühlt sich Riesling wohl, auf Keuper gedeihen feingliedrigere und weichere Weine aus Rivaner, Pinot Blanc und Pinot Gris. Wegen der nördlichen Lage wird kaum Rotwein angebaut.
Alle Weine unterliegen einer besonderen strengen, gesetzlichen Qualitätsprüfung. Bereits in den frühen 1930er-Jahren fasste die Luxemburger Regierung den Entschluss, offiziell über die Qualität der einheimischen Weinbauerzeugnisse zu wachen. Es wurde die „Marque Nationale“ für den luxemburgischen Wein geschaffen.
Bei der Einteilung der Qualitätsstufen handelt es sich um einen diplomatischen Mix der Weingesetze südlicher Weinbauländer und der deutschen Weinverordnungen. Die Qualität der Weine ist erkennbar an der Halsschleife oder dem Rückenetikett mit der Aufschrift „Marque Nationale – Appellation Contrôlée“. Die mit der Prädikatsbezeichnung „Premier Cru“ ausgezeichneten Weine erhalten die höchste Prädikatsbezeichnung.
Luxemburgs Weinwirtschaft ist stark genossenschaftlich orientiert. Gut 58 Prozent der Weinbergsfläche wird durch Winzer bewirtschaftet, die sich in der Kellereigenossenschaft „Domaines de Vinsmoselle“ engagieren. 28 Prozent der Fläche wird von selbstvermarkenden Winzern bestellt und 14 Prozent von Privatkellereien.
Alexander Kohnen ist Inhaber des International Wine Institute in Bad Neuenahr (www.iwi-edu.eu).









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