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Wein-Presse: Nicht nur der Boden bestimmt das Terroir

Alexander Kohnen über einen Mythos

RZ-Weinexperte Alexander Kohnen
Was macht eigentlich die Qualität eines Weines aus? Sicherlich nicht nur die Öchslegrade, die dem deutschen Weingesetz als Maßstab dienen, oder die Qualitätsweinprüfung, die ungenügende und fehlerhafte Weine aussortiert. Es gibt viel mehr, was einen Wein ausmacht, was ihm die natürliche Geschmacksausprägung gibt, seine Seele offenbart. Gemeint ist: das Terroir!

Grandios! Der 2008er Röttgen ist goldgelb und duftet intensiv nach Frucht und Honig. Ein feinfruchtiger Geschmack, gepaart mit mineralischer Textur, betört den Gaumen. Vielschichtig präsentiert sich dieser Terroirgeprägte Wein mit einer unglaublichen Länge. Erhältlich im internet unter heymann-loewenstein.com für 19,50 Euro.
Der Begriff „Terroir“ kommt aus dem Französischen. Schon im Mittelalter haben Zisterzienser-Mönche den Einfluss bestimmter Weinbergslagen auf die Qualität des Weines beobachtet. Daher fassten sie im Burgund Gebiete mit einheitlichen Weinen durch eine umrahmende Mauer zusammen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff näher gefasst und diente als Grundlage des französischen Weingesetzes. Terroir bedeutet wörtlich der Boden (Acker), im übertragenen Sinn auch die Herkunft oder Heimat.

Heute ist Terroir im Wein die emotionale Wahrnehmung der Natur auf der Zunge durch Geologie, Topografie, Klima, Boden, sowie dessen Tiefgründigkeit und Feuchtigkeit, kurz: das Zusammenspiel aller natürlichen Faktoren, die seinen Charakter geprägt haben. Alles, was ihn zu einem eigenständigen Produkt eines einzigartigen Ortes gemacht hat.

Hinzu kommen Rebsorte und Alter des Weinstocks, wie tief er verwurzelt ist, was er aus der Tiefe hervorbringt und auf jeden Fall die Hand des Winzers: wie er es versteht, aus all diesen Gegebenheiten eine Prägung zu formen, seine Erfahrung, sein Wissen, Können und Fingerspitzengefühl, seine Leidenschaft auf den Wein überträgt.

Bei Weinen der günstigen bis leicht gehobenen Preisklasse spielt der „Terroir“ in der Regel keine große Rolle. Bei diesen Weinen stehen eher die rebsortentypischen Aromen im Vordergrund. Gewürztraminer, Chardonnay oder Dornfelder liefern auch aus ganz unterschiedlichen Regionen ein sehr ähnliches Geschmacksprofil. Riesling und Spätburgunder hingegen eignen sich perfekt für authentische Weine einer bestimmten Region.

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