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Wein-Presse: Im Tal der roten Trauben

Alexander Kohnen über die Besonderheiten der Ahrregion

Es gibt in Deutschland viele Gebiete, in denen guter Rotwein wächst. Doch seit mehr als 15 Jahren steht national wie international eine der kleinsten deutschen Weinregionen ganz besonders im Mittelpunkt vieler Rotweingenießer und Weinkritiker: das Ahrtal. Mit 558 Hektar ist das Anbaugebiet vor den Toren Kölns berühmt für den König der roten Sorten – den Spätburgunder.

Die Ahr-Weine können nur mit großen Mühen erzeugt werden. So müssen die Winzer oft durch zerklüftete Felsspalten klettern, in denen mitunter nur wenige Rebstöcke nebeneinander stehen. Die Hänge bestehen überwiegend aus Tonschiefer, in tieferen Lagen auch aus Löss und Lehm. In der Topografie unterscheidet sich das schroffe mittlere Ahrtal mit seinen extremen Steillagen vom unteren Ahrtal, das sich bei Walporzheim mit überwiegend flacheren Hängen und typischen Basaltkegeln öffnet.

Dort, wo das Flusstal tief ist, herrschen bei guter Sonneneinstrahlung und milden Durchschnittstemperaturen günstige Bedingungen. Dank des beinahe mediterranen Klimas konzentriert sich der Weinbau hier auf Rotwein: 86 Prozent der Anbauflächen sind mit roten Reben bestockt. Vor allem Spätburgunder, Portugieser, Frühburgunder und Dornfelder, aber auch Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc kommen hier zur Reife. Die übrigen 14 Prozent teilen sich die weißen Rebsorten – vor allem Riesling und Müller-Thurgau. Die Winzer setzen auf Klasse statt Masse. Sorgfalt im Weinberg, moderne Kellertechnik und der Ausbau im Eichenholzfass garantieren hochwertige Weine.

Eine Rebsorte, die an der Ahr seit jeher gepflegt wird, ist der Portugieser. Die Sorte gilt als unkomplizierter, angenehmer, vollmundiger und süffiger Schoppenwein – für Liebhaber eines guten Roten der perfekte Sommergenuss. Mit viel Frucht und wenig Tannin entwickelt er sich schnell und ist schon im Frühjahr ein harmonischer Wein. Er wird – gerade in der heißen Jahreszeit – bei 11 bis 13 Grad etwas kühler getrunken. Dies verstärkt den erfrischenden Charakter seiner belebenden Säure. Im verhaltenen Duft sind Aromen von roter Johannisbeere, Himbeere oder Erdbeere oder ein leichter Pfefferton zu riechen. Im Ahrtal wird der Portugieser gern zur deftigen Brotzeit genommen, passt aber auch gut zu einem gebratenen Geflügel mit Champignons oder zum Frischkäse.

Alexander Kohnen ist Inhaber des International Wine Institute in Bad Neuenahr (www.iwi-edu.eu).

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