Wein-Presse: Globalisierung im Weinregal
Alexander Kohnen über das neue Denken unserer Winzerschaft
Genau ein Jahr ist es her, dass die deutsche Winzerschaft aufgerufen wurde, aktiv am neuen Weingesetz mitzuarbeiten. Die Gespräche, Diskussionen und Neuerungen sind auch dringend notwendig, denn die Globalisierung auf dem Weinmarkt mit ihren positiven und negativen Auswirkungen wird sich weiter fortsetzten.
Deutschland ist das Mekka für internationale Weinexporteure: Kein Land kauft mehr Wein ein. Der internationale Wettbewerb konzentriert sich immer mehr auf zwei Ländergruppen: einerseits der Neuen Welt (mit USA, Chile, Argentinien, Australien, Neuseeland und Südafrika) und andererseits Europa.
Weltweit werden rund 240 Millionen Hektoliter Wein im Jahr genossen und circa 280 bis 300 Millionen produziert. Eine gewaltige Größenordnung, wenn man bedenkt, dass der Weinkonsum innerhalb Europas sinkt. Erstes alarmierendes Signal: Der Weingenuss in ganz Südeuropa geht kräftig zurück, während er in Nordeuropa leicht ansteigt.
In unserem Heimatland ist Wein beliebt. 20 Millionen Hektoliter Wein werden jährlich genossen. Gegenüber den Importweinen konnten sogar Marktanteile zurückerobert werden. Grund für die erfolgreiche Vermarktung sind aus meiner Sicht die konsequente Qualitätsphilosophie, unsere Leitrebsorten Riesling und Spätburgunder und die „Flaggschiffe“ der deutschen Winzerschaft. „Klasse statt Masse“ heißt die Devise! Mit Individualismus, Authentizität, Spiritualität und Emotion werden Premiumweine zu Kassenschlagern.
Die Veränderungen in der Weinwelt haben das Denken in der deutschen Weinwirtschaft positiv beeinflusst. Einerseits entwickeln sich immer mehr Weinbaubetriebe zu erfolgreichen Selbstvermarktern mit den verschiedensten Dienstleistungsangeboten wie Apartmentvermietung oder eine eigene Gastronomie – andererseits schaffen die Weinkellereien und Erzeugergemeinschaften neue, attraktive Anreizsysteme, damit die vielzähligen deutschen Nebenerwerbswinzer eine bessere Traubenqualität abliefern. Der wirtschaftliche Erfolg eines Betriebs liegt nicht so sehr in Größe und materiellem Besitz, sondern vielmehr im fachlichen Können und in der Unternehmerkompetenz. Es zeigt sich zunehmend, dass Winzer neben natur- und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch das Entertainment beherrschen müssen.
Alexander Kohnen ist Inhaber des International Wine Institute in Bad Neuenahr (www.iwi-edu.eu)









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